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Skandinavien

Clevere Bärenmütter nutzen Menschen als Schutzschild

Der Feind meines Feindes ist mein Freund: Schwedische Bärenmütter bauen auf die Hilfe des Menschen, wenn es um den Schutz des Nachwuchses geht.
Braunbär brüllt

Um ihrem Nachwuchs die bestmöglichen Überlebenschancen zu verschaffen, zieht es skandinavische Braunbärenmütter offenbar ausgerechnet in die Nähe des Menschen. Das beobachteten nun Wissenschaftler um Sam Steyaert vom University College of Southeast Norway. Wenn weibliche Braunbären (Ursus arctos) Jungen zur Welt bringen, müssen sie sich vor allem vor den männlichen Vertretern ihrer Spezies in Acht nehmen: Bärenmännchen attackieren während der Paarungszeit aggressiv die Jungtiere fremder Weibchen, um mit diesen anschließend selbst schneller wieder Nachwuchs zeugen zu können. Zumindest in Skandinavien scheint es daher für schlaue Bärenmütter das kleinere Übel zu sein, sich mit ihrem anderen Todfeind zu verbünden, wie die aktuelle Untersuchung der Wissenschaftler zeigt.

Das Team um Steyaert überwachte zwischen 2005 und 2012 26 Braunbärenmütter in Schweden mit Hilfe von GPS-Halsbändern. Jene Weibchen, deren Jungtiere das Jugendalter überlebten, hielten sich überwiegend nahe menschlichen Siedlungen auf, im Schnitt nur 783 Meter vom Menschen entfernt. Hier hausten die Bären vor allem umringt von dichter Vegetation – vermutlich, um den Kontakt zwischen beiden Spezies möglichst gering zu halten, glauben die Forscher. Dieses Verhalten zeigte sich besonders ausgeprägt während der Paarungszeit. Danach zogen sich die Tiere mit ihren Jungen wieder tiefer in den Wald zurück. Da das Nahrungsangebot in Siedlungsnähe nicht besser, sondern eher schlechter für die Tiere ist, sind Steyaert und Kollegen überzeugt: Die erfolgreichen Bärenmütter nutzen den Menschen vor allem als eine Art Schutzschild gegen die aggressiven Männchen. Auf diese wird in der Gegend regelmäßig Jagd gemacht, die Mütter und ihr Nachwuchs werden dagegen meist verschont.

Welche Konsequenzen das Zusammenrücken von Mensch und Braunbär auf lange Sicht hat, ist noch unklar, erklärt Merav Ben-David von der University of Wyoming in Laramie gegenüber "Science": So könnte es etwa sein, dass die jungen Braunbären sich stärker an den Menschen gewöhnen und es später zu mehr Konflikten kommt.

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