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Immuntherapie: CRISPR gegen verborgene Krebszellen

Mediziner arbeiten an einer praktischen Anwendung für das Genwerkzeug CRISPR: Es soll versteckte Krebszellen für die Vernichtung durch das Immunsystem markieren.
Tumorzelle und DNALaden...

Bei der Immuntherapie versuchen Mediziner, das körpereigene Abwehrsystem von Krebspatienten gezielt gegen Tumorzellen zu hetzen – was derzeit mal mehr, mal weniger gut klappt und auch Gefahren mit sich bringt. Ein Problem der neuen Methoden ist, dass Tumorzellen die angriffslustigen Immunzellen hemmen können oder sich besonders gut vor ihnen verbergen. Solchen versteckten Krebszellen könnte man in Zukunft vielleicht auch mit der Hilfe des Gentechnikwerkzeug CRISPR flächendeckend enttarnen, hoffen nun Forscher um Sidi Chen von der Yale University: Im Fachmagazin »Nature Immunology« berichten sie von ersten erfolgreichen Testläufen in Mäusen, bei denen sie so gezielt nur tausende vor allem in Krebszellen vorhandene Genvarianten aktivierten und diese Tumorzellen für die Körperabwehr dann deutlich sichtbar und angreifbar machten.

Die Forscher haben CRISPR zunächst darauf trainiert, bestimmte typische Gene von Krebszellen zu aktivieren. Dies sorgte in Vorversuchen dafür, dass die Krebszellen große Mengen der krebstypischen Proteine produzierten und als Antigene präsentierten – was in der Folge eine starke Gegenreaktion des Immunsystems gegen die Antigenflut provozierte. In weiteren Versuchen transportierten die Forscher die CRISPR-Tumorantigen-Aktivierungswerkzeuge mit Adenoviren gezielt in Tumoren von Mäusen mit unterschiedlichen Krebserkrankungen. Dies sorgte ebenso für eine deutliche Reaktion von Antitumor-T-Zellen und anderen Immunsignalen gegen die verschiedenen Krebsarten. In der Folge ging das alarmierte Immunsystem zudem nicht nur gegen die direkt attackierten Primärtumore vor, sondern auch gegen entfernte potenzielle Krebsherde.

Die CRISPR-gestützte Immuntherapie – die Forscher nennen sie MAEGI (multiplexed activation of endogenous genes as an immunotherapy) – enttarnt somit womöglich auch Krebszellen, die von anderen Formen der Immuntherapie bisher nicht erreicht wurden. Zu diesem Zweck kann CRISPR mit zehntausenden krebsspezifischen Sequenzen programmiert werden, nach denen die Zellen des Körpers dann durchsucht werden – bei jedem Treffer wird das betreffende Gen verstärkt aktiviert und verrät der Körperabwehr die entartete Zelle. Damit ist der Kampf gegen die Tumoren allerdings noch nicht gewonnen, sondern vor allem das Angriffsziel für das Immunsystem markiert: Im Tumorgewebe finden sich in der Folge zum Beispiel viele T-Zellen, und das Immunsystem kann nun besser zum Angriff etwa mit Checkpoint-Inhibitoren angeregt werden. Diese Attacken gehen nicht ohne teilweise schwere Nebenwirkungen einher, und weitere Forschung ist geboten. Dies gilt auch für den neuen MAEGI-Ansatz: Hier muss noch daran gearbeitet werden, das System in großem Maßstab möglichst kostensparend herstellen und einsetzen zu können, um es dann später im klinischen Test mit Krebspatienten auf die Probe zu stellen.

42/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 42/2019

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