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Biodiversität: Bislang weltgrößte Kakerlake auf Borneo entdeckt

Monsterschabe von Borneo | Ein neuer Rekordhalter in der Schabenwelt: Mit zehn Zentimetern Länge ist diese noch nicht beschriebene Art noch ein Stückchen größer als die bisherige Nummer eins der Liste aus Mittelamerika.
Nach Angaben der Naturschutzorganisation WWF haben Wissenschaftler auf der südostasiatischen Insel Borneo eine Schabenart gefunden, die mit einer Länge von zehn Zentimetern die bislang größte bekannte Kakerlake der Erde ist.

Wie die Organisation jetzt bekannt gab, wurde die Spezies während einer Expedition in die noch weit gehend unerforschten und intakten Regenwälder des Inselinneren im Jahr 2004 entdeckt. Das Tier trägt noch keinen wissenschaftlichen Namen, und auch über seine Biologie ist wenig bekannt, außer dass sich das Insekt von Pflanzenabfällen ernährt. Bislang hielt den Rekordtitel die Schabe Megaloblatta blaberoides aus Mittelamerika; sie erreicht allerdings nur knapp unter zehn Zentimeter Körperlänge. Und auch die hierzulande berüchtigte Deutsche Schabe (Blatella germanica) kommt nur auf ein Viertel dieser Länge.

Neue Orchideen-Art | Die noch intakten Regenwälder Borneos beherbergen wahrscheinlich tausende unentdeckte Tier- und Pflanzenarten. Auf jeder Expedition können Wissenschaftler daher zuvor unbekannte Spezies neu beschreiben, wie hier die Orchidee Trichoglottis tinekeae .
Die Forscher machten auf dieser und anderer Erkundungsreisen zudem viele weitere wissenschaftliche Neuentdeckungen: So konnten in den letzten zehn Jahren etwa 360 Tier- und Pflanzenarten erstmalig beschrieben werden, darunter dreißig Fische, sieben Frösche, sechs Echsen und zwei Schlangen. Da das untersuchte Gebiet bislang kaum zugänglich ist, vermuten Naturschützer und Wissenschaftler noch mehrere tausend unentdeckte Spezies in dieser Region. Im Rahmen der Untersuchungen erhielt zudem der auf Borneo heimische Orang-Utan (Pongo pygmaeus) einen eigenen Artrang, sodass es nun zwei Orang-Spezies gibt. Und schließlich konnte auch die Herkunft der Asiatischen Elefanten der Insel geklärt werden: Entgegen bisheriger Annahmen wurden sie nicht von britischen Kolonialherren eingeführt. Die jetzt als Unterart anerkannten Dickhäuter leben bereits seit 300 000 Jahren auf Borneo.

Zunehmender legaler und illegaler Holzeinschlag sowie die Umwandlung des Waldes in Gummibaum- und Ölpalmplantagen greifen allerdings auch auf Borneo weiter um sich. Daher will der WWF jetzt Schutzkampagnen für den Regenwald forcieren. Ziel ist es, ein grenzüberschreitendes System von mindestens 23 Schutzgebieten in Zentralborneo zu schaffen und somit große Teile intakten Regenwaldes im malaysischen wie indonesischen Teil der Insel sowie in Brunei zu bewahren. Zudem plant der WWF, verstärkt Druck auf die Bundesregierung auszuüben, sodass diese die Einfuhr illegal gefällter Tropenhölzer strikter ahndet und unterbindet.

Borneo ist nach Grönland und Neuguinea die drittgrößte Insel der Welt und beheimatet eine teils einzigartige Flora und Fauna mit mehr als 220 Säugetierarten und 622 Vogelspezies. Die Vegetation umfasst geschätzte 15 000 Pflanzenarten und damit mehr als der gesamte afrikanische Kontinent. Darunter befinden sich die Rafflesia, eine Schmarotzerpflanze mit einer einzigen riesigen Blüte, und unzählige Fleisch fressende Kannenpflanzen. Die Insel ist zudem neben Sumatra die letzte Region der Erde, in der Orang-Utans, Nashörner und Asiatische Elefanten nebeneinander vorkommen.

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