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Hirnforschung: Dank Hirnschrittmacher: Komapatient spricht wieder

Hirnschrittmacher
Röntgenaufnahme des Patientenschädels
Röntgenaufnahme des Patientenschädels | Die Röntgenaufnahme des Patientenschädel zeigt den Schrittmacher, über den elektrische Impulse ins Gehirn des Komapatienten geschickt werden.
Durch eine elektrische Stimulation des Gehirns hat sich der Zustand eines Patienten verbessert, der sich seit etwa sechs Jahren in einem komaähnlichen Zustand befindet. Er könne nun wieder einige Worte sprechen und Nahrung zu sich nehmen, berichtet Nicholas Schiff vom Weill Cornell College in New York. Der 38-jährige Amerikaner erlitt bei einem Raubüberfall im Jahr 1999 schwere Gehirnverletzungen und fiel daraufhin in den Zustand eines minimalen Bewusstseins, dem minimally conscious state (MCS). Er ist der erste von zwölf Teilnehmern einer 2005 gestarteten Pilotstudie, welche die neue Behandlungsmethode untersucht.

3-D-Diagramm des OP-Plans
3-D-Diagramm des OP-Plans | Die dreidimensionale Simulation der Operation zeigt, wie der Schrittmacher ins Gehirn eingepflanzt wurde.
Im Gegensatz zu Komapatienten zeigen Menschen, die an MCS leiden, unregelmäßige und schwache Anzeichen von Bewusstsein. Trotzdem räumen ihnen die Ärzte in der Regel nur geringe Chancen zur Regeneration ein, falls sich während des einjährigen Rehabilationsprogramms keine Anzeichen der Besserung andeuten. Eine zuverlässige Therapie gibt es bislang nicht. Zuvor erschienene Studien hatten jedoch gezeigt, dass bei vielen Patienten wichtige neuronale Verbindungen im Gehirn überraschend stark erhalten bleiben. Dies, so argumentieren die Forscher, deute darauf hin, dass wichtige Funktionen im Gehirn mit Hilfe einer therapeutischen Behandlung womöglich wieder aktiviert werden könnten.

Die Wissenschaftler stimulierten deshalb den Thalamus des Patienten, der die Informationsverarbeitung und die Bewegungsabläufe des Menschen steuert. Dazu implantierten sie dem Patienten einen Schrittmacher in die Brust, der den Thalamus über Elektroden im Gehirn gezielt stimuliert. Dabei variierten sie die meist mehrstündige Dauer des täglichen Einsatzes. Die beobachteten Fortschritte seien ermutigend, so die Forscher. Denn vor der Behandlung habe der Patient nicht sprechen und keine Nahrung zu sich nehmen können. Mittlerweile kann er wieder kauen und seine Hand gezielt bewegen.

Sollte sich dieser neue Therapieansatz bewähren, könnte er jener MCS-Patientengruppe helfen, deren neuronale Netze noch stark genug ausgeprägt sind. Nach Schätzungen leiden allein in den USA zwischen 100 000 und 300 000 Patienten am MCS. Bereits heute ist die Technik des Hirnschrittmachers bei Parkinson und MS-Patienten im Einsatz. (may)
03.08.2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 03.08.2007

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