Unbekannte Tiefsee-Spezies: Blauer Mini-Oktopus vor den Galapagosinseln entdeckt

Er ist winzig, er ist blau und versetzt Wissenschaftler in Staunen: ein golfballgroßer Oktopus, der auf dem tiefen Meeresboden vor den Galapagosinseln gefunden wurde. Es handle sich um eine bislang unbekannte Art, berichten Fachleute in der Zeitschrift »Zootaxa«.
Anfang Juli 2015, während einer zehntägigen Expedition im Pazifik, schickten die Forschenden an Bord der »E/V Nautilus« ein ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug namens Hercules auf Tauchgang – ungefähr 25 Kilometer von der Darwin-Insel entfernt, die zum Galapagosarchipel zählt. An einem Hang am Meeresboden in etwa 1773 Metern Tiefe entdeckten sie einen kleinen blauen Oktopus. Auf einem Video der Expedition hört man, wie die Wissenschaftler glucksen und über das Tier schwärmen: »Ist das nicht ein süßer kleiner Kerl?«, sagt etwa ein Teammitglied, worauf ein anderes antwortet: »Oh mein Gott, das ist ja bezaubernd.«
Nachdem sie ein Exemplar einsammeln konnten, um es im Labor an der Charles-Darwin-Forschungsstation zu analysieren, stellten die Fachleute fest, dass sie den blauen Kopffüßer nicht identifizieren konnten. Sie schickten ein Bild an die Expertin Janet Voight, emeritierte Kuratorin für Wirbellose am Field Museum in Chicago. »Ich wusste sofort, dass es etwas ganz Besonderes war«, sagt Voight, Hauptautorin der neuen Studie, in einer Stellungnahme. »So etwas hatte ich noch nie gesehen.«
Weil nur ein einziges, konserviertes Exemplar des Tieres vorlag, zerlegte das Team den Oktopus nicht, sondern untersuchte seine inneren Organe mithilfe eines Mikro-CT-Scans. Dabei wurden Tausende Röntgenbilder aufgenommen, die das Meerestier schichtweise dokumentieren. Anschließend ließen sich die Scans zu einem virtuellen Modell mit sehr hoher Auflösung zusammenfügen. Details wie die vergleichsweise geringe Anzahl von Saugnäpfen an den Armen, die glatte Haut, Eigenschaften des Schnabels sowie die Pigmentierung an der inneren Mantelmuskulatur deuteten darauf hin, dass es sich um eine neue Art handelt. Das Forschungsteam nannte sie Microeledone galapagensis. Und wie sich herausstellte, befanden sich im Eierstock dieses »süßen kleinen Kerls« 13 Eier.
»Entdeckungen wie diese erinnern uns daran, wie viel von der Tiefsee um die Galapagosinseln noch unerforscht ist«, erklärt Mitautorin Salome Buglass von der University of California in Los Angeles in derselben Pressemitteilung.
Die Galapagosinseln vor der Küste Ecuadors sind bekannt für ihre einzigartige Tier- und Pflanzenwelt. Sie sind auch die Heimat der Darwinfinken, die Charles Darwin (1809–1882) während seiner berühmten Erkundung der Region in den 1830er-Jahren an Bord der »HMS Beagle« sammelte.
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