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News: Blut ist dicker als Wasser

Mit dem Alter wird unser Blut immer dicker. Während die verstärkte Gerinnungsfähigkeit bei manchen Menschen zu Thrombosen, Schlaganfällen oder Herzerkrankungen führt, bleiben andere bis ins hohe Alter gesund. In Versuchen mit Mäusen haben Wissenschaftler haben entdeckt, welche Genabschnitte bestimmen, wieviel Gerinnungsfaktor im Blut vorliegt.
Im Vergleich zu jungen Erwachsenen liegt die Gerinnungsfähigkeit des Blutes von neugeborenen Säugetieren bei nur 40 bis 45 Prozent. Bis zum Entwöhungsalter steigt der Wert jedoch schnell auf dieses Niveau an. Danach nimmt er nur noch allmählich zu, bis er im Alter etwa doppelt so hoch wie bei einem jungen Erwachsenen ist. "Dieser altersabhängige Anstieg der Gerinnungsfähigkeit geht einher mit einer Zunahme von koagulationsfördernden Proteinen wie Faktor IX im Blutplasma", erklärt Kotoku Kurachi von der University of Michigan. "Dagegen steigen die Gehalte von Faktoren, welche die Blutgerinnung hemmen, im Plasma mit zunehmendem Alter nicht deutlich an."

Kurachi und seine Kollegen verfolgten in einem Langzeitversuch über mehrere Jahre hinweg die Entwicklung der Blutgerinnungsfähigkeit bei Mäusen, in deren DNA sie Sequenzen des menschlichen Faktor-IX-Gens eingeschleust hatten (Science vom 30. Juli 1999). Um herauszufinden, welche Bereiche für den altersbedingten Anstieg der Gerinnungsfähigkeit verantwortlich sind, teilten die Forscher das große Gen in kleinere Abschnitte auf und kombinierten sie zu elf "Mini-Genen". Diese Mini-Gene pflanzten sie in befruchtete Eizellen von Mäusen ein. Nach der Geburt der Tiere wählten Kurachi und seine Kollegen jeweils drei bis sechs Mäuse pro Variante als Stammeltern für den Langzeitversuch aus.

Die Wissenschaftler beobachteten die Gehalte an humanem Faktor IX in den Elterntieren und ihren Nachkommen bis in die zweite, teilweise bis in die vierte Generation. Sie entdeckten, daß zwei Genabschnitte mit den Namen AE5' und AE3' für die altersbezogene Regulation der Faktor-IX-Expression benötigt werden. Nur bei den Tieren, die diese beiden Abschnitte besaßen, stieg mit zunehmenden Alter die Konzentration von Faktor IX und damit der Gerinnungsfähigkeit an. Tiere, die den humanen Faktor IX in sehr großen Mengen herstellten, starben sehr früh. Die Todesursache ist noch nicht geklärt, womöglich sind jedoch Thrombosen aufgetreten. Mäuse, die nur AE5' besaßen, stellten ihr ganzes Leben lang die gleiche Menge an Faktor IX her. Wenn den Tieren dagegen AE5' fehlte, produzierten sie zwar bis zur Pubertät Faktor IX, dessen Gehalt ging danach jedoch zurück, und blieb bis zum Tod auf einem niedrigeren Niveau.

"Der AE5'-Abschnitt scheint die dauerhafte Expression von Faktor IX zu sichern, so daß die Blutgerinnung während des gesamten Lebens möglich ist", meint Kurachi. "AE3' hingegen fördert die altersabhängige Zunahme von Faktor IX, indem es den Vorrat an [Arbeitskopien des Gens] hochhält, damit das Gen mehr Faktor IX-Proteine herstellen kann. Beide Genabschnitte regulieren gemeinsam die altersbedingte Zunahme der Expression des Faktor-IX-Gens."

Kurachi betont, daß die Schlüsselrolle der beiden Genabschnitte, die sie entdeckt haben, noch viele Fragen offen läßt. In weiteren Untersuchungen wollen sich die Forscher damit beschäftigen, wie sich die beiden Gensequenzen auf andere Proteine in der Blutgerinnung auswirken.

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