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Blühende Korruption

Arm an Devisen, aber reich an Natur: So lassen sich viele Entwicklungsländer charakterisieren. Diesen nicht monetären Schatz zu schützen, bedarf der Hilfe von außen. Doch ausgerechnet in den wertvollsten Gebieten strömen die Gelder in ein Fass ohne Boden, zerlöchert durch Korruption.
Das "weiße Gold" brach ihnen das Genick: Die Zahl der Afrikanischen Elefanten (Loxodonta africana), die einst beinahe den gesamten Kontinent bewohnt hatten, ging in den siebziger und achtziger Jahren dramatisch zurück. So dramatisch, dass der Elfenbeinhandel schließlich international verboten und die Tiere unter den Schutz der Convention on International Trade in Endangered Species (CITES) gestellt wurden. Seitdem haben sich die Zahlen in manchen Gebieten langsam wieder erholt, sodass über eine Lockerung der Vorschriften nachgedacht wird.

Für einen Nachbarn und Leidensgenossen der grauen Dickhäuter sieht die Lage trotz internationalem Schutz weniger rosig aus: Das Spitzmaulnashorn (Diceros bicornis), seines Horns wegen auf der Abschussliste, gilt immer noch als vom Aussterben bedroht, obwohl auch hier die Zeichen auf bessere Zeiten hindeuten.

Umfangreiche Gelder fließen, um unter anderem diese beiden Arten zu schützen. Sie fließen in arme Länder – Ziele also, in denen Finanzspritzen von außen bekanntermaßen nicht unbedingt dorthin gelangen, wofür sie vorgesehen sind. Und da sich viele Gebiete höchster Biodiversität in solchen Staaten befinden, war der Verdacht da, allein es fehlte der Beleg: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Korruptionsgrad einer Regierung und erfolgreichem Schutz des Artenreichtums?

Die Entwicklung der Elefanten- und Nashornzahlen sowie die Veränderungen der natürlichen und gesamten Waldbedeckung sollten eine solche mögliche Assoziation aufdecken. Den Korruptionsstatus der betroffenen Staaten ermittelten die Forscher um Bob Smith von der University of Kent anhand verschiedener Einstufungen durch internationale Organisationen und Länderanalysen. Dazu zählte unter anderem der Corruption Perception Index von Transparency International, einer Nichtregierungsorganisation, die sich der Information über und dem Kampf gegen die Korruption verschrieben hat und deren Daten auf den Zahlen etlicher fundierter Studien beruhen. Als weitere Faktoren kontrollierten die Forscher auch einen möglichen Zusammenhang zwischen jenen Biodiversitäts-Kenngrößen und dem Bruttosozialprodukt pro Kopf in den betroffenen Ländern, dem Human Development Index und der Bevölkerungsdichte.

Und tatsächlich gab im Vergleich mit den anderen die Korruptionseinstufung über die Jahre am besten den Verlauf der Populationsentwicklung der Elefanten und Nashörner wieder. Für den Wandel in der Gesamtwaldbedeckung passten die Muster sowohl des Bruttosozialproduktes pro Kopf wie auch der Korruptionsindex. Bei den Veränderungen der natürlichen Waldbestände blieb die Korruption allerdings offenbar außen vor, obwohl hier in früheren Studien ein Zusammenhang vermutet wurde. Insgesamt zeigte sich, dass gerade jene Staaten mit so genannten Biodiversitäts-Hotspots, die also besonders interessant für internationale Schutzanstrengungen sind, die schlechtesten Noten für ihren Regierungen bekamen.

Verwunderlich sind diese Ergebnisse wohl kaum. Gerade in korrupten Staaten gehen Finanzspritzen auf dem Weg zu ihrem ursprünglichen Einsatzort als Bestechungsgelder oder einfach nur zur Bereicherung millionenweise verloren. Und gerade Naturschutzprojekte sind bestens geeignet, Gelder in die eigene Tasche abzuzweigen: Viele der Maßnahmen haben kurze Laufzeiten und werden extern gefördert, das erleichtert den Missbrauch der Gelder. Weiterhin sind Staatsangestellte oft schlecht bezahlt und daher sehr empfänglich für Bestechungsgelder, insbesondere wenn es um natürliche Ressourcen mit hohem Wert geht. Zudem ist die politische Macht von staatlichen Naturschutzstellen meist gering, was den Übergriff seitens anderer Staatskräfte wie dem Militär vereinfacht. Und letztlich ist der Erfolg vo Naturschutzmaßnahmen schwer zu messen, wodurch der illegale Griff in die Kassen verschleiert wird.

Nicht umsonst werden Spenden und Projekte von internationalen Organisationen daher inzwischen häufig an stabile politische Verhältnisse geknüpft oder gleichzeitig mit aufklärerischen Maßnahmen – einem wichtigen Mittel gegen Korruption – verbunden.

Die Wissenschaftler fordern, diesen Einfluss von außen noch zu verstärken, indem zum Beispiel für angemessene Löhne gesorgt wird, um so die Bestechungsgefahr zu senken. Es gelte aber auch, manche Verhaltensweise zu überdenken. So kann eine Bestrafung wie beispielsweise bei Wilderei, die in korrupten Staaten bekanntermaßen wirkungslos ist, auch den gegenteiligen Effekt haben: Behörden werden noch stärker geschmiert, und korrupte Beamte erhalten noch mehr Macht.

Bob Smith und seinen Kollegen schließen mit den Worten: "Derzeit wird jedes Überdenken der Strategien durch fehlende Daten und den Unwillen behindert, mit Korruption zusammenhängende Aspekte bei Projekten zu diskutieren. Der internationale Naturschutz muss aber endlich akzeptieren, dass diese Probleme identifiziert und vor allem offen diskutiert werden müssen. Nur so lassen sie sich lösen." Das allerdings ist leichter gesagt als getan.

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