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Waldbrände: Brandsaison wie in Kalifornien auch in Europa möglich

Länder wie Spanien und Frankreich müssen künftig mit Brandverläufen rechnen, die eher denen in Kalifornien ähneln. Grund dafür sind die vom Klimawandel begünstigten heißen und trockenen Bedingungen in vielen Teilen Europas.
Strand mit mehreren Menschen, die auf Handtüchern sitzen und in Richtung eines großen Waldbrands am Horizont blicken. Der Himmel ist von dichten Rauchwolken bedeckt, die sich über das Wasser erstrecken.
Am Strand von Moutchic in Lacanau im südwestlichen Frankreich war am 24 Juli 2026 die Rauchwolke eines in der Nähe wütenden Brands deutlich erkennbar. Derartige Bilder könnten wir in künftigen Sommern häufiger sehen.

Angetrieben von einer beispiellosen Hitzewelle brechen die im Sommer 2026 wütenden Brände in Frankreich und Spanien reihenweise Rekorde – und das bereits Monate, bevor die Brandsaison vorbei ist. »Wir haben davor gewarnt, dass das passieren wird – dass wir größere, katastrophalere und gefährlichere Brände erleben werden«, sagt Cristina Santín, die sich an der spanischen Universität Oviedo in Mieres mit Vegetationsbränden befasst. »Und jetzt sind sie da.«

Satellitendaten zeigen, dass bis zum 29. Juli 2026 in Frankreich bereits 91 000 Hektar Vegetationsfläche abgefackelt sind. Der Wert liegt weit über dem bisherigen Rekord von etwas mehr als 66 000 Hektar. Letzterer bezog sich zudem auf eine gesamte Feuersaison, die in der Regel von März bis Oktober dauert. In Spanien wiederum sind bis Ende Juli 2026 schon mehr als 200 000 Hektar abgebrannt. Auch das liegt weit über dem Durchschnitt für diese Jahreszeit. Ein Brandherd in der Nähe von Madrid entwickelte sich zum größten in der Geschichte des Landes.

Infolge der katastrophalen Feuer mussten Hunderttausende Menschen ihre Häuser verlassen. Spanische und britische Regierungsmitglieder gaben am 29. Juli eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie festhielten: »Die Brände diesen Sommer haben gezeigt, dass der Klimawandel mittlerweile unsere nationale Sicherheit in Europa gefährdet und unsere Lebensweise bedroht.«

Brennendes Europa |

Flächenbrände in Frankreich haben bis zur Mitte der Saison bereits eine Rekordfläche zerstört. Die Feuer in Spanien könnten ebenfalls Rekorde brechen – und das nur ein Jahr nach der katastrophalen Brandsaison in 2025.

Dieses Jahr könnte laut Fachleuten einen Umbruch markieren: Nach Jahrzehnten relativer Ruhe entwickelt Südeuropa nun ein Brandmuster, das dem von notorisch feuergefährdeten Gebieten wie Kalifornien ähnelt. Laut einer im Juli 2026 veröffentlichten Studie war die Intensität heißer und trockener Wetterbedingungen in Teilen Frankreichs und Spaniens im vergangenen Jahrzehnt um bis zu 50 Prozent erhöht, verglichen mit dem Zeitraum zwischen 1981 und 2010. In Teilen Spaniens und Portugals, in denen es früher an weniger als zehn Tagen pro Jahr stark brandbegünstigende Bedingungen gab, sind es nun bis zu 25 Tage.

Die heftigen Feuer, die 2026 und in den Jahren zuvor in Europa loderten, weisen auf ein insgesamt erhöhtes Brandrisiko auf dem Kontinent hin. Nahe Madrid hätten die Flammen beinahe einen NASA-Komplex zerstört, der für die Kommunikation mit Raumfahrzeugen dient. Feuerwehrleute in Frankreich kämpften gegen eine hoch aufragende »Feuerwolke«, die so intensiv war, dass sie ihr eigenes chaotisches Wetter erzeugte – es war das erste Mal, dass dieses Phänomen in dem Land beobachtet wurde.

Ein überraschendes Muster zeigt sich

Um das sich verändernde Feuerregime in Südeuropa besser zu verstehen, hat ein Team um den Meteorologen Raúl Cordero von der niederländischen Universität Groningen verschiedene Datensätze zu früheren Feuerherden analysiert. Die Fachleute stellten eine Übersicht über die Anzahl und Größe der Brandgebiete in Portugal, Spanien, Frankreich, Italien und Griechenland zusammen. Die Werte reichen bis in die 1980er-Jahre zurück.

Die Auswertung legt nahe, dass die Waldbrandaktivität in den genannten Ländern zwischen 2016 und 2025 deutlich niedriger lag als zwischen 1981 und 2010. Nicht nur gab es in diesen zehn Jahren weniger Feuer, es brannten auch insgesamt kleinere Flächen ab – abgesehen von Portugal, wo es 2017 zu riesigen Bränden kam. Die Zahl der Brände war zuletzt in jedem der untersuchten Staaten um mindestens 40 Prozent zurückgegangen.

Dieser rückläufige Trend war umso bemerkenswerter, als sich die Häufigkeit von »Feuerwetter« – jener heißen, trockenen und windigen Bedingungen, die das Abbrennen von Vegetation begünstigen – genau umgekehrt entwickelt hatte. »Europa war bis vor Kurzem so etwas wie eine Anomalie«, sagt Cordero: In den zurückliegenden Jahren seien die Temperaturen und das Brandrisiko zwar gestiegen, »aber die verbrannte Fläche ging zurück«.

Klimawandel fördert Brände

Höhere Temperaturen, angetrieben vom menschengemachten Klimawandel, sind laut Cordero der Hauptgrund für das sich mehrende Feuerwetter. 2026 trockneten die ab Mai auftretenden Hitzewellen die Vegetation großräumig aus und machten sie so anfällig für Brände. Dieses Muster ähnelt der Kombination aus extremer Hitze und den anschließenden Rekordfeuern, die 2025 in Spanien wüteten, erläutert Cordero.

Solche Ereignisse werden künftig voraussichtlich öfter eintreten. Eine 2024 veröffentlichte Arbeit, geleitet von Siham El Garroussi vom European Center For Medium Range Weather Forecasts, prognostizierte: Die steigenden Temperaturen in diesem Jahrhundert werden das Brandrisiko in Europa erheblich erhöhen. »Das ist die Art von Trend, der nicht aufzuhalten ist«, ergänzt Santín.

Die Diskrepanz zwischen dem wachsenden Risiko und den zurückgehenden Flächenbränden in den vergangenen drei Jahrzehnten lässt sich laut Cordero vor allem mit dem Erfolg von Brandbekämpfungs- und -präventionsmaßnahmen erklären. Dazu gehörten die Bereitstellung von mehr Löschflugzeugen und -hubschraubern, Aufklärungskampagnen und eine bessere Ausbildung der Feuerwehrleute.

Gegenmaßnahmen am Limit

Die Reihe großer Brände – etwa 2025 in Spanien oder 2026 in Frankreich – deutet nun aber darauf hin, dass die bisherigen Gegenmaßnahmen nicht mehr ausreichen. »Es war nur eine Frage der Zeit, bis das intensiver werdende Feuerwetter die Kapazitäten der Brandbekämpfung überfordern würde«, kommentiert Theodore Giannaros, ein Feuermeteorologe am Nationalen Observatorium von Athen.

Die Abkehr von Ackerbau und Weidewirtschaft habe das Risiko in Spanien noch weiter erhöht, fügt Santín hinzu. Die Folge war nämlich eine starke Vermehrung der Vegetation. Zudem führten die Brandbekämpfungs- und -präventionsmaßnahmen selbst dazu, dass sich unverbrannte Biomasse ansammelte, die sonst in kleineren Feuern vernichtet worden wäre. Nun sei der Punkt erreicht, an dem sie großräumige Megabrände schüren könne.

Von diesen Großbränden geht eine besonders hohe Gefahr aus. In Europa treten möglicherweise insgesamt weniger, dafür jedoch größere Brände auf. Im westlichen Mittelmeerraum fanden Fachleute etwa, dass eine abnehmende Anzahl großer Brände für einen steigenden Anteil der verbrannten Fläche sorgt. »Die zurückliegenden fünf Jahre zeigen, dass wir die Brandgefahr unterschätzt haben«, erläutert Giannaros. »Es wird langsam deutlich, dass sich die Brände verändern.«

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  • Quellen

Feron, S. et al.:Scientific Reports 10.1038/s41598–026–61756–4, 2026

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