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Bronzezeit: Kupferdolche waren mehr als bloße Statussymbole

Gefallene Krieger wurden während der Bronzezeit mit zahlreichen Waffen begraben, darunter Kupferdolche. Die Dolche kamen allerdings auch praktisch zum Einsatz.
Replik eines Dolches aus der Bronzezeit

Kupferdolche galten bisher vor allem als Grabbeigaben für gefallene Krieger in der Bronzezeit. Tatsächlich dienten sie aber ebenso einem praktischen Zweck: Ihre Besitzer nutzten die metallenen Waffen auch, um Tierkörper zu zerlegten. Das berichtet das Team um Andrea Dolfini von der britischen Newcastle University im Fachjournal »Scientific Reports«.

Die Forschenden untersuchten zehn aus der norditalienischen Bronzezeitsiedlung Pragatto stammende Kupferdolche auf tierische Gewebereste. Dazu färbten sie die auf den Klingen verbliebenen Fasern mit Hilfe einer speziellen Lösung an und entnahmen Gewebeproben. Anschließend begutachteten sie diese unter einem speziellen Elektronenmikroskop. Dabei zeigten sich Muskel-, Knochen- und Bindegewebefasern, weshalb die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vermuten, dass die Dolche in Kontakt mit Tierkörpern gekommen waren. Diese Annahme prüften sie in einem praktischen Experiment: Die Forschenden um Dolfini ließen Repliken der ausgegrabenen Dolche erstellen, die sie erfolgreich an Tierkadavern testeten. Zudem blieben ähnliche Geweberückstände an den Klingen zurück.

Die Archäologinnen und Archäologen mutmaßen, dass die Menschen die zwischen 1550 und 1250 v.Chr. geschmiedeten Dolche seinerzeit zum Schlachten von Tieren genutzt haben könnten. Dafür spreche, dass die Bewohner Pragettos umfänglich Viehzucht betrieben haben, erklären sie. Ob die Dolche bei rituellen Schlachtungen oder in der Verarbeitung von Nutztieren zum Einsatz kamen, bleibt jedoch unklar. Zudem können die Dolche trotzdem noch eine Funktion als Statussymbol oder auch als Kurzwaffe gehabt haben.

Dolche tauchten erstmals 4000 Jahre vor unserer Zeitrechnung in Europa auf. Sie wurden entweder aus einer Kupferlegierung oder aus Feuerstein gefertigt; erstere waren in der Bronzezeit weit verbreitet. Sie wurden vor allem in Grabstätten von Kriegern gefunden, deren Männlichkeit und gesellschaftlichen Stand sie mutmaßlich markierten.

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