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SpaceX: »Crew Dragon« mit vier Astronauten auf dem Weg zur ISS

Wieder ist ein »Crew Dragon«-Raumschiff auf dem Weg zur Internationalen Raumstation. Wieder sind Menschen an Bord. Neu: »Crew-1« ist die erste reguläre ISS-Mission von SpaceX.
Nasa-Astronaut Mike Hopkins während einer Generalprobe vor dem Start der Crew-1-Mission am 12. November.Laden...

Update, 17. November 2020: Die vier Astronauten sind mit SpaceX' Raumtransporter »Crew Dragon« an der Internationalen Raumstation angekommen.

Das Raumschiff »Crew Dragon« ist unterwegs. In der Nacht zu Montag, um 1.27 Uhr deutscher Zeit, war die Kapsel mit vier Astronauten an Bord in Cape Canaveral zu ihrer ersten regulären, bemannten Mission ins Weltall gestartet. Gut einen Tag später soll sie an die Internationale Raumstation (ISS) andocken. Zwischenzeitlich gab es ein Problem mit den Treibstoffheizungen. Dem Team sei es jedoch gelungen, sie zu reparieren, die Temperaturen blieben nun stabil, die Besatzung sei sicher, wie die amerikanische Weltraumbehörde NASA Montag früh deutscher Zeit twitterte.

Ursprünglich war der Start in der Nacht zu Sonntag geplant gewesen. Doch wegen zu starker Winde beschloss die NASA, ihn zu verschieben.

Im zweiten Anlauf also hob die Kapsel ab. Unmittelbar danach gratulierte der neu gewählte US-Präsident Joe Biden auf Twitter. Der Start sei ein Beweis für die Kraft der Wissenschaft »und für das, was wir durch unsere Innovation, unseren Einfallsreichtum und unsere Entschlossenheit erreichen können«. Er wünsche den Astronauten viel Glück für die Reise.

Auch der noch amtierende US-Präsident Donald Trump feierte den Start. Dieser sei »großartig« gewesen, twitterte er. Und setzte nach: »Die NASA war eine Katastrophe, als wir die Macht übernahmen. Jetzt ist es wieder das ›heißeste‹, fortschrittlichste Raumfahrtzentrum der Welt, bei Weitem!

Menschen als kostbare Fracht

Die Crew-1-Mission ist das Ergebnis des Commercial Crew Programms (siehe Kasten). Das Prinzip: Die NASA finanziert und entwickelt nicht mehr alle Weltraumreisen selbst, sondern kauft Wissen und Technologie von anderen Firmen ein. Seit dem Jahr 2010 arbeitet sie dafür mit mehreren amerikanischen Unternehmen der Luft- und Raumfahrtindustrie zusammen. Ziel ist es, einen sicheren, zuverlässigen und kostengünstigen Zugang zur Internationalen Raumstation und von dort aus in den Weltraum zu haben. Die NASA wählte SpaceX im September 2014 aus, um künftig wieder Besatzungen aus den Vereinigten Staaten zur ISS zu transportieren.

Das Commercial Crew Programm, Anfang 2010 vom damaligen US-Präsidenten Barack Obama in die Wege geleitet, ist ein völlig neuer Ansatz in Amerikas astronautischer Raumfahrt: Statt wie bislang eigene Raumfahrzeuge zu entwickeln, zu besitzen und zu betreiben, will die US-Weltraumagentur NASA künftig nur noch Kunde sein – und zwar »ein Kunde unter vielen in einem robusten kommerziellen Markt«, wie es NASA-Chef Jim Bridenstine formuliert. Um das zu erreichen, hat die Behörde zwei Raumfahrtunternehmen, SpaceX und Boeing, damit beauftragt, nach deren eigenen Ideen ein Raumschiff für den Transport von Astronautinnen und Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS zu bauen. Als Anschubfinanzierung erhielt SpaceX für die Crew-Dragon-Kapsel knapp drei Milliarden Euro. Boeing bekam sogar 4,4 Milliarden Euro, liegt mit seiner Starliner-Kapsel auf Grund technischer Probleme allerdings zurück. Die NASA erhofft sich von dem Programm deutlich niedrigere Flugpreise. Kosteten Flüge im Spaceshuttle pro Raumfahrer noch gut 150 Millionen Euro, rechnet die NASA für Flüge in SpaceX-Kapseln mit Ausgaben von lediglich 60 Millionen Euro.

Ein Feature, mit dem SpaceX günstigere Reisen ins All ermöglichen will als bislang üblich, sind seine teilweise wieder verwendbaren Raketen. Die Erststufe, der Booster, kann von der Zweitstufe abkoppeln, um wieder auf der Erde zu landen. Dies ist auch dem Booster der Crew-1-Mission längst gelungen.

Dienstag früh gegen 5.00 Uhr deutscher Zeit wiederum soll die »Crew Dragon« automatisch an der ISS andocken. Die NASA-Astronauten Michael Hopkins, Victor Glover und Shannon Walker sowie der japanische Astronaut Soichi Noguchi sollen sechs Monate an Bord der ISS bleiben. Dort befinden sich derzeit bereits die NASA-Astronautin Kate Rubins sowie ihre russischen Kollegen Sergej Ryschikow und Sergej Kud-Swertschkow.

Mit SpaceX zum Mond?

Die »Crew-1« ist die erste Besatzung, die offiziell vom Raumschiff »Crew Dragon« zur ISS befördert wird, nachdem ein bemannter Test erfolgreich verlaufen war. Die beiden US-Astronauten Robert Behnken und Douglas Hurley waren bei diesem Test im Mai mit einem »Crew Dragon« zur ISS geflogen und im August zurückgekehrt. Es war nach fast neunjähriger Pause das erste Mal, dass Astronauten von den USA aus zur ISS flogen, und das erste Mal, dass ein privates Raumfahrtunternehmen die Reise ermöglicht hat.

SpaceX hatte zuvor ausschließlich Fracht zur ISS transportiert. Doch Firmengründer Elon Musk hat größere Pläne. Mit Hilfe seiner in Teilen wieder verwendbaren Raketen möchte er so bald wie möglich auch Menschen kostengünstig und regelmäßig in den Weltraum fliegen. Zur Debatte steht mittlerweile gar, ob SpaceX Astronauten künftig zum Mond bringt. Zum einen, weil die ursprünglich für die Artemis-Mondmission vorgesehene Rakete weder günstig noch schnell umzusetzen ist. Zum anderen, da auch das NASA-Raumschiff »Orion« Probleme bereitet.

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