Direkt zum Inhalt

Bronzezeit: Schon die Mykener heizten mit Braunkohle

Bereits im 2. Jahrtausend v. Chr. verbrannten Menschen im mykenischen Griechenland Braunkohle. Wie sich das nachweisen ließ? Spuren von Rauch und Ruß setzten sich in ihrem Zahnstein fest.
Das mykenische Wandbild einer Frau stammt aus einem Haus in Mykene, 13. Jahrhundert v. Chr.

Schon vor mehr als 3300 Jahren nutzten Menschen in Griechenland Braunkohle, um damit Öfen zu heizen. Sie verwendeten den fossilen Stoff somit rund 1000 Jahre eher als bislang angenommen. Den Nachweis dafür fanden Forschende im Zahnstein spätbronzezeitlicher Skelette. Wie Stephen Buckley von der Universität Tübingen, Philipp Stockhammer von der LMU München und ihr Team im Fachmagazin »Scientific Reports« schreiben, befeuerten vermutlich Handwerker ihre Brenn- und Schmelzöfen mit der Kohle. Wohl deshalb waren die Palastkulturen des mykenischen Griechenlands in der Lage, in großer Zahl exklusive Tonvasen sowie Schwerter und Gefäße aus Bronze herzustellen.

Insgesamt untersuchten die Forscherinnen und Forscher 77 Zahnsteinproben von 54 Toten. Die Fundorte der Verstorbenen verteilen sich über den östlichen Mittelmeerraum: Sie liegen im heutigen Ägypten, Israel, der Türkei, im Libanon und Griechenland. In fast allen Proben identifizierten die Wissenschaftler polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Sie führten die chemische Signatur dieser Stoffgruppe auf die Verbrennung von Nadelhölzern, Eichen- und Olivenholz sowie Dung zurück. Offenbar waren die Menschen immer wieder Rauch ausgesetzt gewesen und atmeten ihn ein. Bei der Hälfte der Toten aus Griechenland, die aus der mykenischen Burg von Tiryns (Peloponnes) und dem kretischen Chania stammen, fiel den Forschern jedoch ein ungewöhnlicher Stoff auf: Braunkohle, die sich in Form von Rauch und Ruß auf den Zähnen abgelegt hatte. Die Spuren fanden sich sowohl an den Überresten von Frauen als auch Männern.

Braunkohle lieferte mehr Energie für die Öfen

Wie das Team um Stockhammer und Buckley vermutet, handelte es sich bei diesen um Handwerker, die an oder im Umfeld von Töpfer- und Schmelzöfen arbeiteten. Archäologen haben auch entsprechende Anlagen in Tiryns und Chania entdeckt. Verglichen mit Holz erwies sich Braunkohle wohl als die bessere Alternative für einen Brennstoff. Denn Holz dürfte eine knappe Ressource dargestellt haben. Die Regionen um die mykenischen Burgen waren dicht besiedelt und weitgehend entwaldet. »Die hitzeintensive handwerkliche Produktion machte es notwendig, genügend Brennstoff zu beschaffen, wobei Braunkohle auf Grund ihrer höheren Energiedichte und weil sich die Temperatur leichter kontrollieren ließ, besonders nützlich war«, schreibt die Arbeitsgruppe in ihrer Studie.

Erst die Nutzung der Braunkohle habe es den mykenischen Griechen ermöglicht, hochwertige Keramikgefäße und Bronzen in großer Zahl herzustellen. »Die Funde mykenischer Keramik von Spanien bis Syrien zeigen, dass in den südgriechischen Werkstätten jährlich wahrscheinlich zehntausende Gefäße vor allem auch für den Export produziert wurden«, sagt Philipp Stockhammer laut einer Pressemeldung.

Woher die Braunkohle kam

Die Braunkohle einer Lagerstätte weist eine bestimmte chemische Signatur auf. In den Rauchspuren im Zahnstein konnte die Arbeitsgruppe diese Signatur herausfischen und so die bronzezeitlichen Lagerstätten ausfindig machen. Demnach hatten die Bewohner von Tiryns den fossilen Energieträger wohl in einem Gebiet beim 150 Kilometer entfernten Olympia im Westen der Peloponnes abgebaut. Die Menschen aus Chania schafften die Braunkohle aus dem näheren Umfeld heran, aus Fundplätzen 35 bis 40 Kilometer entfernt. Dort konnte Braunkohle einst im Tagebau gewonnen werden.

Bislang gingen Experten davon aus, dass Kohle frühestens im klassischen Griechenland verwendet wurde. Der Gelehrte Theophrast (zirka 371–287 v. Chr.) beschreibt, welche Arten von Kohle es gibt und für was sie sich eignen. Braunkohle, so erwähnt er, sei besonders für den Gebrauch in der Metallurgie geeignet.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte