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News: Camping am Strand

Die Clovis galten lange Zeit als die ersten Amerikaner - ein Volk von Großwildjägern, deren Vorfahren vor ungefähr 11 200 Jahren die Landbrücke über der Beringstraße überquerten und den amerikanischen Kontinent von Norden nach Süden durchwanderten. Jetzt allerdings stießen zwei Forscherteams unabhängig voneinander in Chile auf die ersten harten Beweise einer vagen Alternative: Die ersten Amerikaner sind vielleicht doch per Schiff nach Amerika gekommen. Sie haben nur wenige Spuren ihrer Reise zurückgelassen.
Die Theorie, daß Amerika von der Küste her erforscht wurde, ist schwer zu belegen: Die meisten Spuren, die maritime Besucher hinterlassen haben könnten, dürften jetzt unter Wasser liegen – untergegangen vor einigen 10 000 Jahren, als der Meeresspiegel nach der letzten Eiszeit anstieg. An der Südküste Perus allerdings fällt der Ozeanboden steil ab. Daher ging dort – horizontal – nur sehr wenig Land verloren, erklärt Daniel Sandweiss von der University of Maine. Dieser Umstand war einer der Gründe, aus denen er an dieser Stelle nach Überresten suchte.

Seine Intuition zahlte sich aus: Das US-amerikanisch-peruanische Team um Sandweiss fand einen Küstenlagerplatz in Quebrada Jaguay, der etwa 11 100 Jahre alt ist. Dann entdeckten David Keefer von der U.S. Geological Survey in Menlo Park und seine Kollegen eine ähnliche Stätte, die vor etwa 10 700 Jahren benutzt wurde (Quebrada Tacahuay). Das Volk, das diese Lagerplätze baute, war fast ausschließlich auf die See fixiert: Die Knochen, die die Forscher an dem älteren der beiden fanden, stammten zu 99,8 Prozent von Meerestieren wie Anchovis und Seevögeln. An beiden Stellen entdeckten die Wissenschaftler Überreste kleiner, kalorienreicher Fische, die auf eine frühe Netzfischerei hinweisen – eine sehr spezialisierte maritime Beschäftigung, wie Keefer anmerkt (Science vom 18. September 1998).

Sowohl das hohe Alter der Fundstätten als auch der maritime Lebensstil ihrer Benutzer machen es unwahrscheinlich, daß sie von Nachfahren der Clovis erbaut wurden, erläutert Anna Roosevelt von der University of Illinois at Chicago. Sogar Forscher, die im Hochland nach Hinweisen auf die ersten Südamerikaner suchten, denken nun ernsthaft über die "Küstenvariante" nach. Tom Lynch vom Brazo Valley Natural History Museum in Bryan vertrat lange die Vorstellung, daß die ersten Besiedler von den Flanken der Bergzone kletterten. "Aber es könnte sein, daß diese Menschen tatsächlich vom Küstenrand kamen", stellt er fest.

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