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Covid-19: Drittimpfung ist meistens nicht sinnvoll

Gesunden den Booster zu geben, sei derzeit nicht angemessen, schreiben Fachleute. Der Grund: Schon zwei Impfungen schützen gut – und es gibt Milliarden komplett ungeimpfte Menschen.
Älterer Herr mit Vollbart bekommt eine Injektion in den Arm. Das Foto ist vermutlich auch nicht echt, aber hier ist immerhin Flüssigkeit in der Spritze. Das ist nicht bei allen Impfbildern so.

Die Impfungen gegen Covid-19 verhindern auch bei der Delta-Variante schwere Verläufe so effektiv, dass für die meisten Menschen eine Auffrischung zum jetzigen Zeitpunkt der Pandemie nicht angemessen ist. Diese Ansicht vertritt eine Arbeitsgruppe internationaler Fachleute um Ana-Maria Henao-Restrepo, Impfexpertin bei der Weltgesundheitsorganisation WHO, in einem Beitrag für die Fachzeitschrift »The Lancet«. Demnach sei einerseits der Nutzen der dritten Impfdosis für gesunde Menschen mutmaßlich kaum höher als das Risiko unerwünschter Nebeneffekte, und andererseits könne man viel mehr Menschen schützen, indem man den Impfstoff stattdessen für bislang Ungeimpfte nutzt.

Die Arbeitsgruppe weist allerdings ausdrücklich darauf hin, dass bei einigen Personengruppen, zum Beispiel Menschen mit Immunschwäche, eine dritte Impfdosis dennoch sinnvoll sein kann. Erste Erfahrungen mit der Drittimpfung bei Organtransplantierten mit künstlich unterdrücktem Immunsystem deuten darauf hin, dass der Booster die Immunreaktion bei diesem Personenkreis deutlich verbessert. Bei Menschen mit gesundem Immunsystem, die auf die ersten beiden Dosen ausreichend reagieren, sieht die Gruppe um Krause keine Argumente für eine zusätzliche Impfdosis. Zwar lasse der Schutz vor symptomatischen Infektion wohl im Lauf der Zeit nach, der Schutz vor schweren Verläufen laut aktuellen Beobachtungsstudien dagegen so gut wie gar nicht. Das gelte auch für die deutlich ansteckendere Delta-Variante. Unklar ist dagegen bisher, ob die Impfungen vor den Langzeitfolgen der Infektion schützen – das gilt für die ersten beiden Dosen ebenso wie für einen potenziellen Booster.

Es sei aber durchaus denkbar, dass in Zukunft eine dritte Impfdosis für die Allgemeinbevölkerung sinnvoll werden könnte, heißt es in der Veröffentlichung. Das könne zum einen der Fall sein, wenn der Immunschutz mit der Zeit weiter nachlässt, und zum anderen, falls eine Variante evolviert, gegen die die Impfung deutlich weniger schützt. In dem Fall sei es allerdings zweckmäßiger, die Drittimpfung mit einem für solche Varianten maßgeschneiderten Impfstoff durchzuführen, ähnlich wie das jedes Jahr bei der Grippe der Fall ist. Tatsächlich sei jetzt die Gelegenheit, solche modifizierten Booster mit Varianten-Antigen zu testen, bevor man sie wirklich braucht, heißt es weiter. Währenddessen sollte man die vorhandenen Impfstoffe dort einsetzen, wo sie am dringendsten gebraucht werden.

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