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Chronobiologie: Trainieren nach der inneren Uhr ist besonders gesund

Regelmäßiger Sport kann die Herz-Kreislauf-Gesundheit fördern. Passt man die Trainingszeit der inneren Uhr an, ist der Nutzen noch größer.
Eine künstlerische Darstellung einer Uhr, die den menschlichen zirkadianen Rhythmus symbolisiert. Die Uhr ist in zwei Hälften geteilt: links eine nächtliche Szene mit Mond und Sternen, rechts eine Tageszene mit Sonne und Wolken. In der Mitte steht die Silhouette eines Menschen, die als Uhrzeiger fungiert.
In unserem Organismus wirken verschiedene Rhythmen, die mit der Tageslänge übereinstimmen und zahlreiche Körperfunktionen beeinflussen. Man bezeichnet sie auch als »innere Uhr«. Gesteuert werden sie unter anderem vom Tageslicht.

Sportliches Training auf die innere biologische Uhr abzustimmen, kann das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung besonders deutlich senken. Das berichtet eine Forschungsgruppe um Arsalan Tariq von der University of Lahore in Pakistan. 

Tariq und seine Kollegen haben eine medizinische Studie in Lahore durchgeführt. Das Team ermittelte für 150 Personen, die zwischen 40 und 60 Jahre alt waren, welchem Chronotyp sie jeweils entsprachen. Zum Chronotyp »Lerche« gehören Menschen, die von Natur aus früh aufstehen und während der ersten Tageshälfte am leistungsfähigsten sind. Der Chronotyp »Eule« dagegen hat natürlicherweise einen nach hinten verschobenen Tagesablauf und erreicht seine Hochform eher abends. Mithilfe von Fragebögen und mehrtägigen Messungen der Körperkerntemperatur konnte das Team die Versuchsteilnehmer entsprechend einordnen.

Alle teilnehmenden Personen wiesen mindestens einen Risikofaktor für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung auf – beispielsweise Bluthochdruck, Übergewicht oder einen körperlich inaktiven Lebensstil. Menschen mit familiärer Vorbelastung für Herz-Kreislauf-Probleme, die also enge Verwandte mit entsprechenden Erkrankungen hatten, wurden ebenfalls einbezogen.

Die Teilnehmer absolvierten über zwölf Wochen hinweg jeweils fünfmal wöchentlich ein 40-minütiges moderates Training, etwa zügiges Gehen auf einem Laufband. Das Forschungsteam teilte sie dabei per Zufallsprinzip in mehrere Gruppen auf: Einige machten vormittags Sport, andere abends; bei einigen passte die Trainingszeit zum individuellen Chronotyp, bei anderen nicht. Vor Beginn der Trainingsphase und drei Tage danach wurde bei allen Personen der Blutdruck gemessen, ebenso der Nüchternblutzucker, der Cholesteringehalt des Bluts sowie die Herzfrequenzvariabilität, die maximale Sauerstoffaufnahme unter Belastung und die Schlafqualität.

Die zwölfwöchige Trainingsphase senkte bei allen Personen die Risikofaktoren für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung und verbesserte durchweg die aerobe Fitness und den Schlaf. War die sportliche Betätigung jedoch auf die innere Uhr abgestimmt, profitierten die Teilnehmer besonders stark, vor allem bei der Schlafqualität und beim Blutdruck. Der systolische Blutdruck beispielsweise sank im Schnitt um 10,8 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg), wenn die Trainingszeit der Hochform des Chronotypen entsprach – und nur um 5,5 mmHg, wenn das nicht der Fall war. Bei »Lerchen« war der gesundheitliche Nutzen eines individuell angepassten Trainings noch größer als bei »Eulen«.

Die Fachleute empfehlen, dass Menschen mit erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die aus medizinischen Gründen Sport treiben, die Trainingszeit auf die innere Uhr abstimmen sollten. Dies könne den gesundheitlichen Effekt des Trainings deutlich verbessern.

  • Quellen
Tariq, A. et al., Open Heart 10.1136/openhrt-2025–003573, 2026

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