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Kanada: Das Schlachthaus der Blackfoot

Im Norden der Prärien jagten indigene Gruppen jahrtausendelang Bisons, indem sie die Tiere über die Klippe trieben. Die Kultur der Blackfoot beruhte auf der Büffeljagd, die alles abwarf, was die Menschen zum Leben brauchten.
Der bemalte Büffelschädel, der heute in der ethnologischen Sammlung in Berlin aufbewahrt wird, gehörte womöglich einst der indigenen Gruppe der Blackfoot in Kanada.
Der bemalte Büffelschädel in der ethnologischen Sammlung in Berlin gehörte womöglich einst der indigenen Gruppe der Blackfoot in Kanada.

Aus dem wogenden Grasland der Prärien weit im Süden der kanadischen Provinz Alberta ragt eine mächtige Felswand. Nähern sich Menschen oder Tiere den Vorbergen der Rocky Mountains von Osten, dominieren die nur zehn oder elf Meter hohen Sandsteinklippen den Blick bereits aus etlichen Kilometern Entfernung. Kommt man von den Rocky Mountains und damit aus Westen, erstreckt sich das Grasland scheinbar ohne Unterbrechung bis in die Ferne. Doch tatsächlich endet es an den Klippen, wo der Fels nahezu senkrecht abfällt. An diese Stelle trieben die indigenen Stämme der Blackfoot einst Bisonherden. Die panisch umherrennenden Tiere hatten dann kaum eine Chance – sie stürzten über die Felswand in die Tiefe. Fast sechs Jahrtausende lang nutzten die Menschen den Ort, der heute als Head-Smashed-In Buffalo Jump bekannt ist, als vielleicht größtes Schlachthaus der Geschichte.

Als der Archäologe Junius Bouton Bird (1907–1982) vom American Museum of Natural History dort 1938 mit den ersten Ausgrabungen begann, türmten sich am Fuß der Sandsteinwand zahlreiche Büffelschädel und -knochen – mehr als zehn Meter hoch. Zwischen den Überresten fanden sich auch Steinwerkzeuge, mit denen die Jäger und Sammler ihre Beute zerlegt hatten. Seither deckten Forschende die raffinierten Methoden auf, mit denen die Steinzeitjäger ihre Beute in die Falle lockten und verarbeiteten. Dafür dürften etliche der jeweils 80 bis 240 Menschen zählenden Blackfoot-Gruppen eng zusammengearbeitet haben.

Aus der Jagd entwickelte sich mit der Zeit die Kultur dieser indigenen Stämme. Ihre Lieder und ihre Kunst, ihr Glaube und die Mythologie kreisten um den Grundpfeiler ihres Lebens, die Büffel. Die markanten Sandsteinklippen von Head-Smashed-In Buffalo Jump sind daher ähnlich wie die Pyramiden von Ägypten, das Taj Mahal in Indien oder die Ruinenstadt Machu Picchu in Peru die noch heute sichtbaren Relikte einer hoch entwickelten Kultur. Deshalb wurden sie bereits 1981 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

Sandsteinfelsen | Über diese Klippe trieben die Blackfoot die Büffelherden. Head-Smashed-In Buffalo Jump befindet sich in der Prärie der Provinz Alberta.

Rund 200 Kilometer weiter östlich nahm die UNESCO im Juli 2019 eine weitere Stätte der Blackfoot in die Liste des Weltkulturerbes auf: Áísínai'pi oder Writing-on-Stone heißt der Park, in dem Wind und Wasser aus dem Sandstein fantastische Felsstrukturen geformt haben, die Hoodoos genannt werden. Auf die Felswände haben die Blackfoot weit über 100 Bildgruppen gemalt oder geritzt. »Die Hoodoos waren für die Blackfoot lange Zeit ein heiliger Ort«, erklärt Aaron Domes, Mitarbeiter im Writing-on-Stone Provincial Park. Einige wenige Zeichnungen dürften auch von den Shoshonen stammen, deren Jagdgebiete an das Land der Blackfoot grenzten.

Bizarre Felsformationen aus der Eiszeit

Entstanden war der kultische Ort aus einem großen See, der vor 85 Millionen Jahren existierte, als noch Dinosaurierherden über das Land zogen. Der Sand am Grund des Gewässers geriet tief ins Erdinnere und wurde vom gewaltigen Druck der darüberliegenden Massen zu Sandstein gepresst. Als die Gletscher der letzten Eiszeit vor rund 20 000 Jahren langsam abschmolzen, flossen riesige Wassermengen ab und gruben mächtige Täler in den Sandstein.

In einem dieser Urstromtäler fließt heute der Milk River durch den Writing-on-Stone Provincial Park. Sein nördliches Ufer säumen hohe Sandsteinklippen. Da die Prärien eher im Regenschatten der Rocky Mountains liegen, ist es hier meist trocken. Manchmal aber prasselt heftiger Regen nieder und schwemmt Teile der porösen Sandsteinklippen zum Milk River hinunter. Im Sommer heizt die Sonne das Land bis auf 40 Grad Celsius auf, während im Winter eisige Polarluft die Temperaturen leicht auf minus 40 Grad Celsius fallen lässt. In der Vergangenheit sprengten das krasse Temperaturgefälle und der starke Frost daher immer wieder Brocken aus den Klippen, bis bizarre Felsgebilde entstanden waren. Zudem schmirgelten die über die Prärie pfeifenden Winde, die reichlich Sand herbeitrugen, die Felsen ab. Mit der Zeit bildeten sich so die Hoodoos heraus, die meist aus einer hutartigen, harten Steinspitze und einer schmalen Sandsteinsäule bestehen.

Hoodoo | Typisch für den Writing-on-Stone Provincial Park sind solche Felsformationen. Bei den Blackfoot galt die Gegend als heilig.

Um sich vor den Winden zu schützen, fanden die steinzeitlichen Jäger und Sammler seit mindestens 4000 Jahren zwischen den Hoodoos Schutz. Die Blackfoot – und seltener die Shoshonen, die Cree und die Assiniboine – kamen an den Milk River, wo Biber ihre Dämme bauten und an dessen Ufern noch heute viele Tiere wie die in den Prärien nicht vorkommenden Maultierhirsche leben. Diese Beute konnten die Jäger leichter erlegen als die mächtigen, wehrhaften Büffel. Auf den Hoodoos hielten die Menschen ihre Geschichte fest: die Jagd auf Bisons, Maultierhirsche und Biber, ihre Heldentaten oder Begegnungen mit den europäischen Siedlerinnen und Siedlern. Die Farben für die Malereien mischten die Blackfoot aus dem Fett der Büffel und aus roter Erde. Bis heute entdecken Archäologen immer wieder bislang unbekannte Felszeichnungen.

Ein Ford T in Sandstein

»Das Alter dieser Kunstwerke lässt sich grob schätzen«, sagt Aaron Domes. Etwa die Bilder von jagenden Menschen auf Pferden: »Die Reittiere brachten wohl um 1730 die Shoshonen in diese Region. Um 1750 lernten auch die Blackfoot die vorteilhafte Jagd auf Büffel und andere Tiere vom Pferderücken aus.« Solche Felszeichnungen stammen demnach aus der Zeit nach 1750. Davor haben sich die Jäger wohl mit großen Schilden aus Büffelfell geschützt, die ebenfalls häufig auf den Felsbildern dargestellt sind. »Oft sind auf den Schilden persönliche Symbole abgebildet, die womöglich eine ähnliche Funktion wie europäische Wappen hatten«, vermutet Domes.

Auf den Zeichnungen heben einige Menschen ihre Arme in den Himmel. Andere stemmen ihre Glieder in die Hüfte oder sind in die Knie gegangen. »Vermutlich handelt es sich um Tänzer«, sagt Domes. Den Archäologen fällt es schwer, die Bilder zu interpretieren, während die Ältesten der noch heute in der Gegend lebenden Blackfoot deren Bedeutung offensichtlich sehr gut kennen. »Mit weißen Kanadiern teilen sie dieses Wissen aber nicht«, berichtet Domes.

Felszeichnung | Das Bild eines Autos, vermutlich eines Ford T, ritzte der Blackfoot Bird Rattle 1924 in eine Sandsteinwand von Writing-on-Stone.

Immerhin konnten Fachleute ein besonders verblüffendes Ritzbild inzwischen deuten: Auf einem Felsen ist ein Wagen dargestellt, der einem Ford T ähnelt. In den USA waren zwischen 1908 und 1927 zirka 15 Millionen dieser Autos gebaut worden. Und mit solch einem Fahrzeug war der Blackfoot Bird Rattle im September 1924 aus einem Reservat im US-Bundesstaat Montana zu den Hoodoos am Milk River gefahren – und hatte offenbar ein Bild des Gefährts in den Fels geritzt.

Wie gefährlich die Büffeljagd war

Während Writing-on-Stone ein geistig-kulturelles Zentrum der Blackfoot war, lassen die Felsklippen von Head-Smashed-In Buffalo Jump in den Alltag einer Zeit blicken, als es weder Pferde noch Gewehre in den Prärien gab. Damals war die Büffeljagd erheblich mühsamer und riskanter. Schließlich hat ein Bisonbulle eine Schulterhöhe von 1,75 Metern – das Tier begegnet einem Menschen damit auf Augenhöhe. Zudem messen ausgewachsene Bisons im Durchschnitt drei Meter in der Länge und haben mit bis zu 800 Kilogramm ein höchst gefährliches Kampfgewicht. Etwa halb so schwer, sind auch die Kühe dem Menschen deutlich überlegen. Zwar werden die Kälber mit rund 18 Kilogramm als Leichtgewichte geboren, bleiben aber ein ganzes Jahr lang in der Nähe ihrer Mutter und werden von ihr gut beschützt. Und da selbst einjährige Bisons mit 200 bis 300 Kilogramm alles andere als eine leichte Beute sind, war die Büffeljagd eine echte Herausforderung, bevor die Blackfoot seit zirka 1750 Pferde und Gewehre nutzten.

Obwohl die Bisons schwer zu erlegen waren, stellten sie für die Menschen eine besonders attraktive Beute dar: Fleisch und Fett lieferten Nahrung, aus Häuten und Fellen ließen sich Kleidung und Zelte fertigen, aus den Knochen wurden Werkzeuge hergestellt und die Hörner zu Trinkgefäßen umfunktioniert oder Löffel daraus geschnitzt.

Als Bison und Wolf getarnt auf der Jagd

Die Bisonjagd war allein schon deshalb ein schwieriges Unterfangen, weil die Tiere in Gruppen auf den Prärien im heutigen Alberta und im Norden des US-Bundesstaats Montana weideten. Auf diesen Ebenen wachsen kaum Bäume, daher fanden die Jäger keine geeignete Deckung, um sich an die Tiere anzuschleichen. Die besten Chancen ergaben sich lediglich in der Mittagszeit. Dann ruhten die Bisons im Gras und waren mit Wiederkäuen beschäftigt. Da die Büffel nicht sonderlich gut sehen können, näherten sich die Jäger langsam auf Händen und Knien gegen die Windrichtung.

Wie die Jagd verlief, hat der Archäologe Jack W. Brink vom Royal Alberta Museum rekonstruiert. So versuchten oft zwei Jäger gemeinsam ihr Glück. Der eine tarnte sich mit dem Fell eines Bisonkalbs, der andere trug ein Wolfsfell samt Schädel. Entdeckten die Büffel den vermeintlichen Räuber, waren sie erst einmal kaum beunruhigt, weil ein Wolf gegen einen ausgewachsenen Bison relativ chancenlos war. Die Situation änderte sich schlagartig, wenn der Jäger im Bisonfell wie ein Kalb zu blöken begann. Schien dann der vermeintliche Wolf das kleine Bison auch noch anzugreifen, waren die Kühe alarmiert, rannten herbei und kamen somit in die Reichweite der Jäger. Mit dieser durchaus riskanten Methode versuchten diese dann die Tiere zu erlegen.

Mit der Pirschjagd sicherte sich eine Blackfoot-Familie den Lebensunterhalt für mehrere Tage. Um aber Vorräte für die langen Wintermonate anzulegen, warf diese Strategie nicht genug Beute ab. Möglicherweise deshalb kamen Jäger und Sammler schon vor 10 000 Jahren im heutigen Texas auf die Idee, Bisons über eine Felsklippe zu treiben, um so auf einen Schlag zahlreiche Tiere zu erbeuten.

Der älteste bekannte Beleg für eine solche Massenjagd lag in der zehn Meter dicken Schicht von Head-Smashed-In Buffalo Jump. 14C-Datierungen an den am tiefsten gelegenen Bisonknochen lieferten ein Alter von 5800 Jahren. In dieser Zeit scheinen die Jäger und Sammler bereits Bisonherden über die Klippen gejagt zu haben. Menschen hatten die Gegend aber schon länger besucht. Ganz in der Nähe entspringt in einem kleinen Tal ein Bach, wo sich zwei steinerne Speerspitzen fanden. Sie beweisen, dass Menschen dort bereits vor rund 9000 Jahren umherstreiften. Ob diese damals nur durch die Region hindurchzogen, in der Schlucht ihr Winterlager aufschlugen oder womöglich bereits der Klippenjagd nachgingen, ist bislang unbekannt.

Die Jagd mit Pfeil und Bogen, Speerschleuder – und Sandsteinklippe

Zwischen den Büffelknochen unterhalb der Klippe steckten jede Menge Steinspitzen, die eine Rekonstruktion der Jagd erlauben. Die Spitzen sind typisch für die Blackfoot. Und dass sie zwischen all den Knochen steckten, legt nahe: Die Blackfoot gaben den Büffeln, die den Sturz von der Felsklippe überlebt hatten, mit Pfeil und Bogen einen Gnadenschuss. Die ältesten Steingeräte lagen in Schichten, die über 1700 Jahre zurückreichen. Vor dieser Zeit jagten die Menschen offenbar mit Speerschleudern. Die einen halben Meter langen Stöcke verlängerten den Wurfarm und beschleunigten die Geschwindigkeit der zwei Meter langen Holzspeere, die mit anders geformten Spitzen als für Pfeile ausgestattet waren, auf über 150 Kilometer in der Stunde. Sie entwickelten so eine erheblich größere Wucht als ein nur mit der Hand ausgeführter Speerwurf. Die Menschen von Head-Smashed-In Buffalo Jump beherrschten diese Technik bereits vor 5800 Jahren. Allerdings nutzten sie die Speerschleuder nicht von vor 4200 bis 3200 Jahren. Warum sich an den Sandsteinklippen aus dieser Zeit keine Speerspitzen fanden, ist noch nicht geklärt.

Schildträger | Dieses Felsbild in Writing-on-Stone zeigt verschiedene menschliche Figuren. Einige von ihnen sind mit großen Rundschilden gerüstet.

Die Steinzeitmenschen trieben die Büffel zu einer bestimmten Zeit über die Klippen: Wie es scheint, richteten sie im Herbst ihr riesiges Schlachthaus ein. Denn zu jener Jahreszeit waren die im Frühjahr geborenen Kälber ein halbes Jahr alt, die Jungbüffel der vorherigen Jahrgänge eineinhalb oder zweieinhalb Jahre. Ebenjene Alter haben Fachleute nämlich an den gefundenen Zähnen abgelesen. Überreste von Tieren anderer Altersstufen wurden hingegen kaum gefunden.

Vor der Herbstjagd hatten sich die Büffel in einer Senke westlich der Klippen gesammelt. Dort stand das Grundwasser hoch, und frisches, nahrhaftes Gras spross kräftig. War das Wetter günstig und wehte der Wind so, dass die Tiere von den Menschen kaum etwas mitbekamen, beschlossen die Schamanen und Ältesten den Jagdbeginn. Das geschah allerdings nur alle paar Jahre einmal. Schließlich gab es in den Prärien noch weitere »Buffalo Jump« genannte Steinklippen. Doch in Head-Smashed-In ist das Steinzeitschlachthaus am besten erhalten und verrät am meisten über die Jagdmethoden der Blackfoot.

Tote Männer als Büffelscheuchen

Wenn die Bisons in der Senke weideten, waren die Tiere in bester Verfassung. Sie hatten sich bereits ausreichend Winterspeck angefressen und ein dichtes Winterfell entwickelt. Dann bereiteten die Blackfoot die Jagd vor: Sie markierten einen langen Weg für die Tiere, der sich vom Tal bis zu den Klippen durch die hügelige Landschaft schlängelte. Alle paar Meter schichteten sie dazu Steinhaufen zu den Wegseiten auf. »Tote Männer« heißen sie in der Sprache der Blackfoot. Und etliche davon sind noch heute erhalten und erinnern an die Steinzeitjagd. In die Haufen steckte man kleine Büsche – die Büffelscheuchen sollten wie Menschen mit Haaren aussehen. Denn dies war der einzige Feind, den die Bisons wirklich fürchteten.

Die Jagd begann nach den Überlieferungen der Blackfoot damit, dass »Büffelläufer« genannte junge Männer hinter der Herde auftauchten. Sie waren in die Felle von Wölfen und Kojoten gehüllt. Zwar waren die Büffel dadurch nicht verängstigt, aber etwas beunruhigt. Sie grasten weiter, trabten jedoch von den getarnten Menschen fort und hielten gleichzeitig Abstand zu den »Toten Männern«. Entlang dieser Leitplanken bewegten sich die Tiere langsam, aber sicher auf die Klippen zu.

Dort angekommen, schlichen weitere Männer vor die Herde, gehüllt in die Felle von Bisonkälbern und ihre Haut beschmiert mit Bisonfett. Sie rochen also nach Büffel. Als sie wie Kälber zu blöken begannen, beschleunigten die Kühe ihre Gangart, um den Kleinen zu Hilfe zu kommen. Kurz vor der Klippe tauchten hinter den Steinhaufen wieder Männer auf, schrien laut und schwenkten Büffelfelle. Die Bisons gerieten in Panik und begannen, in einer Stampede loszustürmen. An der Kante der Klippen war es zum Bremsen zu spät – die Tiere stürzten über die Felskante in den Tod.

Büffel | Bevor die europäischen Siedlerinnen und Siedler die Bisons nahezu ausrotteten, haben die Blackfoot mit den kräftigen Tieren fast ihren gesamten Lebensunterhalt gesichert. Der Büffel im Bild befindet sich im Elk-Island-Nationalpark in der Provinz Alberta.

Als die Steinzeitmenschen vor 5800 Jahren die ersten Male auf diese Weise jagten, waren die Klippen noch 20 Meter hoch und die meisten Büffel dürften den Absturz nicht überlebt haben. Mit der Zeit häuften sich die Knochen, und heute ragen die Klippen nur noch rund zehn oder elf Meter in die Höhe.

Wie die Beute zerlegt wurde

Unterhalb der Klippen warteten Jäger, um die Beute endgültig mit Speerschleudern oder später mit Pfeil und Bogen zu töten. Anschließend begann die Arbeit erst so richtig. Ein Stück vor der Felswand hatten die Blackfoot Zelte aufgebaut – einige der Steinringe, mit denen sie die Behausungen am Boden verankerten, sind heute noch erhalten. Es dürften etliche hundert Blackfoot gewesen sein, die den toten Bisons die Felle abzogen und sie mit Steinschabern säuberten.

War die Beute zerlegt, lagen genügend Sehnen und Knochen vor, aus denen später Nähgarn und Werkzeuge hergestellt werden konnten. Mit Steinmessern schnitten die Blackfoot das Büffelfleisch in lange, dünne Streifen, die sie anschließend an großen Holzgestellen in der Sonne trocknen ließen. Die großen Beinknochen der Bisons wurden zerbrochen und zerkleinert, um an das nahrhafte Knochenmark zu gelangen. In eine Grube, die mit frischer Büffelhaut abgedichtet wurde, legten sie erhitzte Steine, um die Feuchtigkeit in den Häuten zu erwärmen und das Fett aus den Knochensplittern auszukochen.

Daraus und aus dem Talg der Eingeweide sowie den getrockneten und zu Pulver zerstoßenen Fleischstreifen kneteten die Blackfoot eine feste Masse – Pemmikan genannt. Zur Würze fügten sie zudem getrocknete Beeren hinzu. Pemmikan kann einige Jahre lang aufbewahrt werden und ist sehr nahrhaft. Es war ein extrem wichtiges haltbares Lebensmittel, das die Blackfoot sicher über den langen Winter brachte. Entweder aß man das Pemmikan so oder löste es in kochendem Wasser wie eine Instantsuppe auf.

Das Ende einer Lebensweise

Im Jahr 1874 errichtete die Royal Canadian Mounted Police einen ersten Posten in der Region, und bald folgten europäische Siedlerinnen und Siedler. 1881 waren die Büffel fast ausgestorben. Ihrer Lebensgrundlage beraubt, passten sich die Blackfoot notgedrungen einer neuen Welt an. Heute leben im US-Bundesstaat Montana und in der kanadischen Provinz Alberta mehr als 30 000 Blackfoot von Landwirtschaft, Viehzucht und vom Kunsthandwerk. Ihre mehr als 1000 Jahre alte Kultur, in deren Mittelpunkt die Bisons stehen, pflegen sie bis heute, ohne sie mit Außenstehenden zu teilen.

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