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Konferenz der Antarktis-Kommission: Keine neuen Meeresschutzgebiete in der Antarktis

Es ging darum, die weltgrößte Meeresschutzmaßnahme umzusetzen. Doch die Bemühungen sind erneut gescheitert. Vor allem zwei Staaten blockierten eine Einigung.
Adeliepinguine auf einem Eisberg im Weddellmeer.

Die von Umweltexperten dringend geforderte Ausweisung neuer Meeresschutzgebiete in der Antarktis ist erneut gescheitert. Die 40. Konferenz der Antarktis-Kommission CCAMLR im australischen Hobart sei am Freitag nach zähem Ringen ohne Durchbruch zu Ende gegangen, teilten die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und das deutsche Science Media Center mit. Konkret geht es darum, ein rund vier Millionen Quadratkilometer großes Gebiet in der Ostantarktis, westlich der Antarktischen Halbinsel und im artenreichen Weddellmeer unter Schutz zu stellen. Es wäre die größte Meeresschutzmaßnahme der Geschichte.

Die Bundesregierung und viele weitere Staaten setzen sich seit Jahren für das Schutzgebiet ein. China und Russland haben den Vorschlag aber bisher erfolgreich blockiert. Beide Länder betreiben in der Region Fischfang, insbesondere auf Krill und Schwarzen Seehecht. Ein Schutzgebiet unter Aufsicht der CCAMLR würde der Fischerei Fangquoten auferlegen oder sie vollständig untersagen, erklärt der deutsche Delegierte der CCAMLR, Thomas Brey vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. Dabei könnte das Schutzgebiet einen wichtigen Beitrag leisten, um die globalen Biodiversitätsziele zu erreichen und die antarktischen Ökosysteme langfristig zu schützen. So lautet das Ziel der Vereinten Nationen zum Erhalt sowie der nachhaltigen Nutzung der Meere, dass bis Ende 2020 zehn Prozent der Ozeanflächen weltweit unter Schutz stehen sollten. Momentan seien es nur sieben Prozent, heißt es in einer Presseinformation des Science Media Centers (SMC).

Die Fischerei setzt die tierischen Bewohner der Antarktis unter Stress

Laut Brey sei es »kurzfristig kein Drama«, dass die drei Meeresschutzgebiete auch dieses Jahr nicht beschlossen wurden. »Denn diese Gebiete sind ja nicht unmittelbar durch menschliche Aktivitäten bedroht«, sagt Brey. »Der antarktische Kontinent ist unbewohnt, es gibt keine kommerzielle Schifffahrt, Tourismus beschränkt sich auf kleine Gebiete an der Halbinsel, der Abbau von Rohstoffen ist verboten und die Fischerei ist durch CCAMLR gut kontrolliert.« Allerdings mahnt der Meeresforscher an, dass es zur Vorsorge wichtig wäre, die Nutzung der Gebiete etwa durch den Fischfang zu beschränken. Zudem leiden die Ökosysteme der Antarktis zunehmend unter der globalen Klimaerwärmung. Die Fischerei übt zusätzlichen Stress auf die tierischen Bewohner der Antarktis aus. »Fischerei auf Krill entnimmt die wichtigste Nahrungsquelle für viele Lebewesen wie Wale oder Pinguine. Diese müssen als Folge längere Wege zurücklegen, um genug Nahrung für sich und ihren Nachwuchs zu finden«, sagt Rainer Froese vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung GEOMAR in Kiel laut des SMC. »Die Krillbestände sind bereits rückläufig. Jede Fischerei darauf sollte eingestellt werden.«

Allein das antarktische Weddellmeer ist sechsmal so groß wie Deutschland und das Habitat und Rückzugsgebiet vieler Arten, die sich auf einen eisigen Lebensraum spezialisiert haben wie Seehechte, Krill und Kaiserpinguine. Seit dem Jahr 2016 wird seine Ausweisung als Schutzgebiet regelmäßig beantragt. Die wissenschaftlichen Grundlagen dafür hat das Alfred-Wegener-Institut (AWI) zusammengetragen, das die Polarforschung in Deutschland koordiniert. 2016 gelang es der CCAMLR letztmalig, ein großes Gebiet unter Schutz zu stellen: eine zirka 1,5 Millionen Quadratkilometer große Region im Rossmeer. Es ist das bisher weltweit größte Meeresschutzgebiet. (kas)

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