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Biokraftstoffe: Biospritproduktion bedroht Golf von Mexiko

Das Ökosystem des Golfs von Mexiko würde massiv leiden, wenn die USA wie geplant ihre Biospritproduktion ausdehnen: Wissenschaftler fürchten, dass sich die bereits jetzt bestehenden Todeszonen im Golf weiter ausbreiten würden. Vor kurzem hatte der US-Senat beschlossen, dass die Vereinigten Staaten ab 2022 jährlich 159 Milliarden Liter Bioethanol erzeugen sollen.

Forscher um Simon Donner von der Universität von British-Columbia in Vancouver berechneten nun in sechs Szenarien veränderte Landnutzungen sowie Stickstoff-Austräge in das Mississippi-Fluss-System, das in den Golf von Mexiko mündet. Das betrachtete Gebiet ist ungefähr neunmal so groß wie Deutschland und umfasst unter anderem die Getreide-Staaten Illinois, Iowa und Ohio. Berechnungen der Forscher für 2007 ergaben, dass der Nährstoff-Austrag in den Golf um sieben Prozent im Vergleich zu 2004 bis 2006 gestiegen ist. Wenn das Land wie geplant jährlich 66 Milliarden Liter Bioethanol aus Mais herstellt, würde der Mississippi 10 bis 19 Prozent mehr Stickstoff in den Golf eintragen.

Um das Kraftstoffziel zu erreichen, müssten die Bauern außerdem einen Teil der derzeitigen Soja-Anbaufläche für Mais verwenden, zusätzlich würden sie einige der vom Staat finanziell geförderten Brachflächen wieder in Acker umwandeln. Aber selbst im günstigsten Fall gingen der Nahrungsmittelproduktion schon neun Prozent der derzeitigen Anbauflächen verloren. Auch der Maisanbau für die Fleischproduktion müsste eingeschränkt werden. Es sei somit fraglich, ob überhaupt genug Land vorhanden ist, um neben Getreide für Tiere und Menschen auch noch die Ziele der Biokraftstoffproduktion zu erfüllen. Auch sei die erhöhte Produktion des Biosprits nur auf Kosten der Schutzziele für den Golf von Mexiko zu erreichen.

Im Golf von Mexiko bildet sich jeden Sommer auf Grund des Stickstoff-Eintrags eine riesige "Todeszone": Die hohen Nährstoffmengen lösen Algenblüten aus, deren Zersetzung zu Sauerstoffarmut führt, wodurch Fische und Kleinstlebewesen sterben. In den letzten Jahren nahm diese Todeszone eine Fläche von 20 000 Quadtratkilometern ein. Ziel eines Aktionsplans ist es, dieses riesige Gebiet wieder auf unter 5000 Quadratkilometer zu verkleinern. Dafür müsste der Stickstoffeintrag in den Golf aber verringert werden. (mcw)
12.03.2008

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 12.03.2008

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