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Energie der Zukunft - Zukunft der Energien: Brennende Dinosaurier

Das Verfeuern fossiler Brennstoffe heizt das Weltklima auf - und früher oder später gehen die Ressourcen zur Neige.
Glühende KohlenLaden...
Fossilien sind Zeugnisse vergangenen Lebens – und manchmal recht wertvoll. Ähnlich verhält es sich mit den fossilen Brennstoffen: Erdöl, Erdgas und Kohle sind totes Material. Aber noch nie waren sie uns so wertvoll wie heute. Und nahezu täglich steigt ihr Preis. Warum das so ist, liegt auf der Hand: Wenn man sie verbrennt, sind sie weg! Das unterscheidet sie von den regenerativen Ressourcen.

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Öl-Tanker | Gigantische Mengen fossiler Brennstoffe werden von einem Ende der Welt zum anderen gebracht, um den Energiehunger der Industriestaaten zu stillen.
Dennoch bauen die globalen Volkswirtschaften weiterhin intensiv auf diese Energieträger. Kein Wunder. Noch sind sie unvergleichlich billig. Noch. Zumindest wenn man ausschließlich deren Gewinnung betrachtet. Denn rechnet man alle Steuern, Gewinne und Abgaben zusammen, kostet ein Barrel Normalbenzin (das entspricht ungefähr 159 Litern) dem Verbraucher heute bereits gut 250 US-Dollar und nicht 50 oder 60. Das sind ausschließlich die Rohölpreise auf dem Weltmarkt, der Autofahrer muss da aber kräftig drauflegen. Experten beziffern allein die "militärischen Sicherungskosten" für den reibungslosen Öltransport in die Industriestaaten heute auf mindestens 100 Dollar pro Tonne Öl.

Erst langsam versuchen Ökonomen wie Nicholas Stern von der Universität Cambridge, den realen Beitrag der fossilen Kohlendioxidverschmutzer für die globale Volkswirtschaft zu beziffern. In seinem jüngsten Report kalkuliert Stern, dass das weltweite Bruttosozialprodukt jährlich um mindestens fünf Prozent niedriger ausfallen kann, falls wir nicht bald auf klimaneutrale Energieträger umsteigen. So viel kostet uns dann der Klimawandel mit seinem Mehr an Stürmen, Überschwemmungen oder Dürren. Vom menschlichen Leid, den Hungersnöten oder Seuchen einmal ganz abgesehen.

Viel Geld für alte Technik

Doch wird weiterhin viel Geld in die Nutzung fossiler Brennstoffe gepumpt. Ein Beispiel sind die Beihilfen, die jährlich in den deutschen Steinkohleabbau fließen. Laut Subventionsbericht der Bundesregierung zahlte der Staat in den Jahren 1997 bis 2006 dafür insgesamt 29,9 Milliarden Euro. Und das Land Nordrhein-Westfalen legte weitere fast fünf Milliarden Euro oben drauf. Allein in diesem Jahr sollen nach dem jetzt kürzlich zwischen Bund, Ländern und Wirtschaft ausgehandelten "Kompromiss" knapp 40 000 Bergleuten mit 2,4 Milliarden Euro der Arbeitsplatz gesichert werden, was folglich gut 60 000 Euro pro Kumpel macht. Das wäre ein schöner Jahresverdienst, falls das Geld denn bei ihnen ankäme, wovon nicht auszugehen ist. Wen wundert’s also, dass noch heute das Wort "Kohle" häufig genug als Synonym für Geld gebraucht wird?

Ähnliche Relationen gelten übrigens ebenso für die Kernenergie, deren "Erforschung" in den 1970er und 1980er Jahren dem Staat trotz größter Bedenken jährlich einige hundert Millionen Euro Wert war. Zig Milliarden kamen so zusammen. Maßnahmen für die rationelle Energieversorgung sowie für erneuerbare Energien werden dagegen momentan mit knapp einem Zehntel dieser Summen abgespeist. Und dennoch hält man ihnen vor, sie würden ohne Subventionen auf dem "Markt" keine Chance haben.

Zugegeben, das Erneuerbare-Energie-Gesetz spült den Betreibern regenerativer Energiequellen jetzt Geld in die Kassen. In der Summe ist das pro Jahr aber weniger als der so genannte Kohlepfennig ausmachte, der zwischen den Jahren 1974 und 1995 vom Staat erhoben wurde, um den deutschen Steinkohlebau zu subventionieren. Dieser zwanzig Jahre lang vom Stromkunden zu zahlende Betrag wurde schließlich für verfassungswidrig erklärt. Kurze Zeit später trat dann die derzeit umstrittene staatliche Steinkohlesubvention in Kraft – bezahlt aus Steuergeldern.

Gefangene der Infrastruktur

Warum halten die Volkswirtschaften dann eigentlich noch so stark an den fossilen Brennstoffen fest? Ein Grund ist wahrscheinlich deren recht einfache Gewinnung: Man gräbt eine Grube oder bohrt ein Loch – an der richtigen Stelle selbstverständlich – und holt ein Material zum Vorschein, das sich leicht verbrennen lässt und damit ideal ist als Energieträger. Damals, zu Beginn der Industrialisierung kannte noch niemand so etwas wie die Grenzen des Wachstums. Erst später – als eine Infrastruktur bereits flächendeckend aufgebaut war – kam der Smog, die Luftverschmutzung, der saure Regen und nun der Treibhauseffekt sowie die Feinstaubbelastungen. Heute sind wir die Gefangenen dieser über Jahre aufgebauten Infrastruktur. Mehr als drei Viertel der Primärenergieträger in Deutschland sind Kohle, Erdgas oder Erdöl. Dies umzustellen ist eine Megaaufgabe, an die niemand in Wirtschaft oder Politik so recht heran will.

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Petrochemieanlage | Mit einer über mehr als hundert Jahren gewachsenen Infrastruktur zur Ausbeutung der fossilen Ressourcen Kohle, Erdöl und Erdgas ist der Mensch mittlerweile dabei, sich auf ein Abstellgleis zu begeben. Ein Wandel hin zu einer nachhaltigen Energiewirtschaft wird sicherlich nicht preisgünstig zu haben sein.
Ihnen wird nichts anderes übrig bleiben. Schließlich impliziert das Wort "fossil" die Begriffe alt, vorzeitlich sowie endlich! Kohle, Gas und Erdöl sind in einem langwierige Prozess über Jahrmillionen aus einer begrenzten Menge organischer Reststoffe gebildet worden. Sie wird es nicht ewig geben.

Selbst wenn es gelänge, den Kohlendioxidausstoß bei der Verbrennung fossiler Rohstoffe irgendwo sicher zu deponieren, damit das schädliche Treibhausgas die Erde nicht weiter aufheizt, wird irgendwann das letzte Brikett im Ofen verglüht sein und der letzte Tropfen Öl im Motor verpufft. Für Kohle mag das noch in einer einigermaßen fernen Zukunft liegen: Sprechen doch Experten von Beständen, die vielleicht noch einige hundert Jahre reichen – falls der Verbrauch mangels anderer Ressourcen nicht wie befürchtet überproportional zunimmt. Beim Öl ist eine Verknappung aber offenbar bereits zu bemerken. Die Quellen sprudeln einfach nicht mehr so wie früher, und neue, ergiebige werden kaum entdeckt.

Anhänger der so genannten Peak-Oil-Theorie vermuten daher, dass schon in wenigen Jahren die Erdölförderung abnimmt, weil die konventionellen Quellen versiegen. Und die "unkonventionellen" heißen so, weil sie nur mit hohem Aufwand erschließbar sind. Dann steigen die Preise noch schneller als das jetzt schon der Fall ist. Frohlocken die Weltwirtschaftsökonomen doch heute bereits, wenn sich der Preis pro Barrel um 55 US-Dollar einpendelt und sprechen dann von billigem Öl. Sie vergessen dabei geflissentlich, dass sich der Wert innerhalb weniger Jahre bereits verdreifacht hat. In den 1990er Jahren kostete das "Schwarze Gold" meist weit weniger als zwanzig Dollar. Mittlerweile schließen einige Ökonomen nicht mehr aus, dass der Ölpreis bald die Marke von 100 US-Dollar überspringen wird.

Auch die Erdgasreserven reichen nicht ewig. Zwei oder drei Generationen vielleicht. Spätestens dann müssen Alternativen her. So oder so. Ansonsten dürfte sich der Lebensstandard der Menschheit rapide verändern. Und wer glaubt, er würde sich verbessern, der irrt gewaltig.
13.02.2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 13.02.2007

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