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Evolution: Chicxulub bereitete Fröschen den Weg

Am Ende der Kreidezeit kam es zum Massenaussterben vieler Arten - allen voran der Dinosaurier. Doch die Frösche erlebten danach eine evolutionäre Blüte.
Baumfrosch aus Madagaskar

Frösche leben bereits seit 200 Millionen Jahren auf der Erde. Ihre Artenvielfalt explodierte wohl jedoch erst nach einer Katastrophe globalen Ausmaßes: Fast 90 Prozent der heutigen Froschdiversität gehen auf drei stammesgeschichtliche Hauptlinien zurück, die nach dem Massenaussterben am Ende der Kreidezeit vor etwa 66 Millionen Jahren aufkamen. Diesen Schluss ziehen David Blackburn vom Florida Museum of Natural History und sein Team aus einer phylogenetischen Untersuchung dieser Amphibiengruppe, die sie in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlichten. In diese Studie flossen Daten von mehr als 300 Froscharten aus allen bekannten Familien ein. Den daraus abgeleiteten ungefähren zeitlichen Ablauf der Froschevolution verglichen sie dann mit tatsächlichen Fossilfunden, so dass sie sehen konnten, wann sich welche Familie von ihren Vorfahren abgespaltet hatte.

Das Ergebnis überraschte die Biologen zuerst und ließ sie anfänglich zweifeln, denn die drei heute wichtigsten Stammeslinien entstanden praktisch zeitgleich nach dem Ende der Dinosaurier. Doch auch der Einschluss oder Austausch bestimmter Parameter in der Analyse änderte das Ergebnis nicht. Damit wirft die Arbeit von Blackburn und Co frühere Erkenntnisse über den Haufen, wonach die Vorfahren der heutigen Frösche bereits 35 Millionen Jahre früher zur Blüte angesetzt hätten – und nicht erst im Tertiär. Frösche sind allerdings sehr anpassungsfähig. Durch den Chicxulub-Asteroideneinschlag starben nicht nur viele Arten aus, sondern wurden auch komplette Ökosysteme vernichtet oder auf winzige Reste zurückgedrängt. In diesen Refugien konnten die kleinen Frösche – oder auch Vögel und Säugetiere – im Gegensatz etwa zu den großen Dinosauriern überleben und sich anschließend erneut ausbreiten.

Als die Vegetation sich erholte, standen viele ökologische Nischen frei und mussten erst wieder besetzt werden. Im Verlauf dieses Prozesses passten sich die vorhandenen Arten an die veränderten Umweltbedingungen an, und es entwickelten sich daraus zahlreiche neue Spezies. Dazu beigetragen hat der Aufstieg der Blütenpflanzen – allen voran der Bäume – die sich zu der Zeit ebenfalls stark diversifizierten und zu den dominierenden Gewächsen wurden. "Frösche wurden damals zu Baumbewohnern – was gerade in Südamerika zu einer starken Aufspaltung führte", so David Wake von der University of California in Berkeley, der ebenfalls an der Studie beteiligt war. Und dass sich viele selbst entfernt verwandte Frösche heute weltweit so stark in ihrem Äußeren ähneln, habe seinen Ursprung in der damaligen Entwicklung, meint Blackburn: "Die unterschiedlichen Linien haben sich offensichtlich auf ähnliche Weise nach dem Aussterbeereignis vervielfältigt – gleich, ob ihre Nachfahren in Zentralafrika, auf den Philippinen oder in Ecuador leben."

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