Direkt zum Inhalt

Internetkonsum und mentale Gesundheit: Darum fällt es so schwer, das Smartphone aus der Hand zu legen

Stundenlanges Scrollen gehört für viele zum Alltag. Psychologen entschlüsseln, wie Gefühle, Gewohnheiten und fehlende Selbstkontrolle uns im digitalen Sog festhalten.
Eine Illustration zeigt eine Person, die kopfüber in ein überdimensionales Smartphone eintaucht, als ob sie in Wasser springt. Das Smartphone liegt auf einer gelben Fläche, und die Wasseroberfläche auf dem Bildschirm erzeugt konzentrische Kreise um die Hände der Person. Die Szene symbolisiert das Eintauchen in die digitale Welt.
Einmal eingetaucht, fällt es vielen schwer, sich wieder vom Smartphone zu lösen.

Man wollte nur kurz auf die Uhr schauen – und verliert sich im endlosen Scrollen durch Feeds oder Reels. Das kann zur Belastung werden und Folgen für die psychische Gesundheit, den Alltag und die Beziehung zu anderen haben. Forschende um den Psychologen Matthias Brand von der Universität Duisburg haben sich der Frage gewidmet, warum es so schwerfällt, sich vom Bildschirm zu lösen.

Für die in der Fachzeitschrift »Comprehensive Psychiatry« erschienene Studie baten sie mehr als 800 Personen ins Labor. Ziel war es, ein theoretisches Modell zur Entstehung von Verhaltenssüchten zu überprüfen. Die Untersuchung dauerte rund fünf Stunden und beinhaltete sowohl Befragungen (etwa zum Medienkonsum und zur psychischen Gesundheit) als auch verschiedene Aufgaben am Computer, zum Beispiel einen Test zur Impulskontrolle, bei dem man auf bestimmte Reize reagieren soll, während man andere ignoriert. Außerdem gab es sechs Monate später eine Nachbefragung.

Gefühle, Gewohnheiten und Selbstkontrolle

Den Ergebnissen zufolge sind es vor allem drei Mechanismen, die eine problematische Internetnutzung vorantreiben und aufrechterhalten. Erstens der Wunsch, sich besser oder weniger schlecht zu fühlen. Zweitens ein innerer Zwang, online zu gehen. Und drittens Schwierigkeiten dabei, mit dem Verhalten aufzuhören.

»Wir konnten erstmals empirisch fundiert zeigen, dass diese drei Wege zusammenwirken«, sagt Matthias Brand in einer Pressemitteilung. Entscheidend sei das Zusammenspiel von Emotionen, Gewohnheiten und Selbstkontrolle. Die affektiven und kognitiven Mechanismen konnten gemeinsam 63,5 Prozent der Symptome einer problematischen Internetnutzung zum Untersuchungszeitpunkt erklären sowie 42 Prozent der Symptome nach sechs Monaten – und daher sowohl aktuelle als auch zukünftige Symptome vorhersagen.

Wie die Forschenden weiter erläutern, wird das Internet von den Betroffenen aufgesucht, um Stress und unangenehmen Gefühlen zu entfliehen. Diese ungünstige Strategie wird automatisiert, das heißt, der Griff zum Smartphone passiert ganz nebenbei, ohne groß nachzudenken. Eine starke Automatisierung stand zum Beispiel mit einer erhöhten Impulsivität bei den objektiven Tests in Zusammenhang.

Zudem entwickeln Betroffene ein intensives psychisches Verlangen nach dem Konsum sowie das Gefühl, das Verhalten nicht unter Kontrolle zu haben oder nicht stoppen zu können. Letzteres ging etwa mit einer reduzierten Selbstkontrolle in den objektiven Tests einher.

Ein problematischer Medienkonsum beziehungsweise Internetnutzungsstörungen sind ein wachsendes Problem für die Gesellschaft und den Einzelnen. Ein tieferes Verständnis der Ursachen des Verhaltens ist entscheidend, um vorbeugen und effektiv helfen zu können.

  • Quellen
Brand, M. et al., Comprehensive Psychiatry 10.1016/j.comppsych.2026.152697, 2026

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.