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Landwirtschaft: Bio-Landwirtschaft langfristig so ertragreich wie konventionelle

Zumindest der organisch-biologische Anbau von Mais und Soja erzielt auf Dauer genauso große Erträge wie die herkömmliche Landbewirtschaftung, verbraucht aber gleichzeitig wesentlich weniger Energie sowie Wasser und kommt natürlich völlig ohne Pestizide aus, so das Ergebnis einer 22 Jahre währenden Vergleichsstudie.

Während dieses Zeitraums beobachteten Wissenschaftler um David Pimentel von der Cornell-Universität nicht nur, wie sich die Erträge auf den drei beobachteten Versuchsfarmen des Rodale-Instituts entwickelten, sondern auch, welchen Einfluss die Produktion auf die Umwelt der Flächen hatte: Verglichen wurde etwa die Aktivität von im Boden lebenden Pilzen, die Anreicherung von Stickstoff im Boden oder die Auswaschung von Nitraten ins Grund- und Oberflächenwasser.

Nur zu Beginn der Beobachtungsphase lagen die Erträge auf der konventionellen Farm um bis zu dreißig Prozent höher. Als sich dann allerdings im Laufe der Zeit mehr organisches Pflanzenmaterial in den Böden der Bio-Flächen anreicherte und sich die mikrobielle Aktivität dort erhöhte, schlossen die erzielten Mais- und Sojaernten auf und überholten schließlich jene der herkömmlichen Bewirtschaftung. Dieser Aspekt zeigte sich besonders deutlich in den Dürrejahren von 1988 bis 1998, als mit dem organisch-biologischen Anbau 22 Prozent größere Ernten erzeugt werden konnten als mit dem konventionellen. Der Grund war der beständige Verlust an fruchtbarem Bodenmaterial über die Jahre durch Wind- und Wassererosion auf den herkömmlichen Produktionsstätten, sodass die Wasserhaltekapazität der Flächen sank. Dieser Rückgang war auch durch Düngung nicht vollständig reversibel.

Die Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit auf dem Bio-Land geschah dagegen ausschließlich durch jährlichen Fruchtwechsel mit Stickstoff fixierenden Leguminosen: Der Bodenstickstoff nahm dadurch um 8 bis 15 Prozent zu. Zudem banden diese Böden vermehrt Kohlendioxid und hielten es länger, sodass sich die Forscher davon auch positive Auswirkungen auf den Klimawandel erhoffen. Schließlich verringerte sich auch die Verschmutzung der lokalen Gewässer durch den Verzicht auf Chemikalien, nur beim Austrag von Nitraten konnten die Forscher keine Differenzen feststellen.

Zumindest was den Anbau von Getreide oder Hülsenfrüchten anbelangt, kann die organisch-biologische Landwirtschaft nach Ansicht von Pimentel mit den bislang gängigen Systemen mithalten und ausreichend große Ernten garantieren. Größere Probleme ergeben sich dagegen noch bei Früchten wie Trauben oder Äpfeln sowie Kartoffeln, die anfälliger für Schädlinge und Krankheiten sind.
15.07.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 15.07.2005

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