Direkt zum Inhalt

Bizarrer Fund: Seltenste Schlange Nordamerikas verschluckte sich an Hundertfüßer

Hundertfüßer sind für ihre giftigen Bisse bekannt. Doch manchmal verursachen sie den Tod von Gegnern auch auf andere Weise, wie ein bizarrer Fund in Florida zeigt.
Schlange erstickte an Hundertfüßer
Nachweise der Schlangenart Tantilla oolitica sind extrem selten. Umso bizarrer ist dieser Totfund mit Hundertfüßer in der Kehle.

Die Schwarzkopfnatternart Tantilla oolitica gilt als die seltenste Schlangenart Nordamerikas. Nun wurde erstmals seit vier Jahren, im Sommer 2022, wieder ein Exemplar des Reptils entdeckt, von einem Wanderer im John Pennekamp Coral Reef State Park von Key Largo. Doch leider war die Schlange tot: In ihrem Schlund steckte ein großer Hundertfüßer. Die alarmierten Parkranger sandten die beiden Tiere an das Florida Museum of Natural History, wo sie von einem Team um Coleman Sheehy intensiv untersucht wurden, wie die Arbeitsgruppe in »Ecology« berichtet.

»Es ist äußerst selten, dass man Exemplare findet, die beim Fressen von Beutetieren gestorben sind, und angesichts der Seltenheit dieser Art hätte ich niemals damit gerechnet, so etwas zu finden. Wir waren alle total verblüfft«, sagt Sheehy. Das Team packte das ungleiche Paar in einen Computertomografen, um eine digitale Autopsie durchzuführen. Damit wollte es gewährleisten, dass die Tiere für zukünftige Untersuchungen unversehrt bleiben.

Das Ergebnis war durchaus überraschend. Hundertfüßer können kraftvoll zubeißen und dabei starke Gifte in ihre Opfer injizieren; tatsächlich haben diese Wirbellosen bereits Schlangen getötet. Umgekehrt vermutet man, dass Schlangen, die Hundertfüßer jagen, immun gegen deren Toxin sind.

Die Natter hatte zwar wirklich eine kleine Wunde an der Seite, die zu Einblutungen geführt hatte. Doch das war nicht die eigentliche Todesursache, denn sie konnte anschließend ihre vermeintliche Beute noch töten und sie teilweise verschlucken. Die Scans zeigten dann, dass die Luftröhre der Schlange durch die Beute im Schlund so stark gequetscht war, dass das Reptil keine Luft mehr bekam und erstickte. Immerhin war die Schlange nur dreimal so lang wie der Hundertfüßer.

Einen kleinen Trost gibt es für die Wissenschaftler dennoch: Die Schlangenart gibt es offenbar weiterhin, obwohl sie mehrere Jahre nicht beobachtet wurde. Früher war sie im südlichen Florida weit verbreitet, doch dann wurde ihr bevorzugter Lebensraum stark urbanisiert. Außerhalb des Everglades-Nationalparks haben nur zwei Prozent des ursprünglichen Kiefern-Felslandes überdauert, in dem die Schlangen leben. Ungewiss ist daher, ob die Tiere auf dem Festland noch existieren oder ob die letzten Reste des Bestands auf die Keys-Inselkette beschränkt sind.

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte