Direkt zum Inhalt

Meere: Brandung ist unerwartete Wärmequelle

Beständig brechen sich Wellen an den Küsten der Meere. Doch wohin geht die Energie, die sie dabei freisetzen? Das Ergebnis überraschte die Forscher.
Schwere Brandung an der KüsteLaden...

In jeder Sekunde branden weltweit Millionen Wellen an die Küste. Doch dabei wandeln sie ihre Energie nicht nur in Schallwellen oder erodierende Kräfte um, die den Strand abtragen – sie heizen damit auch die küstennahen Gebiete des Meers auf. Was eigentlich naheliegt, überraschte die Forscher allerdings im Ausmaß, mit dem die Brandung das Wasser erwärmt: Vielerorts entfällt ein Viertel der Wärmezufuhr auf diesen Faktor, während Sonneneinstrahlung und Wärmetransfer aus der Luft den Rest beisteuern. In dicht bewölkten und eher kühlen Regionen mit starkem Wellengang wie dem nordamerikanischen Nordwesten könnte sogar 75 Prozent der Erwärmung auf die Wellen entfallen, so die Ozeanografen Gregory Sinnett und Falk Feddersen von der Scripps Institution of Oceanography in La Jolla. Bislang war man davon ausgegangen, dass durch die auflaufenden Wellen netto mehr Energie aus dem Ozean verschwindet, als dass in diesen eingetragen wird – schließlich gelangt über die Gischt Wärmeenergie leicht in die Atmosphäre.

Als die beiden Forscher jedoch ihre Daten von Bojen und Sensoren auswerteten, waren sie selbst von dem Effekt überrascht: Sie maßen, wie hoch und schnell die Wellen waren, als sie sich auf die südkalifornische Küste zubewegten und errechneten daraus deren Bewegungsenergie. Anschließend ermittelten sie, wie viel davon durch Reibung der schäumenden Bläschen und Wasserteilchen in Wärme umgewandelt wurde. Nur ein Teil davon verschwand wiederum aus dem Meer, weil es abgestrahlt wurde oder Wasser verdunstete. Der große Rest wirkte aufheizend – um wie viel Grad Celsius konnten sie allerdings noch nicht sagen. Möglicherweise trage dieser Prozess auch dazu bei, dass die Küsten in Permafrostgebieten stärker abgetragen werden, spekuliert der an der Studie nicht beteiligte Peter Wadhams von der University of Cambridge gegenüber "Nature": Das erwärmte Wasser könnte den dortigen Permafrost auftauen, so dass Methanblasen entweichen und die Ufersedimente zerrüttet werden – was die Brandung dann leichter abtransportieren kann.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte