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Erschöpfung: Burnout glimmt lange nach

Müdigkeit, Gedächtnisprobleme und eine verringerte Stresstoleranz: Viele Symptome eines Burnouts bleiben auch nach einer erfolgreichen Psychotherapie noch bestehen, zeigt eine schwedische Studie.
Erschöpfte Frau am Schreibtisch (Symbolbild mit Fotomodell)Laden...

Das Burnout-Syndrom beschrieb ursprünglich ein Phänomen, bei dem sich Menschen in sozialen Berufen stark überlastet fühlen, sich deshalb zurückziehen und weniger engagieren. Mittlerweile bezeichnet es oft jede Art von Ausgebranntsein, auch durch Überlastung im Privatleben oder eine fehlende Work-Life-Balance. Zwar ist ein Burnout in Deutschland keine offizielle Krankheitsdiagnose, doch viele Menschen in Psychotherapie klagen über entsprechende Symptome wie große Erschöpfung und Müdigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Schlafstörungen und eine geringe Stresstoleranz.

Forscherinnen der Universität Göteborg haben untersucht, wie nachhaltig eine Therapie diesen Patienten hilft. Dabei kam ihnen zugute, dass es im schwedischen Gesundheitssystem eine Art offizielle Burnout-Diagnose gibt – das so genannte Erschöpfungssyndrom. Dazu können neben den bereits genannten Beschwerden auch Anzeichen von Depression und Ängsten sowie körperliche Symptome wie Kopfschmerzen gehören.

Das Team um Kristina Glise untersuchte 217 Frauen und Männer, die wegen des Erschöpfungssyndroms in einer speziellen »Stress-Klinik« in Göteborg ambulant behandelt wurden. Das Therapieprogramm war auf die individuellen Symptome zugeschnitten und konnte unter anderem Psychotherapie, Stressmanagement-Kurse und Beratung zu Bewegung oder Schlaf umfassen. Nach Abschluss der Behandlung wurden die Patienten sieben Jahre lang wiederholt untersucht.

Nicht einmal jeder Fünfte betrachtet sich als genesen

Ergebnis: Nur 16 Prozent der Probanden hielten sich nach sieben Jahren für vollständig genesen. Vier Prozent sagten, ihr Befinden sei gleich oder schlechter als damals. Die große Mehrheit von 80 Prozent fühlte sich zwar besser, litt aber noch immer an einem oder mehreren belastenden Symptomen. Am häufigsten waren eine geringe Stresstoleranz (73 Prozent der Befragten), extreme Müdigkeit (46 Prozent) und Gedächtnisschwierigkeiten (43 Prozent). Fehlende Aufmerksamkeit und Schlafprobleme waren ebenfalls verbreitet.

Die Symptome eines Burnouts oder Erschöpfungssyndroms seien hartnäckig und könnten bei einigen Patienten noch Jahre nach einer Psychotherapie bestehen, schlussfolgern die Wissenschaftlerinnen. Hinweise auf eine erhöhte Rate von klinischer Depression oder Angststörungen, die beispielsweise Müdigkeit oder Konzentrationsschwierigkeiten erklären könnten, fanden sich nicht. Vielmehr dauere die Erschöpfung vielleicht an, weil die belastenden Umstände im Job oder in der Familie unverändert geblieben seien. Daneben könne die Persönlichkeit der Patienten einen Anteil haben, etwa bei großem Perfektionismus und Übereifer im Beruf.

9/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 9/2020

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