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Sensible Prothese: Bionische Fingerspitze fühlt raue Oberflächen

Rau oder glatt? Eine künstliche Fingerspitze fühlt die Beschaffenheit von Oberflächen und leitet die Reize über implantierte Drähte an die Nerven weiter.
Künstliche Fingerspitze an geriffelter PlastikoberflächeLaden...

Das sprichwörtliche Fingerspitzengefühl umfasst weit mehr als nur festes oder sanftes Zupacken. Unsere Haut erfasst auch zuverlässig, ob eine Oberfläche rau oder glatt ist: ihre Textur. Mit Hilfe einer an der Ecole polytechnique fédérale de Lausanne hergestellten Anordnung von Sensoren konnte nun ein Amputierter mit sehr hoher Sicherheit zwischen rauen und glatten Oberflächen unterscheiden. Die von der künstlichen Fingerspitze gesendeten elektrischen Impulse gelangen über implantierte Drähte an die Nerven im Armstumpf. Wie der Patient Dennis Aabo Sørensen berichtet, fühlt er daraufhin die Textur der Oberfläche eines strukturierten Plastikplättchens. Auch mit nichtamputierten Probanden gelang das Experiment – ohne implantierte Drähte.

Für den 38-jährigen Sørensen war es bereits der zweite Versuchsdurchlauf. In einem vorhergehenden Experiment erspürte der Däne mit Hilfe einer Prothese, ob ein Gegenstand fest oder nachgiebig war. Die ursprünglichen Experimente führte das Forscherteam aus der Schweiz jedoch an nichtamputierten Probanden durch. Diese erhielten die Sinneseindrücke über feine Nadeln in der Haut, die einen Armnerv stimulierten. Messungen am Gehirn zeigten, dass die Reize auch im Zentralnervensystem ähnlich wie echte Sinnesreize verarbeitet wurden: Schon unter diesen Bedingungen konnten sie rau und glatt in 77 Prozent der Fälle unterscheiden. Sørensen allerdings erreichte mit implantierten Elektroden eine Quote von 96 Prozent, berichtet die Arbeitsgruppe.

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