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News: Da hinten bläst er

Jahrhundertelang hat die Menschheit die Giganten der Meere gnadenlos verfolgt - heute sind die meisten Walarten vom Aussterben bedroht. Einer davon ist der Nordkaper, der in den Gewässern des Nordatlantiks zu Hause ist. Kleinere Populationen im Nordpazifik zählten die Wissenschaftler bisher zur selben Art. Genetische Untersuchungen zeigen jetzt jedoch, dass es sich hier um eine eigene, extrem gefährdete Art handelt.
Herman Melvilles "Moby Dick" machte die Wale literarisch unsterblich. Auf Grund der riesigen Flächen der Weltmeere konnte sich der Autor eine Bedrohung der riesigen Meeressäuger durch den Walfang nicht vorstellen. Inzwischen haben ihn die modernen Zeiten leider widerlegt: Die Populationen der meisten Arten sind drastisch zusammengeschrumpft – viele sind unmittelbar vom Aussterben bedroht.

Eine stark gefährdete Art ist der zu den Glattwalen gehörende Nordkaper (Eubalaena glacialis) – eine Bartenwalart, die hauptsächlich im Nordatlantik vorkommt. Seit mehr als 800 Jahren bis weit ins 20. Jahrhundert stellten Walfänger dem bis zu 16 Meter langem Tier wegen seines Öls und seiner Bartenplatten nach. Seine "günstigen" Eigenschaften – er schwimmt langsam, hält sich oft in Küstennähe auf, und sein toter Körper treibt auf dem Wasser – machten ihn für die Jäger zum "richtigen" Wal – daher der englische Name "right whale". Die Bestände schrumpften dramatisch. Bereits im 19. Jahrhundert war die Art gefährdet. Seit 1937 ist der Nordkaper international geschützt, doch illegale Jagden sowie Kollisionen mit Schiffen bedrohen die Art weiterhin. Die Meeresforscher schätzen, dass heute im Nordatlantik weniger als 300 Tiere leben, im Nordpazifik sogar weniger als 200.

Für die Populationen im Nordpazifik interessierten sich Wissenschaftler unter der Leitung von Howard Rosenbaum vom Wildlife Conservation Society in New York. Handelt es sich bei den Tieren wirklich um Nordkaper oder liegt hier eine eigene Art vor? Hierfür stürzten sich die Forscher zunächst auf alte Museumsexemplare. Durch die Technik der Polymerase-Kettenreaktion gewannen sie aus den Bartenplatten von Exemplaren, die teilweise vor über 100 Jahren gefangen wurden, DNA-Fragmente und verglichen sie mit der DNA heute lebender Tiere. Aus den Proben von insgesamt 380 Walen schlossen die Forscher, dass es sich bei den nordpazifischen Populationen um eine eigene Art handelt (Molecular Ecology vom November 2000). Damit existieren, neben dem Nordkaper im Nordatlantik und dem Südkaper im Südatlantik, drei Arten der Gattung Eubalaena.

Das macht die Sache für den Artenschutz nicht einfacher. "Es gibt nur wenig Informationen über den nordpazifischen Nordkaper, außer sporadischen Sichtungen und der Tatsache, dass er durch illegale Jagd schwer angeschlagen ist", erklärt Rosenbaum. "Der nordatlantische Nordkaper genießt schon intensiven Artenschutz. Dieser Schutz muss mit höchster Priorität fortgesetzt werde, der Artenschutz muss sich jedoch auch auf die nordpazifische Art konzentrieren, um die hier lebenden Populationen zu retten."

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