Direkt zum Inhalt

Sakrale Archäologie: Biblisch alt

Der legendäre Herrscher Israels scheute für sich und sein Volk keine Kosten: Er baute Flotte und Heer aus, errichtete Tempel und Verwaltungsgebäude und ließ sich in seinem sagenumwobenen Palast von hunderten Dienerinnen verwöhnen. Eine Quelle seines Reichtums könnte nun enthüllt worden sein - der König kontrollierte die antike Kupferindustrie.
Ein Forscher stapft durch die jordanische Wüste, in der einen Hand eine Schaufel und in der anderen die Bibel. Es ist der Archäologe Nelson Glueck (1900-1971) bei dem Versuch, seine Funde im Heiligen Land mit den alten Texten in Einklang zu bringen. In den 1930er Jahren glaubt Glueck dann endlich Erfolg zu haben: Die Ausgrabung Khirbat en-Nahas entpuppt sich als die antike Kupfermine des israelitischen Königs Salomon, der laut biblischen Schriften im 10. vorchristlichen Jahrhundert über das Gebiet des heutigen Jordaniens geherrscht hat.

Wüste JordaniensLaden...
Wüste Jordaniens | Im "goldenen Zeitalter" der biblischen Archäologie zwischen den beiden Weltkriegen versuchten Wissenschaftler, mit den Funden die sakralen Texte zu belegen. In der jordanischen Wüste vermuten einige Archäologen schon seit damals die antike Kupfermine des legendären Königs Salomon.
Bis in die 1980er wurde Gluecks Entdeckung jedoch größtenteils kein Glauben geschenkt. Die Meinung setzte sich durch, dass die Episoden der Bibel, die den frühen israelitischen und judäischen Königen vom 10. bis 9. Jahrhundert zugeschrieben wurden, nicht verlässlich seien. Und so wurde auch Khirbat en-Nahas, was Kupferruine auf arabisch bedeutet, nicht als biblische Stätte anerkannt.

Ein internationales Team von Archäologen unter der Führung von Thomas Levy von der University of California in San Diego untersuchte die umstrittene Fundstelle nun mit modernen Methoden. Die Forscher haben über sechs Meter Schmelzablagerungen, Ton und Asche ausgehoben, um herauszufinden, ab wann dort Kupfer abgebaut wurde.

GrabungsstätteLaden...
Grabungsstätte | Die Archäologen hoben in Khirbat en-Nahas sechs Meter Schlackeablagerungen, Ton und Asche aus, um bis an die Basis der antiken Kupfermine zu gelangen. Anhand einiger Samen- und Holzproben gelang ihnen eine Datierung der Fundstätte auf das 10. Jahrhundert v. Chr.
Eingebettet in die Schlacke fanden sie dort ägyptische Artefakte – einen Skarabäus und ein Amulett. Ägyptische Schmuckstücke in einer Kupfermine des israelitischen König Salomon? Was zunächst deplatziert erscheint, ist anhand biblischer Schriften erklärbar: Pharao Sheshonq I fiel im 10. Jahrhundert v. Chr., kurz nach Salomons Tod, ins Land der Israeliten ein. Er versuchte die Region zu schwächen, indem er seine Truppen vor allem die ökonomisch wichtigen Zentren zerstörten ließ.

Der Angriff auf eine ergiebige Kupfermine wie Khirbat en-Nahas passt also auf die biblische Version der Geschichte. Die Fundstücke aus dem ägyptischen Delta wurden zudem in einer Schicht der Ausgrabung gefunden, die Anzeichen einer Unterbrechung des Abbaus aufweist. Der Überfall des Pharao war also scheinbar von Erfolg gekrönt.

Doch selbst Levy als Leiter der Ausgrabungen lässt sich von einem solchen Fund nicht gleich überzeugen: "Wir können nicht alles glauben, was alte Schriften uns erzählen." Harte, objektive Fakten müssen her, welche die Frage nach Salomons Mine endgültig lösen. Also machten sich die Archäologen an eine Radiokarbondatierung, die konkrete Zahlen statt Vermutungen liefert.

Samen und Holz aus alten Kohleresten der Fundstätte wurden dazu auf ihren Kohlenstoffgehalt untersucht, anhand dessen man ihr Alter bestimmen kann.
"Wir können nicht alles glauben, was alte Schriften uns erzählen"
(Thomas Levy)
Die gewonnene Erkenntnis war eindeutig: Der Hauptteil der industriellen Produktion in Khirbat en-Nahas fand im 10. Jahrhundert v. Chr. und damit in der Zeit statt, in der laut biblischen Erzählungen Salomon herrschte. Die Fundstätte ist damit zwei Jahrhunderte älter als bisher gedacht.

Können wir der Bibel also doch – wie seinerzeit Nelson Glueck – wörtlich nehmen? Auch Archäologen von heute sehen Parallelen zwischen Fundstätten und biblischen Darstellungen. Auf den Salomon der Heiligen Schrift passen die neuen Erkenntnisse zweifellos, ob sie uns etwas über den historischen König verraten, bleibt dann aber wohl doch Glaubensfrage.
44. Woche 2008

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 44. Woche 2008

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

  • Quellen
Levy, T. E. et al.: High-precision radiocarbon dating and historical biblical archaeology in southern Jordan. Proceedings of the National Academy of Scienes 43, S. 16460–16465, 2008.

Partnervideos