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Mikrobiom: Darmflora-Therapie soll Kuhmilchallergie heilen

Andere Bakterien im Darm könnten Allergene schlicht aussperren - aber welche? Für Kuhmilchallergie gibt es jetzt eine vorläufige Antwort.
Baby mit FlascheLaden...

Wie die Darmflora von Säuglingen zusammengesetzt ist, könnte darüber entscheiden, ob Kinder gegen Kuhmilch allergisch sind oder nicht. Darauf deuten Ergebnisse einer Arbeitsgruppe um Cathryn Nagler von der University of Chicago hin. Ein Team des Koautors Roberto Berni Canani hatte in einer vorherigen Studie bereits herausgefunden, dass gegen Milch allergische Babys häufiger gegen das Allergen tolerant wurden, wenn sie einen probiotischen Lactobacillus-Stamm zusätzlich zur Nahrung bekamen. Nun fand Nagler, dass sich dieser Unterschied auch anhand der tatsächlichen Mikrobengemeinschaften im Stuhl nachweisen ließ. Demnach haben allergische Kinder andere Bakterien im Darm als gesunde. Probiotisch behandelte Kinder, bei denen sich die Allergie zurückbildete, zeigten charakteristische Veränderungen in der Darmflora, die auf eine Heilungsstrategie hoffen lassen.

Nagler und ihre Mitstreiterinnen forschen bereits seit Jahren über die Frage, welchen Einfluss die Darmflora auf Lebensmittelallergien hat. Sie vermuten unter anderem, dass die Darmflora bestimmt, wie viele Allergene in die Blutbahn gelangen – ein Ergebnis, das sich in Tierstudien bestätigte. Dabei zeigte sich auch, dass es nicht nur die Besiedlungsdichte ist, die diesen Effekt kontrolliert: Verschiedene Bakterienstämme sind demnach unterschiedlich wirksam, wenn es darum geht, Allergene aus dem Blut auszusperren. Auch in der aktuellen Studie stellte sich nach Angaben der Arbeitsgruppe ein solcher Effekt ein: Bei ehemals allergischen, nun aber toleranten Säuglingen hatten jene Stämme zugenommen, die die kurzkettige Fettsäure Butyrat herstellen. Demnach, schließt das Team, steht und fällt die Bekämpfung von Allergien in solchen Fällen mit der Aufnahme sehr spezifischer Bakterienstämme, die man womöglich gezielt zuführen kann.

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