Brustkrebsvorsorge: Mammografie gibt Hinweise auf Herzerkrankung

Mammografien sind für die Erkennung von Brustkrebs von entscheidender Bedeutung. Und offenbar können sie noch mehr: In Kombination mit künstlicher Intelligenz lässt sich mit dem Verfahren auch das Risiko für Herzerkrankungen vorhersagen. Ein neues KI-Modell scannt Mammografie-Aufnahmen, um helle Streifen von Calciumablagerungen zu quantifizieren – ein Anzeichen für verhärtetes Brustarteriengewebe. Der gemessene Schweregrad der Brustarterienverkalkungen (BAK) kann helfen, das damit verbundene Risiko für Herzerkrankungen zu prognostizieren, berichtet ein Team der Emory University in Atlanta im »European Heart Journal«. Das Modell »kann ohne zusätzlichen Aufwand auf jede einzelne Mammografie-Aufnahme angewendet werden«, so der Studienleiter Hari Trivedi.
Brustkrebs kann winzige Calciumablagerungen hinterlassen, wenn Zellen schnell absterben. In der Mammografie erscheinen diese als kleine Cluster – ein frühes Anzeichen für abnormales Wachstum und Tumoren. Brustarterienverkalkungen sähen auffallend anders aus und zeigten sich oft als zwei helle, »bahnschienenartige« Streifen, die sich im Zickzack durch das Brustgewebe ziehen, erklärt Trivedi. Die Arterienverkalkung selbst schädige das Brustgewebe nicht und erhöhe auch nicht das Brustkrebsrisiko. Aber sie könnte darauf hindeuten, dass sich an anderer Stelle im Körper Verkalkungen entwickeln – und das sei ein Indikator für eine mögliche Herzerkrankung, da verengte Gefäße eine schlechtere Durchblutung bedeuten.
Präzisere Risikobewertung möglich
Andere Forschungsgruppen haben die Verwendung von Mammografien zur Beurteilung des Herzerkrankungsrisikos untersucht, und einige Radiologen achten bereits bei Vorsorgeuntersuchungen auf die Anzeichen. Zudem gibt es bereits andere KI-gestützte Tools zur Erkennung der Verkalkung, darunter eines, das von der US-amerikanischen Food and Drug Administration zugelassen wurde. Laut Trivedi bietet das Modell seines Teams jedoch erstmals die Möglichkeit, die Menge an BAKs zu messen und mit dem Krankheitsrisiko in Verbindung zu bringen. Diese Quantifizierung ermögliche es, das Risikoniveau genauer vorherzusagen.
Trivedis Team konzentrierte sich auf zwei Populationen: 74 124 Frauen aus Atlanta und 49 638 Teilnehmerinnen an Standorten der Mayo Clinic in Arizona, Florida, Minnesota und im oberen Mittleren Westen. Die Fachleute stellten fest, dass bereits geringe Erhöhungen der Brustarterienverkalkung mit einem leicht gestiegenen kardiovaskulären Risiko einhergingen. Bei Frauen mit stark erhöhtem BAK-Wert fand man im Vergleich zu jenen ohne solche Verkalkungen eine vier- bis achtfache Zunahme von Ereignissen wie Herzinfarkt und Schlaganfall.
Das neue Modell könnte auch dazu beitragen, »den Radiologen zu entlasten«, wenn es darum geht, die Verkalkungen der Brustarterie zu erkennen und gewisse Entscheidungen zu treffen, fügt die Radiologin Laurie Margolies vom Mount Sinai Hospital in New York City hinzu. Sie und ihre Kollegen untersuchen derzeit, ob Menschen kardiovaskuläre Vorsorge in Anspruch nehmen, wenn eine Bewertung der Arterienverkalkung in die Ergebnisse der Mammografie einfließt – und, was noch wichtiger ist, ob sich die Herzgesundheit dieser Menschen dadurch verbessert.
Die weitverbreitete routinemäßige Mammografie hat dazu beigetragen, die Zahl der Brustkrebstoten in den USA drastisch zu senken. Mammografien werden dort für die meisten Frauen ab dem 40. Lebensjahr alle zwei Jahre empfohlen, was diesen Ansatz besonders attraktiv macht, um Herzerkrankungen früher zu erkennen, sagt Trivedi. In Deutschland werden Screenings alle zwei Jahre für Frauen ab 50 von der Krankenkasse übernommen.
Angesichts der hohen Zahl an Mammografie-Untersuchungen »könnten viele Menschen wirklich davon profitieren«, sagt Margolies’ Kollegin Mary Ann McLaughlin, ebenfalls Kardiologin am Mount Sinai Hospital: »Man kommt, um nach Brustkrebs zu suchen, erhält aber auch diese Information. Es bedeutet keine zusätzliche Strahlenbelastung, keinen Zeitaufwand und keinen weiteren Termin. Es ist Teil Ihrer regulären, routinemäßigen Mammografie.«
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