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Patientenrechte: Computer als Vormund für entscheidungsunfähige Patienten?

Das National Institute of Health hat ein Computerprogramm entwickelt, mit dem der vermutliche Wille von Patienten ermittelt werden soll, die sich bezüglich ihrer medizinischen Behandlung nicht mehr äußern können.

Das Computerprogramm wertet hierzu Daten verschiedener Studien aus, in denen Menschen danach gefragt wurden, wie sie in bestimmen medizinischen Szenarien entscheiden würden. Durch einen Abgleich von Gemeinsamkeiten zwischen dem akut Erkrankten und den Studienteilnehmern soll dann ein möglichst genaues Bild des wahrscheinlichen Willen des Patienten ermittelt werden.

Wenn sich Patienten auf Grund eines schweren Unfalls oder etwa eines Schlaganfalles nicht mehr dazu äußern können, welche Behandlungen sie für sich wünschen und sie auch keine aussagekräftige Patientenverfügung hinterlassen haben, entscheiden bislang meist ihre Angehörigen, wie es weitergehen soll. Insbesondere die Frage, ob lebenserhaltende Maßnahmen abgestellt werden sollten, stellt hierbei eine hohe Belastung für Familienmitglieder und Ärzte dar.

Obwohl die Angehörigen den Patienten zumeist gut kennen, sind sie ebenso wie die Ärzte nur bedingt in der Lage, dessen wahrscheinliche Wünsche zu erahnen. Dies ergaben aktuelle Studien, bei denen Angehörige und Patienten zu fiktiven medizinischen Szenarien befragt wurden. Die Verwandten trafen hierbei nur zu 68 Prozent die Entscheidung, für die sich der Kranke selbst in einer entsprechenden Situation ausgesprochen hätte. Ärzte hatten noch geringere Trefferquoten.

David Wendler und seinem Team zufolge erzielt ihr Computerprogramm ähnliche hohe Trefferquoten, wenn es den vermutlichen Willen von Patienten berechnet. Da bislang nur wenige Studienergebnisse eingespeist worden seien, ließe sich die Genauigkeit aber sehr wahrscheinlich noch steigern, so die Forscher. Wenn das Programm einen größeren Datensatz hätte, wären die Voraussagen daher vermutlich präziser als die von Menschen getroffenen Entscheidungen.

Die Forscher schlagen vor, das Programm namens "Bevölkerungsbasierter Behandlungs-Indikator" zusätzlich zur Befragung der Angehörigen als Entscheidungshilfe heranzuziehen. Auch eine alleinige Nutzung des Computerprogramms halten sie jedoch für möglich (tak).
14.03.2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 14.03.2007

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