Brand am GSI-Teilchenbeschleuniger : »Solange der UNILAC nicht läuft, können wir keine Experimente machen«

In den frühen Morgenstunden des 5. Februar 2026 brach ein Feuer bei der Gesellschaft für Schwerionenforschung (kurz: GSI) im Darmstädter Stadtteil Wixhausen aus. Dort befinden sich mehrere Teilchenbeschleuniger sowie das in Bau befindliche internationale Forschungsprojekt FAIR. »Spektrum.de« hat mit der GSI-Pressesprecherin Jutta Leroudier über die aktuellen Entwicklungen an der Forschungsanlage gesprochen.
Frau Leroudier, was ist bisher über den Ausbruch des Feuers bekannt?
Der Brand muss kurz nach sechs Uhr morgens entstanden sein. Nach aktuellem Stand ist der Brand in einer elektrischen Hochspannungsversorgung unseres Linearbeschleunigers UNILAC ausgebrochen. Gegen 6:24 Uhr wurde bei der GSI der Alarm ausgelöst, zehn Minuten später traf bereits die Feuerwehr ein und löschte bis in die frühen Morgenstunden des nächsten Tages.
Weiß man schon, warum die Hochspannungsversorgung Feuer gefangen hat?
Nein, das ist bislang nicht abschließend geklärt. Nachdem die Feuerwehr alle Brandherde gesichert hatte, wurde das Gebäude an uns übergeben. Erst jetzt beginnen die eigentlichen Brandermittlungen, und einige Bereiche sind weiterhin nicht zugänglich. Alles Weitere wäre zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation.
Die Bilder wirkten dramatisch – über Kilometer war eine riesige Rauchwolke sichtbar.
Von außen sah es tatsächlich schlimmer aus, als der Schaden im Inneren vermuten lässt. Die starke Rauchentwicklung entstand, weil die Feuerwehr abschnittsweise Bereiche öffnen musste – mit frischem Sauerstoff flammte das Feuer dann kurzfristig wieder auf. Aber unsere Brandschutzmaßnahmen haben insgesamt sehr gut funktioniert: Brandschutztüren, -wände, Alarmsysteme und Lüftungsklappen haben verhindert, dass sich das Feuer über die Hochspannungsversorgung hinaus ausbreitete. Dadurch sind wir vorsichtig optimistisch, dass die Schäden geringer sind, als man anhand der Fernsehbilder annehmen könnte.
Welches Gebäude stand genau in Flammen?
Das ist ein Mischkomplex aus Büro‑ und Technikbereichen. Die Feuerwehr hat für den Zugang Teile des Dachs entfernt, und was davon strukturell beeinträchtigt ist, müssen nun Statiker beurteilen. Ein Gutachten ist in Vorbereitung; danach wissen wir mehr über die Statik der einzelnen Bereiche. Einige Büroräume sind durch den Rauch und das Löschwasser betroffen. Welche Schäden dort genau entstanden sind, müssen wir erst noch erfassen. Dazu gehören auch Begehungen und eine genaue Bestandsaufnahme. Erst dann können wir sagen, welche Räume wieder nutzbar sind.
Und wie sind die Schäden am Linearbeschleuniger UNILAC?
Nach aktuellem Kenntnisstand ist die Stromversorgung betroffen – nicht der Bereich, in dem der UNILAC selbst steht. Welche Folgeschäden bestehen könnten, kann erst die laufende Schadensanalyse zeigen. Für konkrete Aussagen ist es noch zu früh. Der Beschleuniger selbst war zu diesem Zeitpunkt nicht im wissenschaftlichen Betrieb, sondern befand sich in einer Phase, in der er für kommende Experimente vorbereitet und optimiert wird. Eine große experimentelle Betriebsphase war für September bis Dezember 2026 vorgesehen. Durch den Brand ist der UNILAC momentan nicht einsatzbereit – es fehlt schlicht die Stromversorgung.
Welche Auswirkungen hat das auf den wissenschaftlichen Betrieb?
Solange der UNILAC nicht läuft, können keine beschleunigerabhängigen Experimente stattfinden. Das betrifft auch die Testbetriebsschritte im Rahmen von FAIR. Um die Verzögerungen abzuschätzen und neue Zeitpläne zu nennen, ist es aber zu früh – wir befinden uns erst wenige Tage nach dem Brand und kennen das genaue Schadensausmaß noch nicht.
Wie war die Reaktion von internationalen Kooperationen?
Wir haben bisher große Solidarität erfahren: Partnerinstitutionen und Universitäten aus Deutschland und der ganzen Welt haben Unterstützung und Hilfe angeboten. Welche konkreten Auswirkungen der Brand auf gemeinsame Projekte hat, wird sich erst zeigen, wenn die Schadensanalyse abgeschlossen ist.
Wie läuft der Arbeitsbetrieb auf dem Campus weiter?
Unser eigenes Gebäude ist nicht betroffen, wir arbeiten ganz normal vor Ort. Einige Kolleginnen und Kollegen aus den beschädigten Büroräumen müssen jedoch auf Alternativen ausweichen oder arbeiten vorübergehend im Homeoffice.
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