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Krebsmedizin: Blutplättchen steuern Anti-Tumor-Waffe besser ins Ziel

Auch die besten Krebsmedikamente wirken nur dann, wenn sie in ausreichender großer Menge dort angreifen, wo sie gebraucht werde: am Tumor selbst. Ein generell unterschätztes Blutkörperchen könnte helfen.
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Gegen die meisten "soliden", also festen und ortsbeständigen Tumoren hilft am besten eine Operation: Wird das Krebsgewebe durch den Eingriff wirklich vollständig entfernt, so sind die Heilungschancen für die Patienten hoch. Gefährlich wird es aber, wenn Teile des Tumors nicht erwischt werden und zurückbleiben, etwa weil die Operationsstelle schwer zu erreichen ist. Nun kann der Krebs zurückkehren und schlimmstenfalls streuen. Gerade nach der OP setzen Krebsforscher deshalb Medikamente ein, um vielleicht verbliebene Reste auch noch abzutöten. Dieses Verfahren, haben Forscher aus den USA entdeckt, lässt sich mit einem Trick und der Kombination hochaktueller biomedizinischer Techniken womöglich deutlich zielgenauer und effizienter erledigen – und könnte damit in Zukunft vielleicht einmal auch die Heilungschancen von Patienten erhöhen.

In krebskranken Mäusen klappt der Ansätze bereits recht gut, berichten Zhen Gu von der University of North Carolina und seine Kollegen. Im Zentrum stehen dabei die Blutplättchen der Tiere: jene Blutbestandteile, die der Körper zum Einsatz bringt, sobald eine Wunde abgedichtet werden muss. Blutplättchen, die Thrombozyten, sind deswegen schnell und in großer Zahl dort zu Stelle, wo ein Tumor operativ entfernt wurde – und die Forscher nutzen dies nun, indem sie Blutplättchen als Transporter einsetzen, der einen Anti-Krebs-Wirkstoff effizient im Bereich der OP-Wunde konzentrierte – also genau dort, wo er gebraucht wird. Die ersten Ergebnisse sind viel versprechend: So behandelte Mäuse überleben länger, und unerwünschte Metastasen von nur teilweise herausoperierten Tumoren bildeten sich seltener.

Der technische Aufwand, den die Wissenschaftler bei der Behandlung treiben müssen, ist allerdings noch recht hoch. So mussten sie zunächst Blutplättchen aus den Mäusen gewinnen, mit maßgeschneiderten Anti-Tumor-Antikörpern verbinden und das Konstrukt den Mäusen dann in Zuge der OP wieder injizieren. Als Waffe gegen Tumoren setzen sie dabei den monoklonalen Antikörper Atezolizumab ein, der als so genannter Immun-Checkpoint-Inhibitor entwickelt und getestet wird. Der Wirkstoff bindet an das an bestimmten Krebszellen häufige Protein PD‑L1 und blockiert es. Damit wird verhindert, dass die Tumor-PD-L1-Proteine einen Checkpoint des körpereigenen Immunsystems austricksen können und damit dafür sorgen, dass das Krebsgewebe vom Immunsystem geschont wird. Der Antikörper Atezolizumab sorgt also dafür, dass der Körper die Attacken auf Tumoren deutlich verstärkt.

Bis zu einer möglichen Anwendung der Technik an Menschen wird noch einige Zeit vergehen: Bisher sind nur wenige Checkpoint-Inhibitoren überhaupt zur Krebstherapie zugelassen, und viele werden gerade erst in klinischen Studien untersucht. Immerhin transportieren die Blutplättchen Antikörper aber wie gewünscht zur Einsatzstelle – und womöglich lohne es sich auch über die Tumormedizin hinaus zu prüfen, ob Thrombozyten als Transportvehikel zu Wundstellen im Körper eingesetzt werden können, meinen Gu und Co.

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