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Covid-19: Corona-Fehlinformationen durch Promis können gefährlich sein

Weil Prominente wie Donald Trump sie als Mittel gegen das Coronavirus anpriesen, steigt im Internet die Nachfrage nach zwei Malariamedikamenten. Dabei ist ihre Wirkung noch unklar.
Trump-Flagge

In der Corona-Krise steigt die Nachfrage nach unerprobten und möglicherweise sogar gefährlichen Medikamenten, sobald diese von prominenten Menschen empfohlen werden. Darauf deutet eine Studie hin, die Wissenschaftler um Michael Liu von der University of Oxford im Fachmagazin »JAMA Internal Medicine« veröffentlich haben. In den USA nahm demnach die Zahl der Google-Suchanfragen nach zwei Malariamedikamenten im März immens zu, nachdem erst Tesla-Chef Elon Musk und dann US-Präsident Donald Trump sie als möglicherweise wirksame Mittel gegen das Coronavirus beworben hatten.

Für ihre Studie werteten die Forscher alle Suchanfragen aus, die zwischen dem 1. Februar und dem 29. März 2020 in den USA per Google gestellt worden waren und die die Begriffe »Chloroquin« oder »Hydroxychloroquin« in Kombination mit Wörtern wie »kaufen«, »Walmart«, »eBay« oder »Amazon« enthielten. Suchanfragen nach Kaufmöglichkeiten des Wirkstoffs Chloroquin schnellten um 442 Prozent in die Höhe, Anfragen nach Hydroxychloroquin sogar um 1389 Prozent, schreibt das Team. Das Interesse der Google-Nutzer an den beiden Mitteln war auch dann noch überdurchschnittlich hoch, nachdem Ende März ein erster Chloroquin-Vergiftungsfall bekannt geworden war.

Wie entwickelt sich die Pandemie? Welche Varianten sind warum besorgniserregend? Und wie wirksam sind die verfügbaren Impfstoffe? Mehr zum Thema »Wie das Coronavirus die Welt verändert« finden Sie auf unserer Schwerpunktseite. Die weltweite Berichterstattung von »Scientific American«, »Spektrum der Wissenschaft« und anderen internationalen Ausgaben haben wir zudem auf einer Seite zusammengefasst.

»Die vorliegende Analyse legt nahe, dass die Nachfrage nach ungeprüften und womöglich riskanten Covid-19-Behandlungen in Zeiten von Krisen des Gesundheitswesens durch Werbung massiv ansteigt«, schreibt das Team, bei dem auch viele US-Forscher beteiligt waren, in der Studie. »Therapien, die nicht durch ausreichende Nachweise gestützt werden (…), sollten nicht von Personen des öffentlichen Lebens angepriesen werden.« Das Bewerben solcher Medikamente könne »zur unbeaufsichtigten Anwendung mit gefährlichen Konsequenzen für die Menschen, die sie einnehmen, führen«. Zudem könne es passieren, dass die Mittel gehamstert würden – und dann denen fehlten, die sie wirklich brauchten.

Die Weltgesundheitsorganisation hat schon Ende März davor gewarnt, Medikamente gegen das Coronavirus einzusetzen, deren Wirksamkeit nicht nachgewiesen ist. In einer vor einigen Tagen präsentierten US-Studie hatten Covid-19-Patienten, die Hydroxychloroquin bekamen, sogar eine höhere Sterblichkeitsrate als die der Vergleichsgruppe. (dpa/daz)

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