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Exoplaneten: Bislang masseärmster Exoplanet entdeckt

Der Exoplanet Gliese 581e im Umlauf um seinen Zentralstern
Eine Forschergruppe um den bekannten Astronomen Michel Mayor am Genfer Observatorium, einen der Entdecker des ersten Exoplaneten 51 Pegasi, stieß auf den bislang masseärmsten Exoplaneten: Gliese 581e umkreist seinen rund 20 Lichtjahre von uns entfernten Stern Gliese 581 im Sternbild Waage einmal innerhalb von nur 3,2 Tagen. Aus den Daten folgt eine minimale Masse von 1,9 Erdmassen.

Bevor jetzt aber die interstellaren Immobilienhändler über überlichtschnelle Raumschiffe nachdenken, muss hinzugefügt werden, dass Gliese 581e für eine menschliche Besiedlung denkbar ungeeignet ist. Der Exoplanet umkreist seinen Mutterstern in einem Abstand von nur 4,5 Millionen Kilometern (0,03 Astronomischen Einheiten). Eine Astronomische Einheit (AE) ist der mittlere Abstand der Erde zur Sonne und beträgt 149,6 Millionen Kilometer.
Der Exoplanet Gliese 581e im Umlauf um seinen Zentralstern
Der Exoplanet Gliese 581e im Umlauf um seinen Zentralstern | So stellt sich ein Künstler der Europäischen Südsternwarte ESO den neuentdeckten Exoplaneten Gliese 581e vor. Wegen der großen Nähe zu seinem Zentralstern beträgt die Oberflächentemperatur mehrere Hundert Grad Celsius. Daher dürfte dieser bislang masseärmste Exoplanet keine Atmosphäre mehr aufweisen.


Wegen dieser großen Nähe zum Zentralstern liegen die Oberflächentemperaturen bei mehreren Hundert Grad Celsius. Wahrscheinlich besitzt Gliese 581e wegen der hohen Temperaturen keine Atmosphäre.

Auch wenn Gliese 581 ein Roter Zwerg ist und nur 1,3 Prozent der Sonnenleuchtkraft erreicht, ist dieser Planet für Leben wie wir es kennen, ungeeignet. Aber Gliese 581e ist nur der innerste von insgesamt vier Planeten, die den Roten Zwerg umrunden und ihre Bezeichnungen nach der zeitlichen Reihenfolge ihrer Entdeckung erhielten.

Nur 1,5 Millionen Kilometer weiter außen, bei 0,04 AE, zieht Gliese 581b seine Bahn. Er war der erste Begleiter, der bei diesem Stern im Jahre 2005 entdeckt wurde. Er besitzt eine Masse von rund 16 Erdmassen und liegt damit zwischen den Massen von Uranus (14,5 Erdmassen) und Neptun (17,1 Erdmassen). Wie bei Uranus und Neptun dürfte es sich bei Gliese 581b um einen Gasplaneten handeln, allerdings ist er viel heißer als diese beiden eisigen Welten am Rande unseres Sonnensystems.

10,5 Millionen Kilometer oder 0,07 AE ist der nächste Begleiter Gliese 581c von seinem Mutterstern entfernt. Er besitzt eine Mindestmasse von 5,4 Erdmassen und könnte damit zur Kategorie der "Super-Erden" gehören. Er dürfte einen Kern aus metallischem Eisen und Nickel enthalten, der von einem Mantel aus Silikatgesteinen umgeben ist. Darüber könnte sich eine mächtige Atmosphäre mit einem hohen Anteil an Wasserdampf befinden, allerdings ist auch dieser Planet für erdähnliches Leben noch zu heiß.

Interessant für Exobiologen könnte dagegen das äußerste bislang bekannte Mitglied der Planetenfamilie von Gliese 581 sein: der Begleiter Gliese 581d umkreist sein Zentralgestirn in einem Abstand von 33 Millionen Kilometern (0,22 AE) und befindet sich damit in der habitablen Zone des Roten Zwergs. Dies bedeutet, dass es auf der Oberfläche von Gliese 581d flüssiges Wasser geben könnte, da dies die Temperaturen in diesem Abstand zum Stern zuließen.
Der Aufbau des Planetensystems von Gliese 581 | Gliese 581 ist ein roter Zwergstern des Spektraltyps M3 mit etwa 0,3 Sonnenmassen. Er ist deutlich kleiner und leuchtschwächer als unsere Sonne. Sein Planetensystem aus vier Begleitern drängt sich dicht an ihn, selbst der Gliese 581d, der von den vieren die größte Umlaufbahn aufweist, steht seinem Zentralgestirn näher als Merkur unserer Sonne. Gliese 581d befindet sich dabei am äußeren Rand der habitablen Zone seines Sterns und es könnte auf ihm flüssiges Wasser geben.


Allerdings weist Gliese 581d eine Masse von mindestens 7,1 Erdmassen auf und wäre damit wohl ebenfalls eine "Super-Erde". Besitzt der Trabant eine Atmosphäre, so könnte er aus einem mehrere Hundert Kilometer mächtigen Mantel aus flüssigem Wasser und Hochdruckvarianten von Eis bestehen, an den sich dann nach innen ein Kern aus Silikatmineralen und metallischem Eisen anschließt.

Tilmann Althaus

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