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Brasilien: Flugsaurier-Skelett aus Razzia identifiziert

Das Fossil, welches Polizisten in Santos sicherstellten, gehört zu Art Tupandactylus navigans. Die Saurier konnten zwar fliegen, beschafften ihre Nahrung aber wohl am Boden.
Künstlerische Darstellung von Tupandactylus navigans

Polizisten haben bei einer Razzia in Brasilien eines der besterhaltenen Flugsaurierskelette des Landes beschlagnahmt. Wie ein Forschungsteam um Victor Beccari von der Universität São Paulo im Fachblatt »PLOS ONE« berichtet, besteht das Pterosaurier-Fossil aus fast dem gesamten, größtenteils intakten Skelett inklusive Resten von Weichgewebe entlang der Knochen.

Das Fossil der Art Tupandactylus navigans ist in sechs Kalksteinplatten gebettet. Es wurde bei einer Razzia in Santos, einem der größten Häfen Brasiliens, sichergestellt – neben vielen weiteren gut erhaltenen Versteinerungen. Forscher der Universität São Paulo setzten die Platten nun zusammen und untersuchten das Tier unter anderem per Computertomografie.

Die Analyse deutet darauf hin, dass die Art zwar alle anatomischen Voraussetzungen zum Fliegen besaß. Da der lange Hals, die Proportionen der Gliedmaßen und der große Schädelkamm auf längeren Flügen aber wohl eher hinderlich waren, beschafften sich die Tiere ihre Nahrung vermutlich am Boden.

Konfisziertes Fossil | Das Fossil der Art Tupandactylus navigans aus Brasilien ist in sechs Kalksteinplatten gebettet. Wie der Flugsaurier einst ausgesehen haben könnte, zeigt die Rekonstruktion rechts.

Tupandactylus navigans gehört zur Familie der Tapejaridae. Überreste ihrer Vertreter wurden unter anderem in China, Brasilien, Marokko und Spanien gefunden. Ihr auffälligstes Merkmal ist der riesige Schädelkamm, den viele Arten besitzen. Die bislang entdeckten Tapejaridae-Fossilien sind alle nur in Teilen erhalten. Der aktuelle Fund gibt Forschern nun erstmals die Gelegenheit, mehr als den Kopf der Spezies näher zu studieren.

Immer wieder werden in Brasilien Teile von Flugsauriern gefunden und auch neue Arten entdeckt. Bedeutende Fossil-Lagerstätten sind das Araripe-Becken im Nordwesten des Landes, woher auch das beschlagnahmte Exemplar stammt, und das Paraná-Becken im Süden. Wiederholt wurden bei Razzien Fossilien sichergestellt, die für den millionenschweren illegalen Handel bestimmt waren. Im April erreichte die brasilianische Staatsanwaltschaft, dass Frankreich rund 1000 Objekte zurückgeben muss, die ohne Genehmigung aus dem nordwestlichen Bundesstaat Ceará in Containern nach Europa geschmuggelt worden waren. (dam)

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