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Paläontologie: Biologisches Strandgut ließ Kalifornischen Kondor überleben

Eine breit gefächerte Ernährung ermöglichte wahrscheinlich das Überleben des Kalifornischen Kondors (Gymnogyps californianus) am Ende des Pleistozäns. Der Neuweltgeier fraß nicht nur Aas großer Landlebewesen, sondern verschmähte auch tote Meeressäuger nicht, die an die Küsten Kaliforniens angeschwemmt wurden.

Dieser Speiseplan steht im Gegensatz zu dem seiner – ausgestorbenen – Verwandten Teratorn (Teratornis merriami) und Westlicher Rabengeier (Corgyps occidentalis). Sie wichen während des Aussterbens der Mammuts oder Mastodonten nicht auf Ersatznahrung aus. Folglich verschwanden sie wie ihre Futterquellen. Auch Kondore in New Mexico oder Florida fraßen nur Landtiere und verloren daher ebenfalls ihre Nahrungsgrundlage.

Diese Unterschiede im Ernährungsverhalten wies jetzt Kena Fox-Dobbs von der Universität Kalifornien in Santa Cruz anhand von Isotopen in fossilen Knochen der drei Arten nach. In den beiden ausgestorbenen Spezies wie den Kondoren aus dem Binnenland und der amerikanischen Ostküste wies sie nur Isotope nach, wie sie ebenso in Landlebewesen vorkamen. Dagegen fanden sich in Kalifornischen Kondoren von der Westküste auch Isotope eindeutig ozeanischen Ursprungs, die von toten Walen oder Robben stammen könnten.

Während und unmittelbar nach der letzten Eiszeit des Pleistozäns kam es in Nordamerika und in anderen Teilen der Welt zu großen Aussterbewellen der so genannten Megafauna. Die Ursachen für das Verschwinden der großen Mammuts, Wollnashörner, Riesenhirsche oder Säbelzahntiger sind noch nicht vollständig aufgeklärt. Vermutet werden klimatische Ursachen sowie der Verfolgungsdruck durch pleistozäne Jäger. Große Meeressäuger waren davon nicht betroffen.

Der Kalifornische Kondor überlebt seit 12 000 Jahren, wäre aber durch Jagd, Bleivergiftungen und Nahrungsmangel im 20. Jahrhundert fast ausgerottet worden. Nur intensive Erhaltungsmaßnahmen amerikanischer Zoos und Naturschutzorganisationen sicherten sein Überleben. Heute fliegen wieder knapp 200 Exemplare in Kalifornien und Arizona.

Eine ähnliche Ernährungsstrategie verfolgt auch der Andenkondor (Vultur gryphus), der häufig aus dem Gebirge an die Pazifikküste kommt und dort Nahrung sucht.
05.11.2004

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 05.11.2004

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