Gestrandeter Wal in der Ostsee: Was zum Rettungsplan für den Buckelwal bekannt ist

letzte Aktualisierung: 16. April, 14:30 Uhr
Fachinstitute, Tierschutzorganisationen und Experten waren sich einig: Dem vor der Ostsee-Insel Poel liegenden Buckelwal sei nicht sinnvoll zu helfen. Man wollte ihn in Ruhe sterben lassen. Nun die überraschende Wende: Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister hat am 15. April grünes Licht für den Rettungsversuch einer privaten Initiative gegeben. Das Konzept strebe eine Bergung des lebenden Tieres und einen Transport in die Nordsee und gegebenenfalls bis in den Atlantik an, erklärte Till Backhaus (SPD) bei einer Pressekonferenz in Schwerin. Die zuständigen Behörden hätten das entsprechende Konzept geprüft und ihm zugestimmt. Die Verantwortung liege allerdings bei den Initiatoren. »Wir dulden dieses Vorhaben«, so Backhaus. Bei den Initiatoren handelt es sich unter anderem um den Mediamarkt-Gründer Walter Gunz und die Unternehmerin Karin Walter-Mommert.
Die private Rettungsinitiative schicke zunächst Taucher ins Wasser, die Kontakt zu dem Tier aufnehmen und es beruhigen sollen, so Backhaus. »Tierwohlstützende und leidlindernde Maßnahmen« sind demnach vorgesehen. Dabei würde auch der Untergrund untersucht. Geplant ist, am Donnerstag Luftkissen unter das Tier zu bringen und es schonend anzuheben. Dazu soll Schlick unter ihm weggespült werden und der Wal anschließend auf einer Plane zwischen zwei Pontons gelagert und abtransportiert werden. Gehe alles gut, könne der Transport aus der Region am Freitag beginnen, sagte Backhaus. Ein Schlepper soll die beiden Pontons bis in die Nordsee und den Atlantik ziehen, um den Buckelwal dort freizulassen.
»Ich fürchte, hier wird gerade Aktionismus betrieben, der mindestens zweifelhaft ist, wenn nicht sogar gefährlich für den Wal sein kann«Fabian Ritter, Meeresbiologe und Walforscher
Experten hatten bereits vergangene Woche erklärt, dem Buckelwal könne nicht mehr sinnvoll geholfen werden. Es sei das Beste, ihn in Ruhe und Würde sterben zu lassen und daraus für die Zukunft Lehren zu ziehen. »Ich fürchte, hier wird gerade Aktionismus betrieben, der mindestens zweifelhaft ist, wenn nicht sogar gefährlich für den Wal sein kann«, sagte Meeresbiologe und Walforscher Fabian Ritter gegenüber »Spektrum.de«. »Ich betrachte es kritisch, dass anscheinend keiner der bisher beteiligten Experten einbezogen wird.«
Ob die Rettungsaktion zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch gelingen kann und ob der Buckelwal diese überlebt, ist fraglich. In einem Gutachten zum Zustand des rund zwölf Meter langen Wals heißt es, dass die wiederholten Strandungen bei Niendorf, Wismar und vor Poel auf ein ernsthaftes Gesundheitsproblem hinwiesen. »Transportmöglichkeiten für einen Wal dieser Größe existieren nicht.« Zudem wäre schon ein Anheben mit Schlaufen mit extremem Stress und wahrscheinlich großflächigem Abreißen der schwer geschädigten Haut verbunden.
Backhaus erklärte in der Pressekonferenz: »Die jetzige Entscheidung ist keine Abkehr davon, sondern eine verantwortungsvolle Neubewertung auf Basis neuer fachlicher Möglichkeiten.« Das vorliegende Konzept sei unter Berücksichtigung des Bundesnaturschutzgesetzes sowie des Tierschutzrechts geprüft worden. Laut dpa ist Walter Gunz der Ansicht, mit einem »großartigen Team« samt Walspezialisten das Risiko für Stress und Leid ausgeräumt zu haben.
Das Deutsche Meeresmuseum, das bislang eng in die Bewertung der Lage des Wals eingebunden war, teilte nach der Pressekonferenz mit, dass es »nicht in die Vorbereitungen der aktuell geplanten Lebendbergung des Buckelwals vor Poel einbezogen wurde«. Auch das gesamte Konzept liege dem Museum nicht vor. »Die Fachleute erfuhren davon durch die Pressekonferenz.« Die Umweltschutzorganisation Greenpeace äußerte sich deutlich: »Wir unterstützen die Rettungsaktion nicht, denn nach allen uns vorliegenden Informationen ist dieser Wal krank und stark geschwächt«, teilte eine Sprecherin auf Nachfrage der dpa am 16. April mit.
Der Meeresbiologe Boris Culik bewertet gegenüber der dpa den Rettungsversuch durchaus positiv. Er schätze die Maßnahmen, die man vorhabe, als sehr vielversprechend ein, sagte Culik, der früher am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel gearbeitet hat. Wenn man den Wal nun transportiert, müsse man sich allerdings auch Gedanken machen, wie man ihn von den Netzresten im Maul befreie. Dazu müsse man ihn zunächst dazu bringen können, sein Maul zu öffnen, sagt Culik. »Wenn man ihn nicht davon befreit, wie soll er sich dann ernähren und wieder zu Kräften kommen? Dann ist es letztlich der Abtransport eines sterbenden Tieres in andere Gewässer.«
Der kranke Buckelwal, der von manchen »Timmy« oder »Hope« genannt wird, strandete erstmals am 23. März in der Ostsee nahe dem Timmendorfer Strand. Nach ersten Rettungsversuchen schwamm er sich zunächst wieder frei, blieb dann jedoch an einem nahe gelegenen Küstenabschnitt nochmals im seichten Wasser liegen. Nachdem er sich zwischenzeitlich erneut selbst befreien konnte, befindet er sich seit dem 31. März vor der Ostsee-Insel Poel.(dpa/doe)
Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.