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News: Blaue Monde, die gar nicht blau sind

Blue Moon nennen die Amerikaner den zweiten Vollmond in einem Kalendermonat. Wie es zu diesem Namen kam, weiß allerdings niemand mehr. Umso erstaunter waren die Redakteure einer astronomischen Zeitschrift, als sie feststellten, daß der Begriff in ihrem Heft zum ersten Mal mit dieser Bedeutung gebraucht wurde. Auch längere Recherchen nach dem Ursprung des Begriffes blieben ergebnislos, so daß der 'Blaue Mond' am 31. März 1999 aus nach wie vor unerfindlichen Gründen so heißt.
1999 ist ein ganz besonderes Jahr der "Blauen Monde". Gleich zwei Monate – der Januar und der März – können mit zwei Vollmonden aufwarten. Dafür hat der Februar keinen einzigen.

Das Rätsel des Namens wird allerdings wohl auch dieses Jahr ungelöst bleiben. In der Märzausgabe von Sky & Telescope (Artikel) versucht der Kanadier Philip Hiscock dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Er verfolgte die Definition zurück bis zu einem Artikel in derselben Zeitschrift aus dem Jahre 1946. Darin hatte der Astronom J. Hugh Pruett aus Oregon einen Abschnitt aus dem Bauernkalender von Maine aus dem Jahre 1937 zitiert. Auf der Seite für den Monat August wurden "Blaue Monde" besprochen.

Als jedoch ein Redakteur von Sky & Telescope und ein freier Mitarbeiter in einem Exemplar des Almanachs nachschlugen, fanden sie keine Erwähnung eines zweiten Vollmondes im August. Stattdessen gab es damals nur am 21.8. einen Vollmond, der allerdings als Blue Moon bezeichnet wurde.

Von der Jagd fasziniert gesellten sich noch einige weitere Redakteure zu dem Team und stöberten in über 40 Jahrgängen des Mainer Almanachs. Sie entdeckten eine ganze Reihe "Blauer Monde", doch kein einziger stand mit einem doppelten Vollmond in einem Kalendermonat in Zusammenhang. "Mehrere Hinweise in den Ratgebern deuten auf eine Verbindung hin zwischen den Blue Moons und den Jahreszeiten, die normalerweise jede drei Vollmonde haben", sagt Rodger W. Sinnot. Es könnte sein, daß ein "Blauer Mond" der dritte Vollmond in einer Jahreszeit mit ausnahmsweise vier Vollmonden ist. Allerdings gilt diese Theorie nur, wenn der Beginn der Jahreszeiten nach einer veralteten Regel anhand von Ostern und der Fastenzeit festgesetzt wird.

Bislang war niemandem aufgefallen, daß Pruett den Maine Almanach damals falsch interpretiert hat. Und so festigte sich die heutige Definition des "Blauen Mondes" durch ständige Wiederholung. In den USA gehört sie mittlerweile zum Volksgut und wird sogar in dem Spiel Trivial Pursuit erwähnt. Auch wenn die ursprüngliche Bedeutung sich geändert hat, der "Blaue Mond" am 31. März darf sich nach Meinung der Redakteure von Sky & Telescope weiterhin so nennen. "Wir müssen akzeptieren, daß es viele Möglichkeiten gibt, einen Blue Moon zu definieren," sagt der Herausgeber, "und eine ist so gut wie die andere."

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