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News: Dann eben mit Gewalt!

Wenn der gute Einzelkämpfer mit Spezialausbildung die bösen Terroristen massenweise niedermetzelt, und so die Welt oder zumindest seine Schauspielerkollegin rettet, wenn ein wackerer Durchschnittsmieter in seiner Wohnung untote, hinterhältige Monster in die Luft sprengt, um so seine Tochter aus der Unterwelt zu befreien, oder wenn sich einfach nur zwei verliebte Cowboys ritterlich um eine der wenigen Damen im rauhen Wilden Westen prügeln - steigt dann beim Konsumenten im Kino- oder Fernsehsessel die Gewaltbereitschaft im wahren Leben? Zwei neuen psychologischen Studien zufolge ist das tatsächlich der Fall. Allerdings muß man wohl schon sehr ausdauernd brutale Szenen auf der Mattscheibe betrachten, bis der verborgene 'Rambo' in Konfliktsituationen durchschlägt.
James B. Weaver III., der Leiter des Department of Communications Studies an der Virginia Polytechnic Institute and State University und Dolf Zillmann von der University of Alabama haben die beiden neuen Untersuchungen durchgeführt.

Bei einem Projekt wurden den Teilnehmern an vier aufeinanderfolgenden Tagen gewaltfreie oder brutale Filme gezeigt. Am fünften Tag – ungefähr 24 Stunden nach dem letzten Film – nahmen die Probanden an einem weiteren Test teil, der anscheinend nichts mit der Gewaltstudie zu tun hatte (Journal of Applied Social Psychology Vol. 29, Nr. 1, Abstract). Der Assistent behandelte sie entweder konsequent neutral oder unverschämt und beleidigend. Im Laufe des Experiments ergab sich später eine Gelegenheit für die Versuchspersonen, diesem Mitarbeiter zu schaden. Weaver und Zillmann stellten fest, daß sowohl dessen rüpelhaftes Verhalten als auch die zuvor gesehenen Gewaltfilme ein feindliches Verhalten gegenüber dem Assistenten förderten. Die Auswirkungen der Filme waren selbst dann nachweisbar, wenn der Mitarbeiter nicht provozierend aufgetreten war. Dabei spielte es keine Rolle, ob der Versuchsteilnehmer männlich oder weiblich war.

In der zweiten Studie zeigten die Wissenschaftler den Probanden vier verschiedene Abstufungen von Filmen: völlig gewaltfreie, solche mit gemäßigten Szenen, gewaltverherrlichende und Horrorfilme (Personality and Individual Differences vom Mai 1997). Den größten Effekt hatte die unnötige Gewalt, besonders bei Männern, die sich selbst als sozial von der Norm abweichend und egozentrisch empfanden. Sie akzeptierten nach den Videoveranstaltungen Gewalt noch eher als einen Weg, Konflikte zu lösen. Außerdem traten sie stärker als sonst für die Todesstrafe ein. Die "klassische" Gewalt oder überzogene Blutorgien der Horrorstreifen hatten übrigens keine derartige Auswirkungen. Die Filme müssen wohl noch den Hauch einer (brutalen) Realität vermitteln, um sich im Denken und Verhalten manifestieren zu können.

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