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Amouröses Amüsement: Beziehungsbezügliches

Am 14. Februar schlagen viele Herzen höher - vor allem in der Geschäftswelt. Rosen und wolkige Gefühle weckende Geschenke lassen Kassen klingeln und Augen strahlen. Sehen wir uns das Valentin'sche Geschehen doch einmal nüchtern-wissenschaftlich an.
Jeff GavinLaden...
Welche Zeit des Jahres eignet sich wohl am besten, um Neuigkeiten zum Thema menschliche Partnerfindung und Liebesleben zu veröffentlichen? Mai, wäre vielleicht ein erster Gedanke. Durchaus richtig. Aber: Auch rund um den Valentinstag kommen diese Erkenntnisse ausgesprochen gut an – und treffen zumindest in den Medien auf bereitwillige Augen und Ohren. Denn obwohl uns das Thema natürlich immer interessiert, zu solchen Zeiten interessiert es uns noch ein wenig mehr. Oder etwa nicht?

Also sehen wir uns die letzten bezüglichen Nachrichten doch einmal genauer an. Jeff Gavin von der Universität Bath und seine Kollegen beispielsweise haben sich der bedeutenden Frage gewidmet, wie sich überhaupt ein potenzieller Valentinstagsgeschenksempfänger männlicher oder weiblicher Ausprägung finden lässt – für manchereins einer der schwierigsten Schritte im Leben überhaupt. Jeder kennt das Problem: Ab einem gewissen Alter ist das eigene Umfeld beherrscht von glücklichen, womöglich sogar schon nachwuchsbeschenkten Pärchen und – ebenfalls häufig frustriert suchenden, aber nicht passenden – Singles. Neue Bekanntschaften fallen nun einmal nicht einfach so vom Himmel, und wer sie oder ihn nicht beim Karnevalsverein, Salsa-Workshop oder Volkshochschulkurs "Indisch kochen für Vegetarier" trifft, der oder die muss sich wohl etwas anderes einfallen lassen.

Und was läge da näher als das Internet? Obwohl noch immer etwas skeptisch betrachtet, boomen Kontaktbörsen im virtuellen Raum, anonym wird gemailt und gechattet, ohne das Risiko, zu viel von sich preisgeben zu müssen. Noch denken viele, hinter den Bildschirmen verbergen sich nur menschliche Exemplare, die auf der realen Bühne gegen selbstsichere, gut aussehende Konkurrenten und -innen nicht bestehen können. Doch falsch gedacht, das ist inzwischen klar.

Der Erfolg gibt dem noch recht neuen Weg der Kontaktaufnahme durchaus Recht. Das zeigen auch die Antworten, die Gavins Team von 229 Briten im Alter von 18 bis 65 Jahren zum Thema Online-Beziehungen erhielten: 94 Prozent der www-Flirtpartner, die dem bevorzugten Mailkontakt denn auch tatsächlich eines Tages Aug in Auge gegenüber standen, hatten sich mindestens ein weiteres Mal getroffen. Die daraus entstandenen Partnerschaften hielten mindestens sieben Monate, ein knappes Fünftel sogar über ein Jahr – zum Zeitpunkt der Untersuchung, wohlgemerkt. Langzeitergebnisse lagen noch nicht vor [1].

Die Erfolgsquote stieg, wenn zum Internetkontakt noch Telefongespräche und Geschenke vor dem ersten Treffen dazukamen. Und Männer engagierten sich emotional erheblich mehr als Frauen bei dieser Form der Partnerfindung. Vielleicht, so spekuliert Gavin, weil es ihnen im anonymen Austausch leichter fällt, über ihre Gefühle zu reden. Woraus sie aber nicht ableiten sollten, reale Probleme der Partnerschaft dann über E-Mail lösen zu wollen – das geht garantiert schief.

Doch zurück zur Kontaktaufnahme. Kommt dann der entscheidende Moment – das neudeutsche "Date" –, kann bekanntermaßen alles sehr schnell gehen. Wie schnell, hat sich Robert Kurzban von der Universität von Pennsylvania mit seinen Mitarbeitern noch einmal genauer angeschaut. Wie entscheidend die ersten Sekunden wirklich sind, offenbart sich kaum besser als bei HurryDate-Partys, wo Männlein und Weiblein drei Minuten Zeit haben, sich kennenzulernen – eine ebenfalls noch recht neue, aber aufstrebende Form der Partnersuche. Diese drei Minuten – wohl sogar weniger als drei Sekunden – reichen dicke aus, damit es funkt zwischen zwei Menschen oder nicht. Die vorab gegebenen Informationen über Religion, Einkommensverhältnisse oder Ausbildung interessieren dabei weiche Knie überhaupt nicht [2]. Ob und wenn ja, wie viele Langzeitbeziehungen daraus entstehen, bleibt allerdings noch offen.

Doch was löst nun das Bauchschmetterlingsgefühl aus? Dass der andere leise lächelnd in einem fort nickend unser Verhalten bestätigt und Messer und Gabel wie wir in der Besteckschublade sortiert? Oder dass ihr Temperament unserer zugegeben vielleicht etwas lethargischen Lebensweise den nötigen Schwung versetzt? Kommt darauf an, was man betrachtet, würde Eva Klohnen von der Universität von Iowa antworten: Bei der Auswahl richten wir uns eher nach den offensichtlichen Gemeinsamkeiten. Soll eine Lebensgemeinschaft aber wirklich ein Leben lang glücklich sein, entscheiden darüber eher ähnliche Persönlichkeiten [3].

Erkenntnisse, welche die Forscher an 291 – allerdings – recht frisch verheirateten Pärchen gewannen, die sich vor der Hochzeit im Durchschnitt dreieinhalb Jahre gekannt hatten. Es zeigte sich, dass die Verliebt-Verlobt-Verheirateten sehr ähnliche Verhaltensweisen und Wertvorstellungen an den Tag legten. Ihre Aussagen zum Glückszustand ihrer Beziehung allerdings hing dann eng mit Persönlichkeitsmerkmalen zusammen. Auf lange Sicht stimmt dann wohl doch eher "Gleich und gleich gesellt sich gern" denn "Gegensätze ziehen sich an".

Auf Dauer überhaupt nicht funktioniert jedenfalls Heimlichtuerei und die ach so romantische Liebe im Verborgenen. Mögen auch Bücher, Filme und Musik schwärmen vom besonderen Reiz einer Romeo-und-Julia-Affäre, für die Betroffenen selbst wird der rosa Schleier bald zum roten Tuch. Zu groß ist die Belastung, Freunde und Familie hintergehen zu müssen, das Glück nicht offen zeigen zu können, keine Anerkennung zu finden. Zu schnell wird damit die Freude zu Frust, der Höhenflug der ersten verliebten Treffen zum Absturz in der Qualität der Beziehung, berichten Craig Foster von der United States Air Force Academy und Keith Campbell von der Universität von Georgia [4].

Nicht immer muss es enden wie bei Shakespeare, auch hier gibt es Happyends. Und mag man von einem kommerziell verordneten Sei-glücklich-Datum halten, was man will, so ist doch vielleicht besonders ihnen zu wünschen, dass die Zukunft aus vielen fröhlichen Valentinstagen bestehe – nicht nur am 14. Februar. Allen anderen frisch oder schon lang Verliebten aber natürlich auch.
15.02.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 15.02.2005

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