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Bedrohte Arten: Chinesischer Flussdelfin verschwunden

Der im Fluss Jangtse beheimatete Chinesische Flussdelfin (Lipotes vexillifer) – auch Baiji genannt – ist offenbar bereits ausgestorben. Zu dieser Einschätzung kommt eine internationale Forschergruppe um Samuel Turvey von der Zoologischen Gesellschaft London nach einer intensiven sechswöchigen Suche auf dem Fluss, bei der kein einziges Exemplar der seit langem als stark bedroht eingestuften Art gesichtet wurde.

Von November bis Dezember 2006 waren die Zoologen zweimal mit mehreren Booten die knapp 1700 Kilometer des Jangtse zwischen dem Drei-Schluchten-Staudamm und Shanghai abgefahren und hatten neben den täglichen Beobachtungen auch ein akustisches Ortungsgerät eingesetzt – ohne jeden Erfolg. Bei der letzten vergleichbar großen Suchaktion Ende der 1990er Jahre waren noch 13 Tiere entdeckt worden. Die letzte bestätigte Sichtung im Freiland stammt aus dem Jahr 2004, während der letzte in Gefangenschaft gehaltene Baiji bereits 2002 starb.

Der Chinesische Flussdelfin wird nun offiziell als "stark gefährdet und wahrscheinlich ausgestorben" von der World Conservation Union (IUCN) geführt. Allerdings bedarf es eines Zeitraumes von fünfzig Jahren ohne Sichtung, bis eine Art endgültig für ausgestorben erklärt werden kann.

Mit dem Baiji verschwindet der letzte Vertreter der Lipotidae, einer einzigartigen aquatischen Säugerfamilie, die sich bereits vor etwa dreißig Millionen Jahren abgespalten hat. Die Forscher drängen nun darauf, Verschmutzung, Überfischung und Baumaßnahmen drastisch zu reduzieren. Andernfalls könne in naher Zukunft auch der im selben Lebensraum vorkommende Chinesische Glattschweinswal (Neophocaena phocaenoides asiaeorientalis) aussterben. (lp)

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