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News: Bitte grammatisch korrekt plappern

Kinder sind zum Sprechenlernen geboren. Auch wenn sie selbst sich kaum um grammatisch korrekte Sätze zu kümmern scheinen, kommen sie doch mit richtig gebildeten Aussagen und Anweisungen besser klar als mit fehlerhaften Sätzen.
Wenn ganz kleine Kinder in englischsprachigen Ländern zum ersten Mal reden, enthalten ihre Sätze keine Wörter wie "the" oder Verben, die mit "-ed" oder "-ing" enden. Sie reagieren aber sensibel auf diese Aspekte der Sprache, die sogenannten grammatischen Morpheme, hat die Psycholinguistin LouAnn Gerken von der University of Arizona in Tucson im Verlaufe ihrer Forschungsarbeit entdeckt. Danach sind Kinder auf grammatikalische Morpheme angewiesen, um zu entscheiden, ob Wörter Substantive oder Verben sind.

Im Februar gehörte Gerken einem Gremium von Wissenschaftlern an, die sich auf der Konferenz der American Academy for the Advancement of Science mit dem Thema "Born to Speak: Universal Grammar in First Language Acquisition" (Zum Sprechen Geboren: Universelle Grammatik beim ersten Spracherwerb) beschäftigte. Das Gremium wurde einberufen, um die Streitfrage zu klären, ob sich Kinder von vornherein ein komplettes, machtvolles Sprachsystem aneignen oder ob sie eine primitive Phase durchlaufen, in der ihre Sprache erheblich weniger machtvoll ist als die der Erwachsenen. Nach Ansicht von Gerken ist die Kontroverse von großem Interesse, "weil sie etwas über den Rang der Menschen aussagt. Alle Tiere kommunizieren, aber wenn es sich herausstellt, daß Menschen die einzigen Tiere mit diesem sehr machtvollen System sind, das wir Sprache nennen, dann müssen wir uns fragen, warum das so ist? Schimpansen oder Gorillas sind ziemlich klug. Was also hat der Mensch, das es ihm erlaubt, über dieses unglaublich wirkungsvolle Kommunikationssystem zu verfügen?"

Gerken konzentrierte sich in ihrer Arbeit auf die Sensibilität der Kinder für grammatische Morpheme. In der ersten Studie testeten sie und ein Kollege Kinder im Alter von zwei Jahren, die in ihrer eigenen Sprache keine grammatischen Morpheme erzeugten. Sie entdeckten, daß ihre Testpersonen mit höherer Wahrscheinlichkeit ein richtiges Bild wählten, wenn man sie mit korrekten Sätzen darum bat (85 Prozent reagierten richtig auf die Bitte: "Find the dog for me" ["Such den Hund für mich"]), anstatt in Sätzen, in denen falsch verwendete Morpheme vorkamen ("Find was dog for me" ["Such war Hund für mich"] führte bei 55 Prozent zu einer richtigen Antwort) oder mit unsinnige Silben ("Find gub dog for me" ["Such gub Hund für mich"] führte nur bei 40 Prozent zu einer richtigen Antwort).

In einer anderen Studie befestigten Gerken und Kollegen Elektroden an der Kopfhaut von elf und zwölf Monate alten Babys und lasen ihnen dann aus einem Märchenbuch vor. Als die Forscher die grammatischen Morpheme durch unsinnige Silben ersetzten, reagierten die ein Jahr alten Babys mit unterschiedlichen Gehirnreaktionen auf die beiden vorgelesenen Textstellen. Die Forscher folgern daraus, daß die Kinder den Unterschied bemerkten.

In der dritten Studie demonstrierte die Psycholinguistin, daß kleine Kinder grammatische Morpheme in ihrer eigenen Rede weglassen, wenn sie nicht in ein bestimmtes rhythmisches Muster passen. Englisch sprechende Kleinkinder lassen sie auch deshalb weg, weil die Produktion der Sprache noch eingeschränkt funktioniert.

"Diese Daten schließen die These effektiv aus, daß die Auslassung grammatischer Morpheme durch die Kinder die Verwendung eines weniger machtvollen Sprachsystems darstellt als bei Erwachsenen", folgert Gerken. "Mit anderen Worten, wir können schließen, daß Säuglinge und Kinder von Anfang an vorbereitet sind, in ein voll entwickeltes und machtvolles System einzutreten."

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