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Covid-19: Was über »Long Covid« bekannt ist

»Long Covid« ist eine Belastung. Doch wer wird noch Monate nach einer Infektion mit Sars-CoV-2 Husten, Kurzatmigkeit oder Kopfschmerzen haben? Woran liegt das? Und wie lassen sich die Folgen von Covid-19 behandeln? Antworten auf fünf drängende Fragen.
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Als Claire Hastie im März 2020 erkrankte, reagierte sie so, wie sie normalerweise auf eine leichte Erkrankung reagieren würde: Sie versuchte, sie zu ignorieren. »Es fing unglaublich mild an«, sagt sie. »Normalerweise hätte ich dem überhaupt keine Beachtung geschenkt.«

Doch innerhalb einer Woche war sie geplättet. »Ich hatte mich noch nie so krank gefühlt. Ich fühlte mich, als ob ein Elefant auf meiner Brust sitzen würde.« Zeitweise war sie überzeugt, dass sie sterben würde. Obwohl ihr Zustand ein Jahr später besser ist, sagt sie: »Ich hatte seitdem keinen einzigen symptomfreien Tag mehr.«

Hastie hat, was man als »Long Covid« bezeichnet: eine lang anhaltende Erkrankung, die nach einer Infektion mit Sars-CoV-2 auftritt, dem Virus, das Covid-19 verursacht.

In den ersten Monaten der Pandemie wurde dem Gedanken kaum Beachtung geschenkt, dass das Virus einen chronischen Zustand verursachen könnte. Zu verzweifelt war der Kampf mit den akuten Fällen. Doch inzwischen ist »Long Covid« von einer Kuriosität zu einem anerkannten Problem der öffentlichen Gesundheit geworden. Im Januar überarbeitete die Weltgesundheitsorganisation ihre Richtlinien für die Behandlung von Covid-19 und empfahl, dass alle Patientinnen und Patienten Zugang zu einer Nachsorge haben sollten.

Weltweit gibt es bislang mehr als 175 Millionen bestätigte Covid-Fälle. Dementsprechend könnten Millionen von Menschen langfristig Beschwerden haben. Wir schauen auf fünf der größten Fragen, die Wissenschaftler über die mysteriöse Bedingung untersuchen.

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Welche »Long Covid«-Symptome gibt es?

Befragungen von Tausenden von Menschen haben eine umfangreiche Liste von Symptomen ergeben, wie Müdigkeit, trockener Husten, Kurzatmigkeit, Kopfschmerzen und Muskelschmerzen. Ein Team unter der Leitung von Athena Akrami, einer Neurowissenschaftlerin am University College London, die schon lange an Covid erkrankt ist, fand in einer Studie mit mehr als 3500 Menschen 205 Symptome.

Bis zum sechsten Monat waren die häufigsten »Müdigkeit, Unwohlsein nach der Anstrengung und kognitive Dysfunktion«. Diese Symptome sind mal schwächer, mal stärker ausgeprägt, und die betroffenen Personen durchlaufen oft Phasen, in denen sie sich besser fühlen, bevor sie einen Rückfall erleiden.

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Wie viele Menschen bekommen »Long Covid«, und wer ist am meisten gefährdet?

Dank einer Reihe von Studien gibt es immer mehr Klarheit über die allgemeine Prävalenz von »Long Covid«, aber es ist weniger sicher, wer am meisten gefährdet ist und warum es nur einige betrifft. Die meisten der frühen Prävalenzstudien untersuchten nur Personen, die mit akuter Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert worden waren. Ani Nalbandian, Kardiologin am Columbia University Irving Medical Center in New York, und ihre Kollegen haben neun solcher Studien für eine am 22. März 2021 veröffentlichte Übersichtsarbeit zusammengestellt. Sie fanden heraus, dass zwischen 32,6 Prozent und 87,4 Prozent der Patienten über mindestens ein Symptom berichteten, das auch nach mehreren Monaten noch bestand.

Aber die meisten Menschen mit Covid-19 sind nie krank genug, um ins Krankenhaus eingeliefert zu werden. Der beste Weg, um die Prävalenz der »Long Covid« zu beurteilen, ist die Beobachtung einer repräsentativen Gruppe von Personen, die positiv auf das Virus getestet wurden. Das britische Office of National Statistics (ONS) hat genau das getan, indem es mehr als 20 000 Personen verfolgt hat, die seit April 2020 positiv getestet wurden. In seinen jüngsten Analysen, die am 1. April 2021 veröffentlicht wurden, stellte das ONS fest, dass 13,7 Prozent nach mindestens zwölf Wochen immer noch Symptome berichteten. Es gibt keine allgemein anerkannte Definition von »Long Covid«, aber für das ONS zählen alle Menschen als Fall, die länger als vier Wochen Covid-Symptome haben.

»Wenn man männlich ist und Covid bekommt, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass man ins Krankenhaus kommt und stirbt«
(Rachael Evans, klinische Wissenschaftlerin)

»Ich denke, das ist die beste Schätzung bisher«, sagt Akrami. Mit anderen Worten: Mehr als einer von zehn Menschen, die sich mit Sars-CoV-2 infiziert haben, erkrankt später an »Long Covid«. Wenn die Prävalenz in Großbritannien auf andere Länder übertragbar ist, sind das weltweit mehr als 16 Millionen Menschen.

Die Krankheit scheint bei Frauen häufiger zu sein als bei Männern. In einer anderen ONS-Analyse hatten 23 Prozent der Frauen und 19 Prozent der Männer fünf Wochen nach der Infektion noch Symptome. Das ist »auffällig«, sagt Rachael Evans, klinische Wissenschaftlerin an der Universität von Leicester, Großbritannien, und Mitglied der Post-Hospitalisation Covid-19-Studie (PHOSP-Covid). »Wenn man männlich ist und Covid bekommt, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass man ins Krankenhaus kommt und stirbt. Doch wenn Menschen überleben, sind es mit höherer Wahrscheinlichkeit Frauen, die anhaltende Symptome bekommen.«

Es gibt auch eine ausgeprägte Altersverteilung. Nach Angaben des ONS ist »Long Covid« am häufigsten bei Menschen mittleren Alters: Die Prävalenz lag nach fünf Wochen zu 25,6 Prozent bei Personen zwischen 35 und 49 Jahren. Bei Jüngeren und Älteren ist sie weniger häufig – obwohl Evans sagt, dass letzteres Ergebnis wahrscheinlich auf einen »Survivor Bias« zurückzuführen ist, weil so viele alte Menschen, die Covid-19 hatten, gestorben sind.

Wie tödlich ist das Coronavirus? Was ist über die Fälle in Deutschland bekannt? Wie kann ich mich vor Sars-CoV-2 schützen? Diese Fragen und mehr beantworten wir in unseren FAQ. Ausführliche Antworten zur Delta-Variante lesen Sie hier. Mehr zum Thema lesen Sie auf unserer Schwerpunktseite »Wie das Coronavirus die Welt verändert«. Die weltweite Berichterstattung von »Scientific American«, »Spektrum der Wissenschaft« und anderen internationalen Ausgaben haben wir zudem auf einer Seite zusammengefasst.

Und obwohl »Long Covid« bei jüngeren Menschen seltener ist, heißt das nicht, dass sie nicht betroffen sind. Sogar für Kinder im Alter von zwei bis elf Jahren schätzt das ONS, dass 9,8 Prozent derjenigen, die positiv auf das Virus getestet wurden, nach mindestens fünf Wochen immer noch Symptome haben. Das stützt die Vermutung aus anderen Studien, laut denen Kinder »Long Covid« haben können.

Alter und Geschlecht sind trotzdem erstaunlich aussagekräftig, um Risikopersonen zu identifizieren. Im März 2021 hat ein Team ein Modell vorgestellt, das anhand von Alter, Geschlecht und der Anzahl der in der ersten Woche berichteten Symptome erfolgreich vorhersagte, ob eine Person »Long Covid« bekommen würde.

Dennoch bleiben viele Ungewissheiten bestehen. Etwa: Wenn zirka zehn Prozent der mit Sars-CoV-2 infizierten Personen »Long Covid« bekommen – wie die ONS-Daten nahelegen – warum diese zehn Prozent?

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Was genau passiert im Körper?

Obwohl Forscher die verschiedenen Symptome von »Long Covid« ausführlich untersucht haben, gibt es keine klare Erklärung für die Prozesse im Körper. »Wir müssen uns mit den Mechanismen beschäftigen«, sagt Hastie. Das wird nicht einfach sein: Viele Menschen mit »Long Covid« haben Probleme mit mehreren Organen. Das deutet auf eine Multisystemstörung hin. Dabei scheint es unwahrscheinlich, dass das Virus selbst noch am Werk ist, sagt Evans. »Die Krankheit ist nach ein paar Wochen so gut wie abgeklungen, also bezweifle ich sehr, dass es eine infektiöse Folge ist.«

»Sars-CoV-2 ist für das Immunsystem wie eine Atombombe«
(Steven Deeks, Arzt)

Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass Fragmente des Virus, wie Eiweißmoleküle, monatelang bestehen bleiben können. In diesem Fall könnten sie den Körper in irgendeiner Weise stören, auch wenn sie keine Zellen infizieren.

Eine weitere Möglichkeit ist, dass »Long Covid« durch ein fehlgeleitetes Immunsystem ausgelöst wird, das den Rest des Körpers angreift. Mit anderen Worten: »Long Covid« könnte eine Autoimmunerkrankung sein. »Sars-CoV-2 ist für das Immunsystem wie eine Atombombe«, sagt Steven Deeks, Arzt und Infektionsforscher an der University of California, San Francisco. »Es sprengt einfach alles in die Luft.« Einige dieser Veränderungen könnten anhalten – so wie es bei den Nachwirkungen anderer Virusinfektionen gesehen wurde.

Noch ist es zu früh, um zu sagen, welche Hypothese richtig ist, und es könnte sein, dass jede bei verschiedenen Menschen zutrifft: Vorläufige Daten deuten darauf hin, dass es sich bei »Long Covid« um mehrere Erkrankungen handeln könnte, die jedoch als eine wahrgenommen werden.

Einige Forscher arbeiten bereits daran, die Biologie zu entschlüsseln. Das Team von PHOSP-Covid hat mehr als 1000 britische Patienten rekrutiert und Blutproben genommen, um nach Anzeichen für Entzündungen, Herz-Kreislauf-Probleme und anderen Veränderungen zu suchen. In ähnlicher Weise hat Deeks dazu beigetragen, fast 300 Covid-19-Patienten zu rekrutieren, die seither alle vier Monate nachuntersucht wurden und Blut- und Speichelproben abgegeben haben. »Wir haben eine riesige Probenbank«, sagt Deeks.

»Wir untersuchen Entzündungsergebnisse, Veränderungen im Gerinnungssystem und Hinweise darauf, dass das Virus persistiert.« Das Team hat im Blut von Menschen, die an Covid-19 erkrankt waren, veränderte Werte von Zytokinen – Molekülen, die bei der Regulierung von Immunreaktionen helfen – gefunden, was darauf hindeutet, dass das Immunsystem tatsächlich aus dem Gleichgewicht geraten ist, sowie Proteinmarker, die auf eine neuronale Dysfunktion hinweisen.

Ein besseres Verständnis der zu Grunde liegenden Biologie wird den Weg zu Behandlungen und Medikamenten weisen, sagt Evans. Aber es scheint unwahrscheinlich, dass es eine einzige, saubere Erklärung für »Long Covid« gibt. »Es zeichnet sich eine Geschichte ab«, sagt Deeks. »Es gibt nicht den einen klinischen Phänotyp. Es gibt verschiedene Geschmacksrichtungen, verschiedene Cluster. Sie alle können unterschiedliche Mechanismen haben.« Seine Gruppe plant, maschinelles Lernen einzusetzen, um herauszufinden, wie viele Typen es gibt und wie sie sich unterscheiden.

Mäßige physische Beeinträchtigungen, dafür ausgeprägte kognitive Probleme. »Das hatten wir nicht erwartet«
(Rachael Evans, klinische Wissenschaftlerin)

Evans und ihre PHOSP-Covid-Kollegen haben in einem Preprint, der am 25. März 2021 veröffentlicht wurde, einen Versuch unternommen. Sie untersuchten 1077 Covid-19-Patienten und erfassten Symptome wie körperliche Beeinträchtigungen, psychische Probleme wie Angstzustände und kognitive Beeinträchtigungen in Bereichen wie Gedächtnis und Sprache. Die Forscher erfassten auch grundlegende Informationen wie Alter und Geschlecht sowie biochemische Daten wie die Werte des C-reaktiven Proteins – ein Maß für Entzündungen. Das Team verwendete dann ein mathematisches Werkzeug namens Clusteranalyse, um zu sehen, ob es identifizierbare Gruppen von Patienten mit ähnlichen Profilen gab.

Man könnte annehmen, wer eine akute Lungenverletzung und ein Multiorganversagen hatte, hätte auch später langanhaltend Probleme, sagt Evans. Aber in ihren Untersuchungen fand die Gruppe um sie keinen auffälligen Zusammenhang zwischen der Schwere der akuten Phase oder dem Grad der Organschädigung und dem Schweregrad von »Long Covid«.

Die Realität war komplizierter. Die Analyse identifizierte vier Gruppen von Patienten mit »Long Covid«, deren Symptome unterschiedlich waren. Drei der Gruppen hatten psychische und physische Beeinträchtigungen in unterschiedlichem Ausmaß, aber wenige oder keine kognitiven Schwierigkeiten. Das vierte Cluster zeigte nur mäßige psychische und physische Beeinträchtigungen, hatte aber ausgeprägte kognitive Probleme.

»Das hatten wir nicht erwartet«, sagt Evans. Sie betont, dass die Forscherinnen und Forscher in der Studie die zu Grunde liegenden Mechanismen nicht entschlüsselt konnten. »Aber es ist definitiv ein erster Schritt.«

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Welcher Zusammenhang besteht zwischen »Long Covid« und anderen Post-Infektionssyndromen?

Einige Wissenschaftler waren von »Long Covid« nicht überrascht. Krankheiten, die nach einer Infektion anhalten, werden in der wissenschaftlichen Literatur seit 100 Jahren beschrieben, sagt Anthony Komaroff, ein Arzt für innere Medizin an der Harvard Medical School in Boston, Massachusetts.

Er wies auf diese Tatsache im März während eines Webinars hin, das von MEAction organisiert wurde, einer Organisation mit Sitz in Santa Monica, Kalifornien, die sich dafür einsetzt, das Bewusstsein für Myalgische Enzephalomyelitis zu schärfen, auch bekannt als Chronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS).* Menschen mit dieser das Leben durchaus stark einschränkenden Krankheit sind schon nach leichten Aktivitäten extrem erschöpft, manche haben zusätzlich Kopfschmerzen oder weitere Symptome. ME/CFS wurde lange Zeit von einigen Medizinern abgetan, weil es keine eindeutige biologische Grundlage hatte, aber ME/CFS ist oft postviral.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass eine Infektion lang anhaltende Symptome auslöst. Eine Studie mit 253 Personen, bei denen bestimmte virale oder bakterielle Infektionen diagnostiziert wurden, ergab, dass nach sechs Monaten zwölf Prozent über anhaltende Symptome berichteten, darunter »einschränkende Müdigkeit, muskuloskelettale Schmerzen, neurokognitive Schwierigkeiten und Stimmungsschwankungen«. Dieser Prozentsatz ist auffallend ähnlich wie die »Long Covid«-Prävalenz, die das ONS in Großbritannien beobachtet.

»Wir sollten eine gute Krise nicht verschwenden«
(Claire Hastie, »Long Covid«-Betroffene)

Einige Menschen mit »Long Covid« werden wahrscheinlich die diagnostischen Kriterien für ME/CFS erfüllen, sagen Komaroff und seine Kollegin Lucinda Bateman, Gründerin des Bateman Horne Centers in Salt Lake City, Utah, das sich auf die Behandlung von ME/CFS spezialisiert hat. Aber es scheint Unterschiede zu geben: Zum Beispiel berichten Menschen mit »Long Covid« eher über Kurzatmigkeit als solche mit ME/CFS, sagt Komaroff. Sollte man »Long Covid« am Ende in mehrere Syndrome unterteilen, wird das den Vergleich mit ME/CFS zudem weiter erschweren.

»Ich habe mich bisher dagegen gesträubt zu sagen, dass »Long Covid« ME/CFS ist, weil es ein Überbegriff ist«, sagt Nisreen Alwan, eine Gesundheitsforscherin an der Universität von Southampton, Großbritannien. Beides ließe sich jedoch im Tandem untersuchen. »Es sollte eine Koalition geben«, sagt Alwan.

Einige Forscherinnen und Forscher planen bereits zusammenzuarbeiten. Zum Beispiel will eine Gruppe für eine große Studie namens DecodeME 20 000 Menschen rekrutieren, um genetische Faktoren zu finden, die zu ME/CFS beitragen, und Evans sagt, dass PHOSP-Covid Daten mit ihr teilen wird. »Ich bin sehr zuversichtlich, dass der Silberstreif am Ende des Tages darin besteht, dass wir einen besseren Einblick in andere postvirale Probleme bekommen«, sagt Akrami. Hastie drückt es noch unverblümter aus: »Wir sollten eine gute Krise nicht verschwenden.«

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Wie lässt sich die Krankheit behandeln?

Im Moment sind die Möglichkeiten ziemlich begrenzt, weil die Krankheit so wenig bekannt ist. In einigen Ländern gibt es Kliniken für Menschen mit »Long Covid«. In Deutschland hat ein Unternehmen namens MEDIAN damit begonnen, Betroffene in einigen seiner privaten Rehabilitationskliniken aufzunehmen. In England hat der Nationale Gesundheitsdienst zehn Millionen Pfund für ein Netzwerk von 69 Kliniken zur Verfügung gestellt. Erste Hilfe hat begonnen.

Das ist ein willkommener erster Schritt, sagt Hastie, aber es gibt nur wenige evidenzbasierte Behandlungen. Was die Medikamente betrifft, so werden gerade eine Hand voll getestet. Das Biotechnologie-Unternehmen PureTech Health in Boston, Massachusetts, gab im Dezember 2020 bekannt, dass es eine klinische Studie mit Deupirfenidon, einem von ihm entwickelten antifibrotischen und entzündungshemmenden Wirkstoff, begonnen hat. Ergebnisse werden in der zweiten Hälfte des Jahres 2021 erwartet. In Großbritannien haben die Intensivmedizinerin Charlotte Summers von der Universität Cambridge und ihre Kollegen eine Studie mit dem Namen HEAL-Covid gestartet, die verhindern soll, dass es zu einer »Long Covid« kommt.

Teilnehmer, die mit Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert wurden, erhalten nach ihrer Entlassung eines von zwei Medikamenten: Apixaban, ein Gerinnungshemmer, der das Risiko gefährlicher Blutgerinnsel verringern könnte, und Atorvastatin, ein Entzündungshemmer. In den Vereinigten Staaten finanziert das NIH eine Studie mit bereits vorhandenen Medikamenten, die Menschen mit leichter Covid-19 zu Hause verabreicht werden können. Das verantwortliche Team beobachtet die Teilnehmer 90 Tage lang, um die Auswirkungen der Medikamente auf längerfristige Symptome zu testen.

Schließlich stellt sich die Frage, welche Rolle Covid-19-Impfstoffe spielen könnten. Obwohl viele von ihnen den Tod und schwere Erkrankungen verhindern, wissen die Wissenschaftler noch nicht, ob sie Menschen auch vor »Long Covid« schützen.

Inwiefern sich Impfungen bei Menschen auswirken, die bereits an »Long Covid« erkrankt sind? Laut einer britischen Umfrage im Mai 2021 unter mehr als 800 Betroffenen spürten 57 Prozent nach der ersten Impfstoffdosis eine Verbesserung ihrer Symptome, 24 Prozent keine Veränderung und 19 Prozent eine Verschlechterung. Die Daten sind nicht von Fachleuten überprüft.

Im April startete Akramis Team eine systematische Untersuchung, um mehr zu erfahren. »Die Menschen müssen sich impfen lassen, um aus der Pandemie herauszukommen, aber wir müssen uns zuerst mit ihren Bedenken auseinandersetzen, ob der Impfstoff helfen wird, oder nicht, oder ob er schädlich ist.«

In ähnlicher Weise rekrutiert Akiko Iwasaki, eine Immunbiologin an der Yale University in New Haven, Connecticut, Menschen mit »Long Covid«, die nicht geimpft wurden, damit sie und ihre Kollegen verfolgen können, wie die Probanden auf den Impfstoff reagieren. Sie stellt die Hypothese auf, dass der Impfstoff die Symptome verbessern könnte, indem er alle im Körper verbliebenen Viren oder Virusreste eliminiert oder das Immunsystem wieder ins Gleichgewicht bringt.

Menschen mit »Long Covid« wollen einfach etwas, das funktioniert. »Wie kann es uns wieder besser gehen?«, fragt Hastie. »Das ist es, was wir wissen wollen.«

*Anm. d. Red.: In einer früheren Version stand, ME/CFS stehe für »Chronisches Müdigkeitssyndrom«. Wir haben dies korrigiert.

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