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News: Blauer Kobold

Während das Fotografieren von Blitzen ohnehin Glückssache ist, gleicht die Aufnahme der viel selteneren red sprites und blue jets einem Sechser im Lotto. Jetzt zeigen Bilder ein merkwürdiges Zwischending dieser beiden Phänomene.
<I>Blue jet</I> oder <I>red sprite</I>?
Seit es hoch fliegende Flugzeuge gibt, berichten Piloten von seltsamen Blitzen, den rätselhaften red sprites und blue jets. Die red sprites (sprite, engl.: Kobold) haben ihren Ursprung in rund 100 Kilometern Höhe - den unteren Schichten der Ionosphäre - und breiten sich innerhalb von Millisekunden pilzförmig nach unten bis in 40 Kilometer Höhe aus.

Blue jets hingegen entwickeln sich in der Regel an der Oberseite von mächtigen Gewitterwolken und pflanzen sich von unten nach oben bis in 42 Kilometer Höhe fort. Sie haben eine Lebensdauer von einigen hundert Millisekunden, sind kegelförmig und haben eine bläuliche Farbe.

Seit den Berichten der ersten Augenzeugen fahnden Forscher nach diesen Phänomenen, und sie mussten bis 1989 warten, als die Astronauten eines Space Shuttle endlich den ersten red sprite auf Video bannten. Im gleichen Jahr wurde zufällig auch ein blue jet aufgenommen. Doch jetzt gelang Victor Pasko von der Pennsylvania State University und seinen Mitarbeitern im Dschungel Puerto Ricos die Aufnahme einer solchen Leuchterscheinung, die als blue jet begann und als red sprite ausklang.

Die Wissenschaftler hatten im Arecibo Observatory eine CCD-Viedeokamera aufgebaut und suchten auf den Bildern des GOES-8-Satelliten nach Gewitterzellen. Am späten Abend des 14. September 2001 war es dann soweit: Rund 200 Kilometer entfernt baute sich ein Gewitter auf - kein sonderlich großes zwar, aber immerhin reichten die Wolken bis in 16 Kilometer Höhe. Wenig später blitzte und donnerte es. Die Kamera war mit ihrem unteren Bildausschnitt genau auf die Oberkante der Cumulonimbus-Wolke ausgerichtet; nun galt es zu warten und zu hoffen.

Der Lohn für die Mühe kam schnell. Plötzlich entwickelte sich an der Wolkenspitze in 16 Kilometern Höhe ein bläuliches Blitzgeflecht, das sich kegelförmig nach oben ausbreitete und bis in die unteren Schichten der Ionosphäre reichte. Alles ging blitzschnell, sodass die Forscher erst auf den 24, jeweils 33 Millisekunden umfassenden Einzelbildern erkannten, dass sie keinen "typischen" blue jet gesehen hatten.

Denn oberhalb von etwa 42 Kilometern - dort wo die blue jets eigentlich ihre maximale Höhe erreichen - schossen aus den bis dahin bläulichen und regelmäßigen Filamenten zahlreiche Verzweigungen hervor, die - einer Silvesterrakete ähnlich - in helle Blitze, so genannte hot spots mündeten. Gleichzeitig erhöhte sich die Geschwindigkeit der Arme von 50 Kilometer pro Sekunde auf beinahe 2000 Kilometer pro Sekunde.

Dieser blue jet war nun kein blue jet mehr. Vielmehr schien es, als habe er sich mit einem Mal in einen red sprite verwandelt. Wie und warum das geschah, darüber können die Forscher nicht einmal spekulieren. Dazu haben sie mit diesen geheimnisvollen Phänomenen viel zu wenig Erfahrung.

Vielleicht waren sie nur Zeugen eines eigenwilligen blue jets, vielleicht sahen sie aber auch etwas vollkommen Neues. Da die Leuchterscheinung einem relativ kleinen Gewitter entsprang, hoffen die Forscher, dass das Phänomen womöglich viel häufiger ist als bislang angenommen und im elektrischen Kreislauf der Atmosphäre eine wichtige Rolle spielt.

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