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Plutomission: Charons erstaunliche Geschichte

Auch der Plutomond Charon birgt Überraschungen. Seine Oberfläche ist wesentlich differenzierter als vermutet und weist auf eine bewegte Geschichte hin.
Pluto und Charon

Die NASA-Raumsonde New Horizons hat die bislang besten Bilder Charons zur Erde gesendet: Sie zeigen in hoher Auflösung Berge, Schluchten, sogar Erdrutsche, farbliche Differenzierungen – und keineswegs nur eine kraterbedeckte Oberfläche. Insbesondere fällt ein äquatoriales System von Brüchen und Canyons ins Auge, das sich vermutlich um den ganzen Mond erstreckt. "Das sieht aus, als sei die gesamte Kruste Charons aufgebrochen gewesen", sagt John Spencer vom Southwest Research Institute in Boulder, Colorado.

Plutomond Charon im Detail | Diese hoch aufgelöste Aufnahme, die mit der Farbkamera Ralph gewonnen wurde, zeigt den Plutomond Charon in Falschfarben (IR, Rot, Blau). Das Bild entstand am 14. Juli 2015, kurz vor der größten Annäherung der Raumsonde New Horizons an Charon. Die Auflösung der Originalaufnahme beträgt 2,9 Kilometer. Charons Farben sind weniger differenziert als die Farben der Plutooberfläche. Auffällig ist die Rotfärbung der Nordpolarregion Charons, die den vorläufigen Namen Mordor Macula trägt.

Die Oberflächen nördlich und südlich dieser Bruchzone sind sehr verschieden. Charon ist regelrecht zweigeteilt: Die Ebenen südlich des Canyons, die informell Vulcan Planum genannt werden, weisen weniger große Krater auf als die nördlichen Regionen. Vermutlich sind sie deutlich jünger. Die Glätte der Ebenen, die Rillen und schwachen Grate könnten Anzeichen für Kryovulkanismus sein, so Paul Schenk vom New-Horizons-Team des Lunar and Planetary Institute in Houston.

Ein ungleiches Paar: Mond und Zwergplanet | Wie unterschiedlich Pluto und sein Riesenmond Charon sind, zeigt dieses Komposit mehrerer Falschfarbenbilder vom Vorbeiflug am 14. Juli 2015. Die relativen Größen beider Himmelskörper entsprechen der Realität; der Abstand voneinander ist nicht maßstabgerecht. Farben, Helligkeit und Kontrast sind in identischer Weise bearbeitet und dargestellt: Auch einem Astronauten würde Charon beim direkten Anblick dunkler erscheinen als Pluto. Auffällig ist die Ähnlichkeit der rötlichen Polarregionen beider Himmelskörper.

Pluto und sein größter Mond Charon sind ein im Sonnensystem einzigartiges Paar. Kein anderer Mond ist im Vergleich zu seinem Hauptkörper so groß wie Charon. Zudem sind beide in doppelt gebundener Rotation aneinander gebunden und weisen einander stets dieselben Seiten zu. Diese Tatsache lässt die aktuellen Bilder Charons in einem spannenden Licht erscheinen: Die Nordpolarregionen beider Himmelskörper haben nämlich eine ähnliche Rotfärbung. Eine Erklärung hierfür gibt es aktuell nicht.

© NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Southwest Research Institute
Flug über Charon
Aus den Bilddaten hat die NASA einen Flug über Charon simuliert. Die Reise beginnt in 1800 Kilometer Höhe über der dunklen Modor-Region, geht dann hinunter auf 60 Kilometer Höhe und weiter durch ein Canyon bis zum Kubrick Mons, der von einem auffälligen Graben umgeben ist.

Inzwischen hat die New Horizons Pluto und seine fünf Monde weit hinter sich gelassen. Der Datentransfer, der noch bis Ende 2016 dauern wird, lässt auf viele Überraschungen hoffen. Weil der Datenschatz auch weitere Charon-Bilder enthält, erwartet Hal Weaver von der Johns Hopkins University, dass die Geschichte des Mondes "noch erstaunlicher werden wird".

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