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Biokraftstoffe: Bioethanol könnte Benzin zu 95 Prozent ersetzen

Bioethanol könnte Benzin aus fossilen Energieträgern in absehbarer Zeit nahezu vollständig ersetzen. Verwendet man anstelle von stärkereichen Pflanzen wie Mais solche, die reich an Zellulose oder Lignin sind, kann sich die Energieausbeute sogar verdoppeln.

Das ist das Ergebnis einer vergleichenden Studie, in der Wissenschaftler der Universität von Kalifornien sechs Untersuchungen über Bioethanol genauer unter die Lupe genommen hatten. Die CO2-Einsparung läge allerdings nur bei etwa 13 Prozent, da bei Anbau, Verarbeitung und Vertrieb des Biokraftstoffs auch Treibhausgase entstehen.

Die Ergebnisse der Arbeiten über den Nutzen von Bioethanol waren sehr unterschiedlich. Insbesondere die Aussagen zur Energieausbeute und zu unerwünschten Folgen bei der Herstellung des Öko-Sprits widersprachen sich zum Teil. Das Forscherteam um Alexander Farrell versuchte nun, die Berechnungen ihrer Vorgänger nachzuvollziehen.

Sie entdeckten dabei eine Reihe von Ungenauigkeiten und Fehlern wie falsch umgerechnete Einheiten oder Annahmen, die auf veralteten Daten und Methoden beruhten. Außerdem bezogen die Studien positive Nebeneffekte der Ethanol-Produktion wie die Weiterverwendung von Abfällen als Viehfutter nicht in die Gesamtenergiebilanz mit ein. Rentabilität und Energieausbeute waren dadurch zu niedrig angesetzt.

Farrell und seine Kollegen sehen den Vorteil des Pflanzentreibstoffs weniger in seiner klimaschonenden Eigenschaft, sondern in der möglichen Unabhängigkeit von Erdölimporten. Sie propagieren eine langsame Umstellung der Produktionskreisläufe auf Bioethanol und empfehlen, sich nicht nur auf Getreide zu stützen. Ein Mix aus Grünschnitt, Abfällen aus der Landwirtschaft und extra angebauten Energiepflanzen sei empfehlenswerter, als sich ausschließlich auf Mais oder Raps zu konzentrieren. Auch Umweltschäden durch Dünger und Bodenerosion könnten so auf einem niedrigen Niveau gehalten werden. Die Verarbeitungstechnologie für Bioethanol aus Zellulose sei allerdings noch in den Kinderschuhen. In fünf Jahren könne das aber schon ganz anders aussehen, hoffen die Wissenschaftler.

Ob Treibstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wirklich deutliche Vorteile gegenüber fossilen Brennstoffen haben, ist eine derzeit hitzig geführte Debatte. Befürworter sehen in regenerativen Kraftstoffen die Chance, den anthropogenen Einfluss auf den Klimawandel zu verringern und regionale Wirtschaftskreisläufe zu stärken. Die Gegner sehen vor allem die Gefahr, dass der großflächige Anbau von Energiepflanzen zu Monokulturen führt, in denen große Mengen Dünger und Pestizide verwendet werden und dass die dann Bodenerosion stärker ist, als bei anderen Nutzpflanzen.
28.01.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 28.01.2006

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