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Sonnensystem: Bizarrer Saturnmond-Gürtelgrat entstand beim Bremsen

Japetus
Die hervorragendste geologische Attraktion des Saturnmondes Iapetus – sein den ganzen Äquator wie ein Gürtel umspannendes Gebirgsband mit bis zu 20 Kilometer hohen Gipfeln – schob sich wohl durch Konvektionsprozesse empor, als der früher schnell rotierende Mond mehr und mehr abgebremst wurde. Diese nicht ganz neue Theorie frischten Forscher der Johns Hopkins University nun nach Computersimulationen mit ein paar zusätzlichen Erklärungsansätzen auf.

Iapetus aus der Nähe | Am 10. September 2007 rauschte die Raumsonde Cassini sehr dicht am Saturnmond Iapetus vorbei – beste Gelegenheit für einen genauen Blick auf den mysteriösen, mondumspannenden Bergrücken, der dem Mond das Aussehen einer pockennarbigen Walnuß gibt. Der Mond wird wegen seiner abgelegenen Lage von den anderen äußeren Monden in den sechs Jahren, die Cassini mindestens durch das Saturnsystem flitzt, nur ein einziges Mal derart nahe angesteuert. Dafür flog die Sonde aber vergleichsweise sehr langsam, mit schneckenhaften 9000 Kilometern pro Stunde über die Mondoberfläche und gab den Instrumenten Zeit genug für scharfe Aufnahmen. Diese hier entstand aus einem Abstand von 62 331 Kilometern. Die Mondexperten der Cassinimission hoffen mit den Bildern des Vorbeifluges ein paar brennende Fragen zu klären – etwa wie die Rillenberge geologisch entstanden oder warum die Mondoberfläche so völlig unterschiedliche helle und dunkle Regionen zeigt.
Das Team um James Roberts ermittelte zunächst, dass der Mond sich einst wohl einmal alle 16 Stunden um sich selbst gedreht hatte, dann aber durch die Gravitation des Saturn verlangsamt wurde. Der Mond rotiert heute einmal pro Saturnumlauf alle 79 Tage und dreht dem Gasriesen immer dieselbe Seite zu.

Während des allmählichen Bremsvorgangs und der einhergehenden geologischen Deformation sei etwa 100 Millionen Jahre lang ständig Wärme im Mondinneren entstanden. Diese haben sich aber vor allem unter dem Äquatorbereich verteilt, ergab die Simulation. Dadurch hätten sich besonders hier stetig angewärmte, auftreibende Eismassen aus dem Mondinneren nach oben geschoben und wären im Äquatorbereich durch die Oberfläche gebrochen, spekulieren Roberts und Co. Nachdem der Bremsprozess abgeschlossen war, sei keine geologische Wärme mehr produziert worden, worauf der konvektiv empor gehobene Äquatorgrat auf dem erkaltenden Mond einfror.

Die Rotation vieler, dem Iapetus grundsätzlich ähnlicher Monde wurden im Sonnensystem allerdings ebenso abgebremst, ohne dass dabei ein Äquatorgrat entstand, gibt Roberts zu. Tatsächlich aber sei der Saturnmond wohl viel heftiger verlangsamt worden als alle anderen Planetenbegleiter.

Seit der prominente Bergrücken bei einem Vorbeiflug der Raumsonde Cassini in der Neujahrsnacht 2005 erstmals erkannt wurde, schlugen verschiedene Forscher sehr unterschiedliche Theorien zur Entstehung der Formation vor. Einige Forscher glauben etwa, dass Iapetus früher einen eigenen Ring gesammelt hatte, bevor er auf seine heute entfernte Umlaufbahn geriet. Die Ringtrümmer seien dann nach und nach aus ihrem Orbit über dem Äquator auf den Mond gestürzt. (jo)

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