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Covid-19: So könnte Corona das Herz schädigen

Grippe und Covid-19 können das Herz schädigen, doch bei Corona kommt dies häufiger und stärker vor. Australische Mediziner haben nun eine wahrscheinliche Ursache entdeckt.
Unser Herz

Nach einer Erkrankung mit Covid-19 steigt das Risiko für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Das zeigte unter anderem eine Studie in »Nature Medicine«. Eine Arbeitsgruppe um Arutha Kulasinghe von der University of Queensland legt nun in »Immunology« eine Analyse vor, die den Mechanismus dahinter erklärt – zumindest für einen Teil der beobachteten Herzschäden.

Das Team untersuchte dazu das Herzgewebe von sieben Covid-Patienten aus Brasilien und verglich dies mit Material von zwei an Grippe Verstorbenen sowie sechs Personen, die keine der beiden Krankheiten durchgemacht hatten. Dabei stellten sie deutliche Unterschiede zwischen den an Corona und den an Grippe erkrankten Menschen fest. »Als wir die Herzgewebeproben der Influenza-Patienten untersuchten, sahen wir, dass sie die Viren eine übermäßige Entzündung verursacht hatten«, sagt der an der Studie beteiligte Mediziner John Fraser: »Dagegen zeigte sich, dass Covid-19 die DNA des Herzens angreift, und das wahrscheinlich direkt und nicht nur als Folge der Entzündung.«

Demnach fanden Kulasinghe und Co keine Virenpartikel im Herzgewebe, dafür jedoch verändertes Zellgewebe, das auf DNA-Schäden und entsprechende Reparaturversuche der Zelle zurückzuführen ist. »DNA-Schäden und -Reparaturmechanismen fördern die genetische Instabilität und stehen im Zusammenhang mit chronischen Krankheiten wie Diabetes, Krebs, Artherosklerose und neurodegenerativen Störungen«, sagt Kulasinghe.

Bisherige Daten zum Einfluss von Covid-19 auf das Herz beruhten vor allem auf Biomarkern im Blut von Patienten und physiologischen Messungen, da die Gewinnung von Herzgewebe bei lebenden Menschen risikobehaftet ist. Die Studie beruht allerdings noch auf einem sehr kleinen Datensatz, weshalb die Arbeitsgruppe eine größere Kohortenuntersuchung vornehmen will. Am Ende könnten sich daraus vielleicht erste Therapieansätze entwickeln lassen, hoffen die Beteiligten. Sicher erscheint für sie aber jetzt schon eines, so Fraser: »Wir haben eindeutig bewiesen, dass Covid nicht ›wie eine Grippe‹ ist.«

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