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Posttraumatische Belastungsstörung: Cannabis-Wirkstoff hilft gegen Albträume

Schlimme Träume gehören zu den belastendsten Symptomen einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Nun deutet eine klinische Studie darauf hin, dass ausgerechnet das rauschinduzierende Cannabinoid THC aus der Hanfpflanze Betroffenen zu einem erholsamen Schlaf verhilft.
Cannabis
Cannabis ist als Rauschmittel bekannt. Doch bei richtiger Dosierung kann der Inhaltsstoff THC offenbar bewirken, dass Menschen mit posttraumatischer Belastungsstörung ruhiger schlafen.

Unglücke, Unfälle und Gewalterfahrungen können psychisch sehr lange nachwirken. Mitunter führen sie zu einer posttraumatischen Belastungsstörung, kurz PTBS genannt. Viele Betroffene leiden dann auch unter Albträumen, in denen sie das traumatische Geschehen immer wieder durchleben. Zumindest für dieses quälende Symptom gibt es möglicherweise bald eine neue Therapieoption. Wie ein Forschungsteam um Stefan Röpke an der Berliner Charité in der Fachzeitschrift »Nature Medicine« berichtet, vermag die abendliche, sorgfältig dosierte Einnahme von Tetrahydrocannabinol (THC), die Albträume deutlich zu reduzieren.

Neben einer traumafokussierten Psychotherapie werden bei PTBS unter anderem Antidepressiva eingesetzt, teilweise auch Blutdrucksenker, um die Stressreaktion des Organismus zu dämpfen. Doch gegen die Albträume helfen diese Medikamente nicht überzeugend. THC, das psychoaktive Cannabinoid der Hanfpflanze, besitzt einen völlig anderen Wirkmechanismus. Es bindet an Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems im Gehirn und entfaltet verschiedenste Effekte, so steigert es etwa den Appetit und verändert das Angstempfinden. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass THC die Schlafarchitektur so verändert, dass das Traumgeschehen abnimmt.

Die Mediziner verabreichten 87 Patientinnen und Patienten zehn Wochen lang jeden Abend vor dem Schlafengehen THC in Tropfenform, das bei Bedarf schrittweise bis zu einer Maximaldosis von 15 Milligramm gesteigert wurde. Die Placebogruppe schluckte ein gleich aussehendes, ähnlich schmeckendes Scheinmedikament. Häufigkeit und Intensität der Albträume nahmen bei den tatsächlich mit THC Behandelten deutlich ab: Mehr als ein Drittel berichtete, dass sie nach zehn Wochen keine Albträume mehr hatten. Weitere 21 Prozent sprachen von mindestens halbierter Albtraumlast. Außerdem nahmen rund fünf von sechs Patientinnen und Patienten ihren Gesundheitszustand subjektiv als besser wahr – obwohl sich etwa depressive Symptome nach Einschätzung der Ärztinnen und Ärzte nicht eindeutig verringert hatten.

Die Arbeitsgruppe hatte das verschreibungspflichtige THC-Präparat Dronabinol gewählt, das bisher zur Appetitsteigerung etwa bei Aids-Patienten oder gegen starke Übelkeit im Rahmen einer Chemotherapie eingesetzt wird. Der Wirkstoff in Dronabinol ist identisch mit dem rauschinduzierenden THC in Marihuana und Haschisch. Allerdings nehmen deren Konsumenten vermutlich oft deutlich größere Mengen dieses Cannabinoids auf, zumal die Konzentration in diesen Produkten nicht gut kontrollierbar ist. Je nach individueller Empfindlichkeit können Marihuana oder Haschisch auch Angst und Paranoia auslösen. Außerdem gelangt das THC beim Rauchen oder Verdampfen binnen Sekunden bis Minuten ins Gehirn, während es geschluckt dafür deutlich länger braucht.

Schwere Nebenwirkungen beobachtete die Forschungsgruppe nicht, mittelgradige und leichtere Begleiterscheinungen wie Schwindel, Kopfschmerzen und Appetitsteigerung dagegen häufiger. Die dokumentierten Absetzsymptome bestanden in einem geringen Anstieg von Schlafschwierigkeiten, die das Studienteam als klinisch nicht relevant einstufte. Ob die Einnahme des Cannabinoid-Präparats auch längerfristig wirkt und dabei sicher ist, sollen weitere Studien klären. 

  • Quellen

Roepke, S. et al., Nature Medicine 10.1038/s41591–026–04546–9, 2026

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