Identifikationsmethoden: Guckt jeder Mensch auf seine Weise?

Mehr als die Hälfte der Menschen kann man allein an der Art und Weise erkennen, wie sie ein Bild betrachten. Das ergab eine Studie am Istituto Italiano di Tecnologia in Rovereto, Italien. Die Forschungsgruppe um Sarah Crockford und Michael Lombardo berichtet in »Psychological Science«, individuelle Profile von Augenbewegungen erstellt zu haben – eine Art »Barcode« für Blickmuster. Die Technik entwickelten sie an einer Stichprobe von rund 150 erwachsenen Freiwilligen aus Italien und Deutschland.
Jede Versuchsperson hatte sich 700 Bilder nacheinander jeweils für drei Sekunden angesehen, was inklusive kurzer Pausen ungefähr eine Stunde dauerte. Nach rund ein bis zwei Wochen durchliefen die Probanden das gesamte Prozedere erneut. Dann berechneten die Forschenden für jede Person und jedes Bild eine eigene »Heatmap« – eine Karte, die zeigt, welche Punkte auf einem bestimmten Bild mehr oder weniger lange fixiert wurden. Anschließend verglichen sie die im Zuge der ersten und der zweiten Sitzung entstandenen Karten anhand der Fixationsdaten: War die Ähnlichkeit zwischen den Karten von ein und derselben Person größer als die Ähnlichkeit mit den Karten aller anderen Personen? In dem Fall hätte man die Person tatsächlich an ihrem Blick wiedererkannt.
Nicht alle zeigen ein typisches Blickmuster
Wurden die Blickmuster über alle 700 Bilder gemittelt, konnte das Team auf diese Weise fast die Hälfte der weiblichen und knapp zwei Drittel der männlichen Probanden anhand ihres Profils identifizieren. Die Trefferquote sank zwar, wenn nur eine einzige Bildkategorie, zum Beispiel Tierbilder, verwendet wurde. Doch selbst das Blickprofil für ein einziges Bild genügte noch, um die Teilnehmenden besser wiederzuerkennen, als es per Zufall möglich gewesen wäre. Allerdings gab es auch Personen, deren Augenbewegungen weniger konsistent waren und sich somit weniger eindeutig zuordnen ließen. Diese Gruppe neigte laut Selbstauskünften stärker zu Persönlichkeitsmerkmalen, die typisch für Autismus-Spektrum-Störungen sind.
Inwieweit sich die Ergebnisse auf die bewegte, natürliche Umwelt übertragen lassen, ist unklar. Wie die Gruppe berichtet, habe sich das Verfahren in Studien mit Filmen anstelle von Bildern nur in 30 bis 40 Prozent der Fälle als erfolgreich erwiesen. Außerdem geben die Forschenden zu bedenken, dass die Verbreitung von Eye-Tracking zum Beispiel in Virtual-Reality-Brillen zwar einerseits großes Potenzial für die Methode, aber auch für ihren Missbrauch bergen könne.
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